An diesem Dienstagabend wird die Frankfurter Buchmesse eröffnet. Der Autor Salman Rushdie rief zum Auftakt dazu auf, für die Meinungsfreiheit zu kämpfen. Messechef Boos warb für den Auftrag der Literatur.

Wenn an diesem Dienstagabend die Frankfurter Buchmesse feierlich eröffnet wird, wird es gleich politisch: Iran hat die offizielle Teilnahme an der weltgrößten Büchershow abgesagt, weil Salman Rushdie zur Auftakt-Pressekonferenz eingeladen wurde. Der britisch-indische Autor wurde 1989 mit einer so genannten Fatwa belegt: Radikale Muslime hatten seinen Roman "Die satanischen Verse" als gotteslästerlich empfunden und ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt.

Der jahrelang im Untergrund lebende Autor nutzte die Bühne, um zum weltweiten Kampf für die Meinungsfreiheit aufzurufen. Sie sei insbesondere durch religiöse Intoleranz bedroht: "Ohne Meinungsfreiheit gibt es keine anderen Rechte", mahnte der 68-jährige Schriftsteller. Die schlimmste Bedrohung für die Meinungsfreiheit sei es, dass manche Länder sie nicht für ein universelles Prinzip hielten: "Verleger und Autoren müssen den Bedrohungen standhalten", forderte der Schriftsteller.

Netzwerk der Störenfriede

Auch Buchmesse-Direktor Juergen Boos versteht die Messe daher nicht nur als weltweit größter Handelspatz für Buch-Inhalte, sondern auch als Netzwerk für Publishing und Literatur, die "schon immer auch Störenfriede waren" und "am vorherrschenden Konsens gerüttelt" haben: "Ich freue mich, dass die Frankfurter Buchmesse ein Treffpunkt ist für alle, die redselig sind, dünnhäutig und weitsichtig sind", sagte Boos in Anlehnung an einer Passage aus dem neuen Roman "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" von Salman Rushdie.

In dem Netzwerk gelte die Regel: "Es gibt keine überlegenen Ideen, keine überlegene Kultur". Es sei vielmehr die Aufgabe für Autoren und Verlage, "den Respekt für das jeweils Andere herzustellen". Die Buchmesse als Treffpunkt für Autoren, Journalisten, Kreative und Kulturvermittle stehe "in dieser von Extremismus geprägten Zeiten für eine besonnen geführte Diskussion".

Auch Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, nahm die Verleger, Buchhändler und Publizisten in die Verantwortung für eine offene und freie Gesellschaft: "Die Meinungs- und Publikationsfreiheit sind für uns keine verhandelbare Werte, denn sie sind die Grundlage einer freien, demokratischen Gesellschaft und damit auch Grundlage unseres Schaffens", so Riethmüller. "Von der diesjährigen Frankfurter Buchmesse geht gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsströme der Ruf nach Freiheit und Toleranz in die Welt. Bücher leisten einen zentralen Beitrag für eine offene und tolerante Gesellschaft."

7.200 Aussteller, mehr als 4.000 Veranstaltungen

Auf der 67. Frankfurter Buchmesse werden bis zum 18. Oktober rund 7.200 Aussteller aus 104 Ländern erwartet. Gastland ist in diesem Jahr Indonesien. Die Branche präsentiert sich auf der weltgrößten Buchmesse mit 4.000 Veranstaltungen - so viele wie noch nie. Die Veranstalter rechnen bei der am Wochenende für das allgemeine Publikum freigegebenen Messe mit bis zu 300.000 Besuchern. Im vergangenen Jahr fanden rund 270.000 Leser den Weg nach Frankfurt.