Googles neuer Algorithmus für mobile Webseiten ist seit einigen Wochen etabliert. Eine Folge: Laut Searchmetrics, dass die mobilen Webseiten von über 160 deutschen Unternehmen untersucht hat, treten bei den nicht optimierten Seiten bis zu 60 Prozent Verlust der Sichtbarkeit gemäß Searchmetrics Index auf.  Bei den 40 größten Verlierern erfüllten nur 9 Seiten die Google-Kriterien für das mobile-friendly-Label. 

Bei den 40 größten Gewinnern im Sichtbarkeitsranking befinden sich nur drei Seiten ohne mobile-friendly-Label.  Der Einfluss von Googles Algorithmus ist also erheblich.

Dabei sollte Googles Initiative nicht als Strafe verstanden werden, meint Jan Webering, Gründer und Geschäftsführer des Web-Technologie-Anbieters Sevenval, in einem Gastbeitrag für etailment. Google reagiere eben genauso auf den wachsenden, mobilen Traffic wie das auch Unternehmen tun sollten. Jetzt sei es daher höchte Zeit für einen OneWeb-Ansatz.

M-Commerce ist gekommen um zu bleiben.

Für die Top 500 E-Commerce Unternehmen in den USA gilt schon jetzt: 50 Prozent des Traffics kommen konstant über das Smartphone. Wer keine gute Usability für mobile Geräte anbietet, verliert Kunden und damit Umsätze.  Laut Forrester Research können im Gegenzug Webseiten, die Googles Vorgaben erfüllen, mit 35 Prozent mehr Traffic und 20 Prozent mehr Umsatz rechnen.

Wer über Googles Kriterien hinaus geht und die Optimierung für Mobile voll ausschöpft kann im Durchschnitt mit 48 Prozent mehr Besuchern und 38 Prozent mehr Einnahmen rechnen.

Wer dies tut und neben den Usability-Kriterien von Google auch die Performance der mobilen Webseite verbessert, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens steigert er jetzt schon Traffic und Umsatz. Zweitens ist zu erwarten, dass kurze Ladezeiten in naher Zukunft von Google als Ranking-Faktor stärker gewichtet werden.

Im Netz kursiert ein Screenshot, der zeigt, dass Google in Zukunft Seiten als „Slow“ markiert. Das wird kommen, wenn die jetzigen Kriterien von Google zum Standard werden und damit das Label „Für Mobilgeräte“ nicht mehr aussagekräftig ist.     



Mobile ist überall

Die wachsende mobile Internetnutzung ist kein Strohfeuer, sondern ein Trend der uns über die nächsten Jahre begleiten wird. Dafür spricht schon alleine die wachsende Zahl der Internetnutzer in Schwellenländern, die das Festnetz-Internet schlicht überspringen.

Zweiter Eckpfeiler dieser Entwicklung: In Europa sind geringere Roaming-Gebühren zu erwarten, auch wenn der Gesetzesentwurf zum Wegfall der Roaming Gebühren aktuell vom Rat der EU-Staaten blockiert wurde. Unter Preisdruck stehen die Provider trotzdem.

Außerdem werden sich in den nächsten Jahren neue Geräte etablieren, die ebenfalls mobil genutzt werden: Smartwatches und Datenbrillen werden ihre Anhänger finden, zudem wird das vernetzte Auto zum Standard. 

Wie lässt sich die Mobilisierung lösen?

Während ein Blogger nur wenig Aufwand betreiben muss, um seine Seite für Google zu verbessern, stehen Konzerne vor deutlich mehr Aufwand. Shopsysteme mit komplizierter Logistik im Back-End, sicherheitsorientierte Unternehmen wie Banken und Versicherungen und Industriekonzerne stehen vor größeren Herausforderungen.  Auch weil diese Unternehmen oft international auftreten und Dutzende Länderseiten betreuen müssen.

In der Regel sind bei Konzernen über die Jahre verschiedene Silo in der IT-Struktur entstanden. Für Shopsysteme, Warenwirtschaft, Finanzen und ähnliches finden sich im Back-End verschiedene Systeme, die oft mehr schlecht als recht zusammen vernetzt werden, weil man sich den Neuanfang nicht zutraut.

Im Front-End bilden in diesen organisch gewachsenen Strukturen der Konzerne oft die verschiedene Kanäle die Silos: Es gibt eine Desktopseite, dann musste eine App her, darauf folgte die M-Dot-Seite, die von einer Variante für Tablets begleitet wurde.

Es ist an der Zeit, diese verschiedenen Versionen als Zwischenlösungen zu betrachten.

