Allrad, Automatik, Assistenzsysteme – den iX35-Nachfolger Tucson hat Hyundai technisch mächtig aufgerüstet. In Komplettausstattung ist der sportliche SUV aber längst kein Schnäppchen mehr.

In den Hyundai-Handelsbetrieben wird weiter fleißig gewerkelt. Rund 100 Verkaufsstützpunkte der koreanischen Automobilmarke sollen im Laufe dieses Jahres auf das aktuelle Markendesign umgestellt werden. 90 Vertragspartner hatten Ihre Schauräume schon im vergangenen Jahr herausgeputzt.

Dabei kletterten die Gesamtzulassungszahlen des Herstellers 2015 auf mehr als 108.000 Einheiten – 8,6 Prozent mehr als im Jahr davor und Rekord in der seit 1990 währenden Geschichte des Deutschland-Importeurs mit Sitz in Offenbach. Der Umsatz stieg hierzulande um 20 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro und damit ebenfalls auf einen Bestwert.

Gewerbliche Zulassungen legten um 26 Prozent zu

Zwar bedient der erfolgreichste asiatische Autobauer auf dem deutschen Markt weiterhin maßgeblich das Privatkundengeschäft, doch auch gewerbliche Nutzer kaufen verstärkt beim drittgrößten Importeur (nach Skoda und Renault) ein: 13.601 Fahrzeuge (plus 26 Prozent gegenüber Vorjahr) laufen jetzt in der Flotte. So langsam scheint sich die Qualifizierungsoffensive in den derzeit 70 so genannten Fleet Business Centern auszuzahlen. Und 2016 sollen weitere 15 spezialisierte Betriebe ans Netz gehen.

Wie praktisch alle Hersteller mit einem entsprechenden Produkt im Portfolio, so profitiert natürlich auch Hyundai von der schier ungebremsten Nachfrage nach kompakten SUV. Schon der iX35 gehörte stets zu den meisterverkauften Modellen der Marke, im vergangenen Jahr nahtlos abgelöst vom Nachfolger Tucson, der trotz des Namenswechsels zwar keinen allzu großen Designschritt vollzog, bei der zahlenden Kundschaft aber offensichtlich ebenfalls glänzend ankommt.

Listenpreise ab 22.400 Euro locken die Kundschaft

Das liegt neben dem sportlich-dynamischen gedengelten Blech sicher auch an der serienmäßigen Fünf-Jahres-Garantie sowie am Listenpreis. 22.400 Euro klingen schließlich verlockend. Doch dafür gibt es nur einen relativ nackten 1,6-Liter-Benziner mit Frontantrieb und 97 kW/132 PS.

Dieselaffine Dienstwagenfahrer, die auch noch die „Segnungen“ der modernen Automobiltechnologie erfahren wollen, müssen tiefer in die Preisliste einsteigen – und stellen schnell fest, dass die angestrebte Transformation der Koreaner vom Billiganbieter zum veritablen Volkswagen-Widersacher bereits geglückt ist. Diesel mit Automatik und Allrad, dazu die „Premium“-Ausstattung und vielleicht noch das „Sicherheitspaket“ (1.100 Euro) unter anderem mit Aufprallwarnsystem? Schon ist die 40.000-Euro-Marke erreicht und das Firmenwagenbudget mutmaßlich überschritten.

Weniger Leistung schon das Budget

Also zurückblättern: Wer auf den 4x4-Antrieb verzichten kann, weil er nicht in gebirgiger Landschaft auf Kundenbesuch muss, kann bei der Motorleistung von 132 kW/185 PS auf 100 kW/136 PS „abspecken“. Dann reduziert sich nicht nur der Einstiegspreis auf 32.000 Euro, sondern auch der Dieselkonsum.

Für die stärkste Variante müssen in der Praxis nämlich rund acht Liter auf 100 Kilometern einkalkuliert werden. Das liegt auch am Sechsgang-Automatikgetriebe, das gegenüber dem Handschalter schon auf dem Prüfstand mehr als einen halben Liter zusätzlich konsumiert.

Leichtes Handling, zu straffes Fahrwerk

Dem leichten Handling mit, trotz zahlreicher Knöpfe, intuitiver Bedienung und einem übersichtlichen Navigationsbildschirm steht ein allzu straffes Fahrwerk gegenüber. Das mag Bodenunebenheiten, Kanaldeckel und Querfugen überhaupt nicht und quittiert die jeweilige Überfahrt mit einer regelrechten Erschütterung der gesamten Karosse. Da hilft auch der Druck auf die Fahrmodustaste nichts. Alternativ steht nämlich nur das „Sport“-Programm zur Wahl und das sorgt lediglich dafür, dass das Gaspedal noch direkter anspricht, die Lenkung straffer wird und die Automatik später schaltet. Störend und für die sonst so perfektionistischen Asiaten höchst ungewöhnlich sind zudem die vernehmbaren Knarzgeräusche am optionalen Glasschiebedach (1.200 Euro).

Dafür taugt der SUV auch als Kombi und Zugmaschine: Die Ladekapazität kann durch Umklappen der Rücksitzlehnen auf rund 1.500 Liter Volumen erweitert werden und die Anhängelast liegt, je nach Getriebewahl, bei etwas weniger oder etwas mehr als zwei Tonnen.

Bernd Nusser