Der stationäre Handel hofft auf den Rettungsanker Technik. Entsprechend gewaltig ist in diesem Jahr das Angebot auf der Düsseldorfer EuroCIS, Fachmesse für Retail Technology. Elke Moebius, Director der EuroCIS, sagt im Interview auf welche Trends Händler hoffen dürfen.

Elke Moebius, Director der EuroCis (Foto: Messe Düsseldorf)
Elke Moebius, Director der EuroCis (Foto: Messe Düsseldorf)

 

Die EuroCIS meldet für 2015 einen Flächenzuwachs von 30 Prozent zur Vorveranstaltung. Weil die Händler so viel Platz für neuen digitales Spielzeug brauchen?

Elke Moebius: Bei der EuroCIS ist es eigentlich wie bei allen Messen, d.h. ein Flächenzuwachs spiegelt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage der jeweiligen Branche wider. Und die Nachfrage nach Retail Technology ist derzeit enorm hoch. Dadurch wachsen natürlich auch die Zahl der Anbieter und die Palette der Produkte und Lösungen, die gezeigt werden. Beim Hopping zwischen Laden und Webshop akzeptiert der moderne Kunde keinerlei Restriktionen. Das Zauberwort dafür heißt seamless customer experience. Er will hier kaufen, dort bezahlen, hier bestellen, dort reklamieren, hier Coupons einlösen, dort retournieren. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss der Handel in Retail Technology investieren.

Viele Händler hoffen auf die Verknüpfung von Online und Offline am digitalen POS. Zu Recht?

Elke Moebius: Ich denke ja, auch wenn dies sicherlich nicht für alle Retailzweige in der gleichen Weise und mit dem gleichen Tempo flächendeckend erfolgen wird. Aber wenn Sie mit Kennern der Branche sprechen, so ist schon gar nicht mehr die Rede von Online versus Offline, sondern von „No Line“. Will heißen: In Zukunft wird es gar keine Gegenüberstellung mehr von Offline und Online geben. Vielmehr werden die Händler die unterschiedlichen Kanäle derart miteinander verknüpfen müssen, dass ihre Produkte und Services über alle Kanäle hinweg größtmöglichen Komfort, aber auch Spaß am Einkaufen für den Shopper gewährleisten. Die Kunden ziehen wie Vagabunden durch die Shoppingwelten. Wer schafft, sie hierbei durchgehend zu begleiten und zu bedienen, dem gelingt auch die Kundenbindung.

 

Bruchloses Erlebnis: "Die Kunden ziehen wie Vagabunden durch die Shoppingwelten. Wer schafft, sie hierbei durchgehend zu begleiten und zu bedienen, dem gelingt auch die Kundenbindung."

Welche Trends wird man dazu auf der EuroCIS sehen? Welche Innovationen gibt es sonst noch?

Elke Moebius: Ein großer Schwerpunkt wird auf mobilen Lösungen liegen, die den Handel bei Beratung und Verkauf im Laden unterstützen. Daneben erwarten wir viele Innovationen im Bereich interaktiver Touchpoints - von der intelligenten Umkleide über digitale Größenberater bis hin zu virtuellen Regalen. Augmented Reality-Anwendungen mit Unterstützung von Google Glasses und ähnlichen Devices wird es auch bei einigen Aussellern zu sehen geben. Erstmals werden auf der EuroCIS übrigens auch einige Ladenbaufirmen ausstellen, die auf sehr innovative Weise die Integration von Store Design und Digitalen Medien präsentieren. Auch die Themen digitale Preisauszeichnung und digitale Plakate werden auf der EuroCIS eine wichtige Rolle spielen, da sich die Technologien hier in kurzer Zeit enorm weiterentwickelt haben. Der vom BMWI geförderte Gemeinschaftsstand für Startups und die Innovationsfläche gegenüber des Multichannel Forums sind hier empfehlenswerte Anlaufpunkte.

Große Hoffnungen setzt die Branche auch in Mobile Payment und mobile Kassensysteme. Die Zahl der Anbieter wird langsam unübersichtlich. Inwiefern kann die EuroCIS da Orientierung schaffen?

