Hauptsache billig gilt nicht für jede Warengruppe: Die Rezession hat das Handelsmarkenwachstum nicht überproportional erhöht.

Das Preisbewusstsein der Verbraucher hat zwar unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise wieder zugenommen. Somit profitierten die preiswerten Handelsmarken in den Drogeriewarensortimenten stärker vom Wachstum als die Industriemarken. Doch nicht bei allen Warengruppen, hat die Nielsen Company in einer Studie zur Entwicklung der Handelsmarken herausgefunden: In der sogenannten Nearfood-Warenklasse ist der Preis nicht immer ausschlaggebend für die Kaufentscheidung.

Im Zeitraum 2006 bis 2009 zeigten die Handelsmarken demnach mit einem Zuwachs rund 5 Prozent eine deutlich stärkere Dynamik als die Herstellermarken (+ 2 Prozent). Diese Tendenz setzte sich nach Beobachtung von Nielsen auch im ersten Halbjahr 2009 gegenüber dem Vorjahreszeitraum fort.

Rezession bevorteilt Handelsmarken nicht übermäßig

Allerdings zeigte ein Vergleich mit den Halbjahresdaten vor dem Beginn der Wirtschaftskrise ein noch etwas stärkeres Handelsmarkenwachstum (+ 5,2 Prozent) als im Rezessionszeitraum selbst (+4,6 Prozent). Das Fazit der Retail-Experten: Die Rezession hat das Handelsmarkenwachstum nicht überproportional erhöht.

Insgesamt zeigt sich im Nearfood-Bereich ein andauernder Preisanstieg, der je nach Warengruppe zwischen 1 und 9 Prozent liegt. Dabei halten die Drogeriemärkte weiterhin ein höheres Preisniveau als der Gesamtmarkt.

Warengruppe ist entscheidend

Je nach Warengruppe gibt es der Studie zufolge jedoch deutliche Unterschiede in der Preisentwicklung von Handels- und Industriemarke: So haben beispielsweise die Drogeriemärkte im Bereich Körperpflege die Preise für Handelsmarken kräftig erhöht (7,6 Prozent), während bei den Markenartikeln kaum Preissteigerungen wahrnehmbar sind (0,7 Prozent).

Obwohl Haarpflegeprodukte mit 61 Prozent eine besonders hohe Preisdifferenz zwischen Industrie- und Handelsmarke aufweisen, sind hier doch die Industriemarken eindeutig die Gewinner.
 
„Auch der größte Preisabstand ist kein Garant für hohe Handelsmarkenanteile“, sind Andreas Heim und Dr. Tanju Aygün, Retail-Experten bei The Nielsen Company, überzeugt: „Neben dem Preis beeinflussen auch andere ‚weiche’ Faktoren wie zum Beispiel der Verwendungszweck der Produkte oder die visuelle Präsenz der Artikel beim Konsumenten seine Kaufentscheidung.“