Internetauktionen sind nicht weniger verbindlich als normale Versteigerungen. Dieses Grundsatzurteil fällte jetzt der Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Verkaufsangebote bei einer Internetauktion sind genauso verbindlich wie bei einer normalen Versteigerung. Darauf macht die Stiftung Warentest aufmerksam und verweist auf ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 7. November 2001. Ein wirksamer Vertrag könne auch per Mausklick zu Stande kommen, wird die Begründung des BGH zitiert.

Demnach gab der BGH dem 30-jährigen Michael Kniess Recht, der über das Hamburger Internetauktionshaus ricardo.de einen neuen, nach Verkaufsliste 57.000 DM teuren VW Passat zum Schnäppchenpreis von rund 26.000 DM ersteigert hatte (Aktenzeichen: VIII ZR 13/01 vom 7. November 2001). Der Verkäufer, ein Münsteraner Autohändler, wollte nach Erteilung des Zuschlags den Wagen nur für 39.000 DM verkaufen. Er hatte jedoch vergessen, den Mindestpreis bei ricardo anzugeben. Der Händler hatte den 110-PS-Passat unter Angabe der Ausstattungsmerkmale mit einem Startpreis von 10 DM bei einer eigenen Internet-Verkaufsveranstaltung unter "Ricardo.de - Private Auktionen" angeboten, aber auf die Festsetzung eines Mindestverkaufspreises verzichtet. Das Angebot sollte fünf Tage lang gültig sein. Mit der Freischaltung gab der Verkäufer - wie in den Geschäftsbedingungen von ricardo.de vorgesehen - die Erklärung ab, er verkaufe bei Ablauf der Frist an den Höchstbietenden. Der Käufer bot als Letzter von 963 Online-Bietern den höchsten Preis.

Nach den Worten der Bundesrichter habe der Verkäufer damit ein bindendes Kaufangebot abgegeben. Seine ausdrückliche Erklärung, der Wagen werde an den Interessenten mit dem höchsten Gebot verkauft, sei unmissverständlich gewesen, zitiert Stiftung Warentest das BGH-Urteil weiter. Deshalb könne sie nicht - wie der Verkäufer geltend gemacht hatte - als eine lediglich unverbindliche Aufforderung zur Abgabe von Geboten angesehen werden. (ST)


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