Elke Moebius: Es ist richtig, dass es für inzwischen viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt, das Thema Mobile Payment aufzugreifen. Da sich bisher kein Standard durchgesetzt hat, bleibt es entscheidend, flexibel auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Auf der EuroCIS ist die gesamte Bandbreite an Payment-Anbietern präsent und zeigt dem Handel in sehr konzentrierter Form, wie er seine Systeme für die Zukunft des Bezahlens fit machen kann - ob per NFC, QR-Code oder auf andere Weise. Die Mobile Kasse spielt in den Planungen vieler Retailer eine wichtige Rolle, sei es um Warteschlangen zu reduzieren oder dem Kunden direkt am Produkt oder Regal die Möglichkeit des Bezahlens zu geben. Auch hier bietet die EuroCIS einen umfassenden Überblick über das gesamte Spektrum an neuen Lösungen.

 

Mobile Payment: "Da sich bei Mobile Payment bisher kein Standard durchgesetzt hat, bleibt es entscheidend, flexibel auf Marktentwicklungen reagieren zu können."

Eines der Top-Themen der Branche sind Beacons. Wie geht die Messe damit um?

Elke Moebius: Natürlich greifen viele EuroCIS Aussteller das brandaktuelle Thema iBeacons an ihren Messeständen auf. Darüber hinaus bietet die EuroCIS selbst, als erste Veranstaltung der Messe Düsseldorf, ihren Ausstellern und Besuchern über eigene iBeacons zusätzliche Services während der Messelaufzeit an. Das heißt, wir nutzen die neue Technologie zur Laufzeit, um unseren Ausstellern und Besuchern wertvolle Informationen rund um die Messe sowie exklusive Couponaktionen für einen noch angenehmeren Aufenthalt in Düsseldorf zur Verfügung zu stellen. Auch rund um Special-Events werden exklusive Infos erhältlich sein. Schlüssel zu den Aktionen wird unsere kostenlose EuroCIS App sein, die bereits im Appstore und bei Google Play kostenfrei erhältlich ist.

Angesichts begrenzter IT-Etats dürften sich aber gerade kleine Händler fragen, ob sich speziell für sie ein Besuch in Düsseldorf lohnt?

Elke Moebius: Gerade weil die IT-Etats begrenzt sind, ist ein Besuch der EuroCIS sinnvoll. Denn ohne sich einen Überblick zu verschaffen und Produkte verschiedener Anbieter direkt miteinander vergleichen zu können, kommt es allzu schnell zu Fehlinvestitionen. Größtes Plus der EuroCIS als Spezialmesse: Hier kann man sich gezielt über individuelle Lösungen für seine Bedürfnisse beraten lassen. So gibt es gerade auch für kleinere Unternehmen und solche, die gerade erst mit der Umrüstung beginnen,  beispielsweise modulare Systeme, die sich leicht in bestehende Systeme integrieren lassen, ohne dass gleich die komplette IT kostenintensiv erneuert werden muss.

Auch Pure Player und Online-Startups  schielen ja immer mehr Richtung offline. Wie können die von der Messe profitieren?

Elke Moebius: Für Pure Player, die sich in Richtung offline bewegen, ist die EuroCIS eine ideale Möglichkeit, mit Anbietern in Kontakt zu treten, die über viele Jahre Erfahrung im stationären Geschäft verfügen. Die zahlreichen praxisnahen und kostenfreien Vorträge in den beiden Foren geben zudem die Gelegenheit, aus erster Hand zu erfahren, wie Projekte umgesetzt wurden, welche Strategien sich als erfolgreich erwiesen haben und mit welchen Innovationen der Handel den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden von Morgen begegnet.

Die EuroCIS sieht sich selbst als „Think Tank in Sachen IT“. Ist das für eine Messe nicht ein bisschen hochgegriffen?

Elke Moebius: Die EuroCIS sieht sich nicht als Think Tank in Sachen IT, das wäre zu pauschal formuliert. Sie sieht sich aber durchaus als Think Tank in Sachen Retail Technology. Denn es gibt keine vergleichbare Plattform, auf der Retail Entscheider sich in solch konzentrierter Form über internationale Anbieter und ein derart breites Spektrum an speziell auf den Handel zugeschnittenen IT-Lösungen informieren kann und diese unmittelbar mit den Herstellern diskutieren können.