Die Milchpreise purzeln: Aldi und Penny sind vorgeprescht, Lidl zog nach. Andere Händler folgen, die Bauern sind sauer. 

Aldi und die Rewe-Discounttochter Penny gingen am Montag mit umfangreichen Preissenkungen bei Milchprodukten voran. Der Discounter Lidl wies an diesem Dienstag in Zeitungsanzeigen auf ebenfalls vollzogene Preissenkungen bei zahlreichen Milchprodukten hin.

Die Edeka will im Laufe dieser Woche einige Produkte im Preiseinstiegsbereich senken. Das betreffe unter anderen Milch und Butter, sagte ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die geplante Preissenkung bei Milch der Edeka-Eigenmarke werde sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen wie die in der übrigen Branche.

Der Druck der Wettbewerbsentwicklung

Die Edeka-Discount-Tochter Netto gab im Internet ebenfalls dauerhafte Preissenkungen für verschiedene Milchprodukte bekannt. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe will in den Supermärkten im Preiseinstiegsbereich bei der Eigenmarke gleichfalls kräftige Preissenkungen vornehmen.

Der größte deutsche Handelskonzern Metro setzt bei Milch und Milchprodukten ebenfalls den Rotstift an. "Wir haben uns analog der Wettbewerbsentwicklung verhalten", sagte ein Sprecher. Die Preissenkungen bei Milchprodukten gingen bis zu 20 Prozent. Zum Metro-Konzern gehören unter anderem die gleichnamigen Großhandelsmärkte für Gewerbetreibende und der Lebensmittelhändler Real.

Erzeuger protestieren

Dem Preisverfall folgt auch die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann, die zum Familienkonzern Tengelmann gehört. Butter und Quark sollen günstiger werden. Bei Milch betrage die Preissenkung rund 20 Prozent, sagte eine Sprecherin von Tengelmann.

Vertreter der Milchbauern waren sich in der Bewertung der heftigen Preisbewegungen einig. In einer Situation, in der die Milcherzeuger ohnehin schon mit nicht kostendeckenden Preisen zu kämpfen hätten, seien diese erdrutschartigen Preissenkungen eine Katastrophe, hatte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter am Montag erklärt.

Bauern sprechen von "Katastrophe"

Der Bauernverband Baden-Württemberg sprach am Dienstag von katastrophalen Preissenkungen. Damit liege der Milchpreis bei den Billiganbietern im Handel wieder dort, wo er schon vor zwei Jahren gelegen habe, sagte ein Sprecher des Verbandes in Stuttgart.

Der regionale Bauernverband forderte die Discounter auf, die Preissenkungen wieder zurückzunehmen. Für den Liter Milch bekommen die Bauern in Baden-Württemberg den Angaben zufolge aktuell zwischen 30 und 33 Cent ausgezahlt. Vor einem Jahr waren es noch rund 40 Cent.

Doch auf dem europäischen Milchmarkt gibt es derzeit ein Überangebot. "Die Läger der Molkereien sind bis zum Rand gefüllt", sagte der
Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-
Westfalen, Reinhard Pauw.