Die Heimwerkerbranche in Deutschland wächst ungebremst. Dennoch ist der Markt hart umkämpft, und die Branche muss sich auf geänderte Kundenbefürfnisse einstellen. Deswegen kommt Kritik vom Handwerk.

In den deutschen Eigenheimen wird geschraubt und gehämmert wie noch nie - und in den Baumärkten jagt ein Rekordumsatz den nächsten. Am Mittwoch meldete der Branchenverband BHB in Frankfurt für 2010 ein Umsatzplus von 3 Prozent auf 18,4 Milliarden Euro und verwies auf stolze 133 Prozent Zuwachs seit dem Jahr 1990. Dennoch ist der Markt hart umkämpft und die Konkurrenz um die Gunst des Heimwerkers groß.
   
Wie eng es zugeht, zeigt die Zahl der Baumärkte: Sie stagniert seit fast 15 Jahren bei rund 2.500. Neue Standorte werden nur noch selten erschlossen, vor allem im Osten herrscht ein Überangebot. Während im Bundesdurchschnitt auf 34.200 Einwohner ein Baumarkt kommt, liegt die Zahl in den ostdeutschen Bundesländern bei 23.860 Einwohnern. 

Am Bedarf vorbei expandiert

"In den neuen Ländern haben wir am Bedarf vorbei expandiert", sagt der Präsident des Bundesverbands Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB), Michael Baumgardt. Jetzt werde bereinigt: Kleine Märkte machen dicht und werden durch wenige riesige Hallen ersetzt.
   
Der Preis bleibe zwar das entscheidende Kriterium für den Kunden, sagt Harald Günter, Sprecher des Baumarkt-Betreibers Praktiker. Aber auch die Servicequalität werde immer wichtiger. Nach dem Billig-Wettbewerb der vergangenen Jahre lässt sich an der Preisschraube nicht mehr viel drehen. So gewinnt das Rundum-Sorglos-Paket für Heimwerker mehr an Bedeutung - bis hin zum kompletten Badezimmer-Einbau.

An der Preisschraube lässt sich im DIY-Markt nicht mehr viel drehen.
An der Preisschraube lässt sich im DIY-Markt nicht mehr viel drehen.
Trends seien dabei vor allem die Renovierung hin zu mehr Energieeffizienz und zum barrierefreien Wohnen im Alter, erklärt Axel Müller vom Konkurrenten Hornbach. Die Demografie macht auch vor dem Heimwerker nicht Halt.

Gartenbedarf treibt die Umsätze

Das hilft der Branche, denn die besten Kunden sind schon etwas älter - und haben nach Möglichkeit einen Garten. Das Geschäft mit Spaten, Primel und Rasenmäher bescherte der Branche im vergangenen Jahr 22 Prozent ihres Umsatzes und ist laut Baumgardt "völlig unverzichtbar".

Mehr Sorgen bereiten die jungen Leute, die sich mehr mit der Computer-Tastatur als mit einer Bohrmaschine beschäftigen. Mit Online-Shops soll die nächste Generation der Heimwerker ebenso an der Werkbank gehalten werden wie mit speziellen Bastler-Kursen. Bei der DIY Academy in Köln gibt es laut BHB schon erfreulich viele Anmeldungen von jüngeren Leuten und Frauen.

Handwerkskammer ist skeptisch

Gerade diese Bastel-Ausbildung sieht man bei den Profis von der Handwerkskammer allerdings gar nicht gerne. "Das wird bei uns mit Skepsis betrachtet", sagt der Pressesprecher der Kammer Rhein-Main, Lars Bökenkröger. "Wir raten zum professionellen Handwerker, der die Fähigkeiten und die Kompetenz hat."

Auch Kooperationen mit Online-Plattformen, wie sie Praktiker mit "My Hammer" aufgenommen hat, sieht er kritisch. Das sei zwar ein Markt für etablierte Unternehmen, sagt Bökenkröger. "Aber da findet man auch einige Glücksritter."

Dann schon lieber direkte Zusammenarbeit von Baumärkten und Handwerksbetrieben: "Das kann auch befruchten", ist Bökenkröger überzeugt. Allerdings will die Kammer auch einen Trend hin zu mehr Nachfrage nach Qualität erkannt haben - weg von "Geiz ist geil" und selber machen. Auch BHB-Chef Baumgardt beteuert, den Kunden werde bei komplizierten Arbeiten immer zum Handwerker geraten.