Im Netz neugierig werden, stationär kaufen: Immer mehr Portale bringen Online- und Offlinewelt zusammen und vermarkten regionale Angebote.

Das 2008 gegründete amerikanische Rabattportal Groupon hat schnell überall auf der Welt Nachahmer auf den Plan gerufen. Einer der erfolgreichsten Klone kam aus Deutschland, hieß Citydeal und wurde nur sieben Monate nach der Gründung im Mai 2010 an das amerikanische Original verkauft.

Der rasante Aufstieg des Portals für tagesaktuelle regionale Schnäppchen weckte wiederum Begehrlichkeiten, unter anderem bei Google: Der Suchmaschinengigant wollte das kurz zuvor noch auf rund 1,2 Milliarden Dollar geschätzte Start-up für satte sechs Milliarden Dollar übernehmen – und scheiterte überraschend. Derzeit bereitet Groupon selbstbewusst den Börsengang vor, der rund 15 Milliarden Dollar bringen soll.

Facebook hat die Nase vorn

Während Google derzeit an einem eigenen lokalen Angebotsdienst arbeiten soll und Groupon bislang vor allem Restaurant- und Wellnessgutscheine und weniger Coupons von stationären Händlern anbietet, ist Facebook schneller: Ende Januar hat das soziale Netzwerk in Deutschland seinen "Angebote"-Dienst mit sieben stationären Partnern gestartet. Wer etwa in eine Douglas-Filiale geht und seinen Freunden per Handy auf Facebook mitteilt, dass er bei dem Parfümeriefachhändler einkauft, bekam im Februar für diese "Check-in" genannte Mitteilung an der Kasse einen Duft von Tommy Hilfiger geschenkt oder einen Rabatt in Höhe von 15 Prozent.

"Wir sind sehr zufrieden mit dem Erfolg der Aktion", zieht Douglas-PR-Chef Michael Rotermund Bilanz. "Dies ist ein weiterer Schritt, um unser Filial-, Online- und mobiles Geschäft zu verzahnen und eine attraktive Möglichkeit, unsere Kunden unterwegs von aktuellen Angeboten profitieren zu lassen." Als dezentrales Unternehmen könne der Händler neben bundesweiten Aktionen nun auch regionale und lokale Aktivitäten und Angebote in Douglas-Parfümerien vorstellen, in deren unmittelbarer Umgebung die Kunden sich befänden und die sie sofort nutzen könnten.

Neue Kunden gewinnen

Bei Gravis bekamen die Facebook-Nutzer im Februar ein Computerspiel geschenkt, wenn sie sich im Netz zu dem Besuch bei dem Applehändler bekannten. "Die Resonanz war sehr positiv und wir planen bereits weitere Facebook-Angebote für die Zukunft, sei es Software, Hardware oder Zubehör", berichtet Markus Brückner, Marketingleiter bei Gravis. "Der Dienst ist eine gute Möglichkeit neue Kunden zu erreichen, die uns bislang vielleicht noch nicht kennen – und den Kontakt zu unseren bestehenden Kunden zu intensivieren."

Nach einer Woche Aktionslaufzeit hatte der Bekleidungsfilialist Esprit rund 600 Check-ins – und war damit eigenen Angaben zufolge "sehr zufrieden". Denn die Kunden profitieren bei der unbefristeten Aktion nicht einmal selbst: Der Textilhändler überweist je Check-in fünf Euro an das SOS-Kinderdorf im indischen Alibaug. "Besonders freut es uns, dass wir unser soziales Engagement mit dieser Aktion weiter fortführen können", so ein Sprecher von Esprit Europe.

Regionale Händler profitieren von einer Vielzahl Marketingportale

Aber es muss nicht immer nur Facebook sein: Es gibt inzwischen eine Reihe Marketingportale, von denen regionale Einzelhändler profitieren können. Auf KaufDA.de zum Beispiel, das im Dezember 2008 ans Netz ging, finden Verbraucher die digitalisierten Händlerprospekte ihrer jeweiligen Stadt. Dabei ortet die Internetseite beim Aufruf automatisch den Standort des Internetnutzers, der somit die aktuellen Sonderangebote von Geschäften in seiner Umgebung angezeigt bekommt.

Die Deutsche Post legte 2010 mit dem Portal allesnebenan.de nach. Die Internetplattform für lokale Angebote und Dienstleistungen startete als Pilotprojekt im Raum Köln/Bonn und wurde Ende vergangenen Jahres auf die drei Regionen Ruhrgebiet, Düsseldorf und Berlin ausgeweitet. In diesem Jahr sollen dann Angebote für ganz Deutschland hinzukommen.

Biodeals.de und Bummeln-gehen.de

Im Oktober 2010 ging die Plattform Biodeals.de ins Netz, auf der täglich wechselnde Onlineangebote aus den Bereichen Bio, Fairtrade und Energiesparen mit Rabatten von bis zu 50 Prozent angeboten werden. Seit Ende Januar finden auch in 25 deutschen Städten von Augsburg bis Wuppertal lokale Deals statt: „Beide Seiten – die Bio-Einzelhändler wie auch ihre Kunden – profitieren von dieser Kooperation“, wirbt Biodeals.de-Gründer Gero Gode für das Onlinemarketing für die Offlinewelt.

Auch Gerd Breil von bummeln-gehen.de möchte die Kunden übers Internet zurück in die stationären Geschäfte bringen. "Vor gut einem Jahr haben wir überlegt, wie man mithilfe des Internets den regionalen Einzelhändler unterstützen kann, mehr Umsatz und mehr Kunden zu generieren und zu zeigen, was man alles in der Region kaufen kann", erläutert Breil. "Wir wollten aber kein weiteres Adressverzeichnis anbieten, sondern sind der Meinung, dass der Kunde mehr an Produkten, Schnäppchen und exklusiven Angeboten interessiert ist."

"Schaufenster der Region"

Das "Schaufenster der Region im Internet", so die Eigenwerbung des Portals, ist derzeit in Erding, Freising, Ebersberg und Traunstein aktiv, demnächst kommen Günzburg, Neustadt an der Aisch, Erlangen, Fürstenfeldbruck und Lindau hinzu. Das Ziel: Bis Jahresende 50 Landkreise im Netz zu haben. "Zurzeit besuchen uns pro Monat an die 8.000 Personen pro Landkreis", berichtet Breil. Diese Zahl soll in den kommenden Monaten auf 15.000 gesteigert werden.

Auch das Medikamenten-Preisvergleichsportal medizinfuchs.de will aktuell stationäre Apotheker dafür begeistern, das Netz als Marketingkanal zu nutzen. Seit Februar können die Pharmazeuten ihr Angebot mit den Bezugsmöglichkeiten Abholservice und Botendienst tagesaktuell vermarkten – "ganz ohne Shopsystem oder technische Voraussetzungen“, wie Medizinfuchs-Geschäftsführer Oliver Bittner für sein Portal wirbt: „Durch den zusätzlichen Marketingservice können alle Apotheken über das Internet erreichbar sein und ihren Kundenkreis erweitern."

Sybille Wilhelm

Dieser Artikel erschien in der März-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel.

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