Die als Pilotabschluss gedachte Tarifeinigung im nordrhein-westfälischen Einzelhandel stößt in Niedersachen, Bremen und Baden-Württemberg auf wenig Resonanz. Die Gespräche wurden vertagt.

Die Tarifverhandlungen für die gut 330.000 Beschäftigten im Einzelhandel Niedersachsen und Bremen sind kurz vor Beginn der zweiten Runde am Freitag in Hannover geplatzt. Ein entscheidender Streitpunkt ist die bestehende Regelung, wonach das Weihnachtsgeld für Beschäftigte gekürzt werden kann, die sich an Streiks beteiligen.

Die Arbeitgeber gaben ein schriftliches Angebot ab, die Lohn- und Gehaltsvereinbarungen aus dem für Nordrhein-Westfalen erreichten Pilotabschluss zu übernehmen. Sie wollten sich aber nicht an den Verhandlungstisch setzen, weil es am selben Tag auch Warnstreiks gab, wie eine Sprecherin erläuterte. Das gehöre "nicht zum guten Ton am Tag der Verhandlungen."

Unvollständiges Angebot oder Verstoß gegen den guten Ton

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di bezeichnete das Arbeitgeber-Angebot als "unvollständig", weil die Klausel über Nachteile wegen der Beteiligung an Streiks nicht erwähnt werde.

Die Gewerkschaft will diese Regelung aufheben. Sie ist seit langem schon ein heftiger Streitpunkt zwischen den Tarifpartner im Einzelhandel in Niedersachsen. Im übrigen argumentiert Ver.di, begleitende Streiks bei Tarifverhandlungen seien durchaus üblich. Eine Ver.di-Sprecherin kündigte an, die Arbeitskämpfe sollten nun ausgeweitet werden.

150 Euro als Warengutschein

Die Gewerkschaft verlangt 6,5 Prozent, mindestens aber 120 Euro mehr Lohn und Gehalt rückwirkend ab 1. Mai 2009. Für Nordrhein-Westfalen hatten die Tarifpartner in der Nacht zu Donnerstag nach 17-stündigem Ringen einen Pilotabschluss erreicht, der Vorbild für die übrigen Tarifbezirke sein sollte.

Danach bekommen die Beschäftigten nach vier Monaten ohne Erhöhung zum 1. September zwei Prozent mehr Geld. Zum 1. September 2010 folgt eine Anhebung um 1,5 Prozent. Hinzu kommen 150 Euro Einmalzahlung sowie 150 Euro zur Altersvorsorge oder als Warengutschein. Der Vertrag läuft zwei Jahre bis 30. April 2011.

Auch in Baden-Württemberg keine Einigung auf NRW-Modell

Auch in Baden-Württemberg gab es am Freitag keine Einigung. Die Verhandlungen für 220.000 Beschäftigten im Südwest- Einzelhandel sollen am 3. Juli fortgesetzt werden.

"Die Arbeitgeber hätten das NRW-Ergebnis übernommen", sagte der Handelsexperte der Gewerkschaft Ver.di, Bernhard Franke, am Freitag in Korntal- Münchingen (Kreis Ludwigsburg). "Bei uns gibt es aber noch erheblichen Diskussionsbedarf."