Metro-Chef Eckhard Cordes äußerte sich am Spätabend in einer Talkshow über Warenhausfusion und Managermoral - und auch über die Arbeitslosigkeit in der eigenen Familie.

Bei der Talkshow "Links-Rechts" auf des Nachrichtensenders N24 sagt die Bestuhlung alles über die politischen Positionen der Moderatoren: Hans-Hermann Tiedje sitzt rechts, Hajo Schumacher links. Zwischen ihnen saß am späten Dienstagabend Metro-Chef Eckhard Cordes und versuchte, die Mechanismen des Einzelhandels zu erklären.

Für den "Herr des Handels" (Schumacher) war die Entscheidung, in einer Talksendung aufzutreten, durchaus ein Wagnis: Cordes ist ein Mann der Zahlen und kommt nicht selten hölzern daher. Zudem sorgt die von Metro angestrebte Fusion der Warenhaustochter Kaufhof mit Karstadt aktuell für viel Wirbel. Offenbar wollte der Konzernlenker aus Düsseldorf der Medienoffensive des Arcandor-Chefs Karl-Gerhard Eick etwas entgegensetzen.

Warum er dies an einem Dienstagabend um 23:30 Uhr ausgerechnet auf N24 tat, bleibt sein Geheimnis. Cordes hielt sich aber wacker in einem temporeichen Gespräch und referierte innerhalb von nur 30 Minuten über so verschiedene Themen wie Warenhäuser, Managerehre, Globalisierung und gerechte Löhne.

"Werden Sie Leute rausschmeißen?"

Spektakuläres war vom zurückhaltenden Manager ohnehin nicht zu erwarten. Doch es gab einige bemerkenswerte Momente - zum Beispiel, als er offenbarte, dass sein Vater arbeitslos wurde, als er noch ein Kind war.

Damit entschärfte er die Frage des Moderators Schumacher, der wissen wollte, ob er bei einer Kaufhausfusion "Leute rausschmeißen würde". Seine eigentliche Antwort formulierte Cordes dann im schönsten Managerdeutsch: "Wenn das, was da ist, nicht ausreichend leistungsfähig ist, muss man es effizienter machen." Also: ja.

"Ich kenne keine Daten über Karstadt-Häuser"

Fusion hin oder her: Eine Rationalisierung wird bei Karstadt auf jeden Fall notwendig sein, sagte der Metro-Lenker: "Karstadt wird auch für sich alleine Häuser vom Netz nehmen müssen".

Dies behauptete Cordes, obwohl er mehrmals betonte, nicht über den Zustand des Wettbewerbers Bescheid zu wissen. "Ich kenne keinerlei Daten über die Warenhäuser von Karstadt", sagte er den verdutzten Moderatoren. "Ich versuche immer, deren Bilanz auf Kaufhausebene in die Hände zu kriegen und bekomme sie nicht."

Foto: Der Handel
Foto: Der Handel
Der Metro-Chef ("ich bin ein überzeugter Marktwirtschaftler") erklärte sich zum wiederholten Mal zum Gegner einer Staatsbürgschaft für Arcandor: "Das Aufrechterhalten von Arbeitsplätzen, die nicht wettbewerbsfähig sind, ist volkswirtschaftlich schädlich." Bei der Frage, ob Opel Staatshilfe verdient hat, verhaspelte sich der ehemalige Automanager jedoch und blieb letztlich eine Antwort schuldig.

Nachhilfestunde in Sachen Handel

Zwischen zwei Schluck Rotwein, der von einer tief dekolletierten Blondine immer wieder nachgeschenkt wurde, erklärte Cordes den Moderatoren den Handel. So wurden Tiedje und Schumacher etwa über die Bedeutung der Begriffe "braune Ware" oder "Category Killer" aufgeklärt.

Hier kam Cordes größte Schwäche wieder zutage: Er ist alles andere als ein Volkstribun, wirkt oft technokratisch und fühlt sich sichtlich wohler in einer Manager-Runde als in einer Talkshow. Vielleicht deshalb wählte er den unbeliebten Sendeplatz in der Nacht, wird der eine oder andere Zuschauer gedacht haben.

Optimismus am späten Abend

Immerhin: Der Manager, der den Begriff "Nebelwand" benutzte, um die möglichen Auswirkungen der Finanzkrise auf den Handel zu umschreiben, war erstaunlich optimistisch gestimmt. "Wir haben in Deutschland ein Phänomen: In den letzten fünf Jahren blieb das Geschäft im Einzelhandel stabil", sagte Cordes. "Nun haben wir die Hoffnung, dass der private Konsum nicht so stark durch die Krise getroffen wird."

Zu guter Letzt verteidigte Cordes den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und seinen Wunsch nach einer Rendite von 25 Prozent - das sei "selbstverständlich in Ordnung" und überhaupt nicht unmoralisch: „Das vernünftige Streben nach Gewinn ist ein Pfeiler der Marktwirtschaft", sagte der Metro-Chef.

Als schon die Abspannmusik lief, stellten die Moderatoren noch schnell zwei Fragen, die Cordes Gesprächsstrategie ein Stück weit entlarvte:  Schumacher: "Wie finden Sie Guttenberg?" Cordes: "Wir hatten letzte Woche eine interessante Diskussion." Tiedje: "Wie finden Sie Pofalla?" Cordes: „Ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen." Außerhalb der vereinbarten Themen hatte der Metro-Chef offenbar keinen Redebedarf.