Offline Kampfszenen: Bei Tesco musste die Polizei gleich in mehreren Filialen einschreiten. Online überhitzte Server: Bei Best Buy brach die Website zusammen. Auch die Zahlen zeigen: Der Black Friday lockt mehr Kunden denn je. Auch online. Weil bei vielen Händlern der Cyber Monday schon Tage zuvor beginnt. Dabei schneiden sich die Händler mit dem Preis-Wahnsinn ins eigene Fleisch.

Allein schon globale Daten von PayPal zeigen den ganzen Irrsinn auf: Am Black Friday 2014 kam es im Vergleich zu der Zeit des Black Friday 2013 zu einem Anstieg des weltweiten mobilen Zahlungsvolumens um 62%. Mode war dabei die am meisten mobil mit PayPal gekaufte Warengruppe – mit mehr als doppelt so großem mobilen Zahlungsvolumen im Vergleich zur zweitplatzierten Warengruppe Elektronik.

Ähnliche Zahlen liefert der Zahlungsdienstleister Klarna. Demnach stieg die Gesamtzahl der Einkäufe in Deutschland im Vergleich zu einem normalen Einkaufstag um 64%.

Erste Zahlen sprechen für die US-Branche von einem Plus im E-Commerce von 20 % gegenüber dem Vorjahr mit fulimanten Anteilen für das mobile Geschäft. Comscore spricht sogar von einem Plus von 26 % im E-Commerce.  

Statistic: Comparison of U.S. online revenue on Thanksgiving and Black Friday from 2008 to 2013 (in million U.S. dollars) | Statista
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Doch am Ende sind all die tollen Zahlen nur Makulatur. Schlimmer noch: Sie könnten gerade bei den Kunden im Vorweihnachtsgeschäft einen Praktiker-Effekt erzeugen.

  • Die Rabattaktionen sorgen zum einen nur dafür, dass Kunden ihre Käufe verschieben. Ergo entsteht kein Mehrumsatz.
  • Der Discountpreis lockt zum anderen wie immer vor allem schnäppchengeile Kunden an. Langzeitwirkung für den Händler gleich null. Neue Stammkunden? Fehlanzeige. Die Karawane zieht weiter.

Glücklicherweise passt der Rabattwahn vielen Unternehmen nicht mehr in die Landschaft.

Beispiel 1: Immer mehr Händler versuchen, den Preissuchmaschinen ein Schnippchen zu schlagen, setzen auf Tailor Made-Produkte und Individualisierung, um der Preisvergleichbarkeit zu entgehen.
Beispiel 2: Nordstrom, Home Depot und weitere US-Ketten verweigern sich dem Wahn und lassen zumindest am Feiertag in den USA die Läden dicht. Online verweigern sie sich dem Cyber-Syndrom dann allerdings doch nicht.

Und man fragt sich ein wenig, warum? Denn mittels Personalisierung und individueller Ansprache ließen sich gerade jetzt all jene ansprechen, denen es vor dem marktschreierischen Irrsinn graust, die sich nicht von dem "SALE" blenden lassen wollen. Die eher nach Orientierung gieren. Ich bin sicher, auch das wäre ein Massengeschäft.

photo credit: Mike Licht, NotionsCapital.com via photopin cc