Wie immer um diese Zeit sucht der Einzelhandel noch Azubis, viele Lehrstellen sind unbesetzt. Deutlich schwerer ist der Kampf um Akademiker. Dabei zahlt der Handel noch ordentliche Einstiegsgehälter - in anderen Branchen fallen die Vergütungen viel schlechter aus.

Jedes Jahr wiederholen sich die Statistiken. Eine Lehre im Einzelhandel bleibt bei den Jugendlichen in Deutschland die am häufigsten gewählte Ausbildung. Mit 30.474 neuen Ausbildungsverträgen liegt die Branche auf dem ersten Platz unter weit mehr als 300 möglichen Lehrberufen, hat das Statistische Bundesamt ermittelt.

Ebenfalls immer wiederkehrend: Jede Menge Lehrstellen bleiben unbesetzt. Es geht dabei fast 13.000 Plätze für den Kaufmann / die Kauffrau im Einzelhandel und mehr als 11.000 Stellen für Verkäuferinnen und Verkäufer, teilt der Handelsverband Deutschland (HDE) mit. "Für die Unternehmen wird es immer schwieriger, geeignetes Personal für ihre Ausbildungsstellen zu finden. Die Ursachen liegen im demographischen Wandel und in der zu geringen gesellschaftlichen Wertschätzung für die duale Ausbildung", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. 

Wenn Akademiker die Wahl haben

Noch schwerer tut sich die Branche traditionell, Akademiker an sich zu binden. So wollen gerade mal 2,8 Prozent der rund 20.000 befragten Absolventen im Einzelhandel arbeiten, heißt es in der 6. Auflage der Studienreihe "Fachkraft 2020" des Kölner Unternehmens Studitemps in Kooperation mit der Universität Maastricht. Studitemps vermittelt Studenten in Zeitarbeit.

24 Branchen standen für die Studie aus dem Jahr 2015 zur Wahl, am beliebtesten ist der Bereich Medien/Verlagswesen, in dem 17,1 Prozent der Befragten arbeiten wollen. Die klassische Handelsbranche rangiert auf Platz 17, noch unbeliebter sind etwa Touristik, Finanzdienstleistungen - und E-Commerce.

Etliche Branchen zahlen schlechter

Dieses schwache Interesse kann einen einfachen Grund haben: Geld. Durchschnittlich 36.034 Euro verdient ein junger Mensch, wenn er direkt von der Uni kommend als Führungskraft im Einzelhandel einsteigt. 

Dabei verdient man in etlichen Branchen noch weniger  - auch in der so beliebten Medien- und Verlagswelt. Das hat die Datenbank Gehalt.de ermittelt. Sozialarbeiter beispielsweise werden mit einem Einstiegsgehalt von 34.387 Euro im Jahr vergütet, Redakteure bekommen durchschnittlich 33.580 Euro und Architekten gar nur 33.226 Euro.

P&C und Amazon

Für diese Zahlen wertete Gehalt.de 1.720 Daten von Akademikern mit maximal drei Jahren Berufserfahrung aus. Ermittelt wurden zehn Berufe mit den niedrigsten Gehältern sowie die Zusammensetzung der Studiengänge in diesen Berufen. Ausgeklammert wurden Trainees und Volontäre. Berücksichtigt wurden ausschließlich Angaben von Beschäftigten ohne disziplinarische Personalverantwortung, teilt das Gehaltsportal mit.

Die beliebtesten Arbeitgeber im stationären Handel sind laut "Fachkraft 2020" Peek & Cloppenburg, Zara, Ikea, H&M und dm-Drogeriemarkt. Bei den Onlinehändlern ist für Absolventen Amazon die attraktivste Adresse, es folgen Zalando, Otto, Alibaba und Cyberport.