Die Prognosen waren schon gut, die Realität ist fast noch besser. Denn die einkaufsfreudigen Deutschen treiben die Umsätze der Einzelhändler. Eine Änderung ist auch für 2016 nicht in Sicht.

Die Deutschen kaufen und kaufen. In den Läden, aber auch immer mehr im Internet. Die Folge: Der boomende Konsum beschert den Einzelhändlern das stärkste Geschäftsjahr seit mehr als 20 Jahren. 2,8 bis 3,1 Prozent Umsatzplus sowohl preisbereinigt (real) wie nominal wären die höchste Steigerungsrate seit 1994.

Das hat das Statistische Bundesamt anhand der Daten bis einschließlich November 2015 hochgerechnet. Denn schon für die ersten elf Monate des abgelaufenen Jahres ergab sich mit 2,8 Prozent die höchste reale Umsatzsteigerung seit Mitte der 90er Jahre, wie die Wiesbadener Behörde am Donnerstag mitteilte.

Seit dem Rezessionsjahr 2009 geht es für die Branche stetig aufwärts. 2015 war somit das sechste Jahr in Folge mit einem Umsatzplus. 2014 hatten Deutschlands Einzelhändler real 1,2 Prozent und nominal 1,6 Prozent mehr erlöst als ein Jahr zuvor.

November schlechter als erwartet

Im November setzte der Einzelhandel nach vorläufigen Ergebnissen des Bundesamtes real 2,3 Prozent und nominal 2,8 Prozent mehr um als im November des Vorjahres - bei jeweils 25 Verkaufstagen. In dem Monat gewinnt das Weihnachtsgeschäft an Fahrt, das traditionell die Kassen der Händler kräftig klingeln lässt.

Bankvolkswirte hatten allerdings für den November mit noch besseren Geschäften der Händler gerechnet. Von Oktober auf November 2015 erhöhten sich die Erlöse im Einzelhandel kalender- und saisonbereinigt real um 0,2 Prozent und nominal um 0,3 Prozent.

Konsum bleibt Stütze der Konjunktur

Seit Monaten ist der Konsum die wichtigste Stütze der deutschen Konjunktur. Wegen der niedrigen Sparzinsen geben viele Verbraucher ihr Geld lieber aus, als es auf die hohe Kante zu legen. Gesunkene Energiepreise entlasten die Haushalte zusätzlich: Wer weniger Geld fürs Tanken und Heizen ausgeben muss, hat mehr zum Einkaufen übrig.

Dazu kommt: Von Lohnerhöhungen bleibt in Zeiten niedriger Inflationsraten unter dem Strich mehr im Geldbeutel übrig. Auch das stärkt die Kaufkraft. Ökonomen erwarten, dass der Konsum auch 2016 die tragende Säule des deutschen Wirtschaftswachstums sein wird.

Das erwartet etwa auch Ingrid Hengster, Vorstandsmitglied der KfW-Bank. "Wir haben auch 2016 ein sehr günstiges Zinsumfeld plus einer im Jahresdurchschnitt niedrigen Inflationsrate: Für den Handel ist das sehr positiv. Der Konsum bleibt wichtigster Treiber der Konjunktur", sagte Hengster zu Der Handel.