Die große Angst von Herstellern ist, dass ihre Marken im Internet verramscht werden. Also will man den Vertrieb im Netz kontrollieren. Das geht wiederum zu Lasten von kleinen Onlinehändlern.

Der deutsche Onlinehandel weist jährlich zweistellige Wachstumsraten auf. Für das laufende Jahr prognostiziert der Handelsverband Deutschland (HDE) ein Umsatzplus von 11 Prozent auf 46,3 Milliarden Euro. Doch offenbar profitiert nicht die gesamte Branche von diesen Erfolgen. Zumindest beklagt der Bundesverband Onlinehandel (BVOH) enorme wirtschaftliche Schwierigkeiten bei kleinen und mittelständischen Händlern im E-Commerce und stützt sich dabei auf eine europaweite Erhebung unter 7.000 Betrieben.

So macht demnach ein Fünftel der deutschen Unternehmen jährlich einen Verlust von 25 Prozent. Die Gründe dafür: Die Hälfte der Händler beklagt Umsatzverluste durch Beschränkungen der Hersteller. Vor allem durch die Verbote, auf Online-Marktplätzen zu verkaufen, werden zwölf Prozent der vom BVOH befragten Händler der wichtigste Vertriebskanal genommen, heißt es.

Preisvorgaben, internationale Blockaden

Laut BVOH sind Vertriebsbeschränkungen innerhalb der Europäischen Union weitverbreitet, sogar illegale. Demnach würden rund 2.000 Hersteller oder Marken branchenübergreifend den Verkauf im Internet untersagen. Fast ein Drittel habe Marktplatzverbote ausgesprochen. Weiterhin moniert der Verband unter anderem unzulässige Preisvorgaben, bei denen der Händler nicht frei ist, seine eigenen Preise zu gestalten. Bei Zuwiderhandlungen ist sogar die Rede von der Androhung von Nachteilen für den Händler. Weiterhin beklagen Händler internationale Blockaden, also den Verkauf über europäische Grenzen hinweg. Und schließlich leidet die Branche unter Lieferverweigerung. Hier weigern sich Hersteller, ihr Sortiment an Onlinehändler zu liefern.

Der BVOH hat in einem Schreiben alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf die Sorgen der kleinen Onlinehändler aufmerksam gemacht. Von den politischen Gremien fordert der Verband unter anderem, die Wettbewerbsbehörden so zu stärken, dass "diese schnell, übergreifend und nachhaltig gegen illegale vertikale Beschränkungen einschreiten können". Zudem wird gefordert, die Teilnahme an "Hardcore-Kartellen" und andere schwerwiegende Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht unter Strafe zu stellen.

Prominente Fälle über Beschwerden wegen Händlerbeschränkungen lieferten etwa Weber-Grill und der Sportartikelhersteller Ascics. Mit Reglementierungen wollen Hersteller vermeiden, dass ihre Marken im Internet "verramscht" werden.