Im Grunde bestehen für Konzerne zwei Lösungsmöglichkeiten: Wie Wal-Mart auf der digitalen, grünen Wiese einen Neuanfang wagen und  zunächst das bestmögliche Front-End für seine Kunden zu entwickeln. Alte Legacy-Systeme aus dem Back-End werden entsorgt. Die IT hinter den Webseiten folgt der Front-End-Architektur.

Der Einzelhandels-Riese hat mit diesem scheinbar gewagten Schritt die Digitalisierung erfolgreich abgeschlossen: Der E-Commerce erwirtschaftet inzwischen rund die Hälfte des Konzernumsatzes. Wir raten inzwischen jedem Unternehmen diesen Weg zu gehen, falls es irgendwie möglich erscheint. 

Die zweite Möglichkeit ist mittels Parsing aus einem veralteten Front-End ein neues zu erzeugen, um alte Legacy-Systeme zunächst nicht anfassen zu müssen.  Eine Lösung, die oft genutzt wird, um die neuesten Trends bei der Webseiten-Funktionalität nicht zu verschlafen.

In beiden Fällen ist es sinnvoll,  ein IT-Modul zu integrieren, das die Auslieferung und Darstellung von Webseiten an alle Geräte möglichst automatisch erledigt und in beide Richtungen kompatibel ist. Wir nennen das den Front-End-Server.

Den Browser entlasten

Es ist eigentlich eine absurde Entwicklung, dass wir dem kleinsten Rechner die größte Arbeit zumuten. Aktuell wird der Browser und damit die CPU von Tablets und Smartphones enorm belastet, wenn eine Webseite responsiv auf verschiedene Screengrößen und diverse weitere technische Eigenschaften eines Gerätes angepasst werden soll. Dabei werden oft die Datenmengen einer Desktopseite übertragen, obwohl der Browser nach Ankunft der Dateien nur ein Bruchteil davon darstellt.

Ein Front-End-Server entlastet den Browser,  indem zum Beispiel Bilder nur noch in der passenden Auflösung versandt werden und der optimale Render-Prozess aller Inhalte dem Browser vorgegeben wird. Dies ermöglicht eine Kombination aus Device- und Feature-Detection, die im Abgleich mit einer Geräte-Datenbank die beste Vorgehensweise zwischen Server und Browser festlegt.

Damit werden Zwischenlösungen wie m-dot-Seiten überflüssig,  alle Geräte können über eine URL optimal bedient werden.  Zudem geschieht dies dank der Feature- und Device-Detection viel genauer, aktueller und zukunftssicherer als bei einer m-dot-Site, die irgendwann mal für Android und iOS optimiert wurde.

Wir bezeichnen dies als OneWeb-Ansatz – es gibt kein Internet für Mobile und keines für den Desktop. Es gibt nur ein Netz, das von Hunderten verschiedenen Geräten genutzt wird.

Multi-Device Nutzerverhalten

Die Bereitstellung einer URL für alle Geräte kommt dem Nutzerverhalten entgegen. 90 Prozent aller Nutzer wechseln zwischen Geräten wie Desktop-PC und Smartphone, um eine Aufgabe – etwa die Recherche und Buchung einer Reise – zu erledigen. Wird dabei nur eine URL gebraucht,  ist es einfacher ein konsistentes Nutzererlebnis auf allen Geräten zu gewährleisten.

Webseiten effizienter betreiben

Auch für Webseitenbetreiber wird mit einem Front-End-Server und dem OneWeb-Ansatz vieles einfacher. Ein Marketing-Manager steht vor fragmentierten Inhalten: Er betreut diverse Länderseiten  in verschiedenen Sprachen, hinzu kommen Seiten für bestimmte Marketingaktionen. Die technische Fragmentierung bleibt ihm erspart – er muss nicht obendrein an M-Dot, T-Dot und die App denken. Ähnlich geht es dem Projekt-Manager, der sich auf die Entwicklung einer Seite konzentrieren kann. Genauso geht es dem Developer, er erstellt eine Codebasis. Verschiedene Experten für die einzelnen Kanäle sind nicht mehr nötig.

Eine Lösung für alle Geräte

Ein weiteres Problem hat jeder schon gesehen: Das Design der App ist taufrisch, während die Desktop-Seite altmodisch aussieht.  Beim OneWeb-Ansatz kann der Designer ein klares Layout und eine intuitive Benutzerführung für alle Geräte entwickeln.Schließlich hat der bekannte Web-Developer und Buchautor Jeremey Keith schon 2011 gesagt: “There is no mobile web. There are plenty of mobile devices. And equally there is no desktop web. It is just the web. So that’s why I always bang this drum: one web”.