Amazon hat gutes Timing. Der amerikanische Onlinehändler präsentiert zum Start der Buchmesse eine E-Book-Flatrate für Deutschland. Der Buchhandel sieht dennoch keine Gefahr für die Branche.

Amazon bringt mitten in einem Streit mit der Verlagsbranche seine E-Book-Flatrate nach Deutschland. Beim Dienst Kindle Unlimited hätten die Nutzer für einen Betrag von 9,99 Euro im Monat Zugang zu einer Auswahl digitaler Bücher. Verfügbar seien insgesamt 650.000 Titel, davon 40.000 in Deutsch, teilte Amazon am Dienstag vor Beginn der Frankfurter Buchmesse mit.

Auf der Eröffnungspressekonferenz am Dienstag reagierten die Buchmesse und der Börsenverein zurückhaltend auf den Vorstoß: "Das ist ein neues Geschäftsmodell, das wir beobachten müssen", sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller. Es gebe dabei aber einige Probleme, etwa bei Rechten und der Vergütung. Buchmessen-Direktor Juergen Boos sagte, die Idee sei uralt: "Jede Stadtbibliothek bietet eine Flatrate."

Von Hera Lind bis Harry Potter

Amazon machte zunächst keine Angaben zu den beteiligten Verlagen. Unter den deutschen Titeln finden sich unter anderem Bücher von Bastei Lübbe sowie von Gräfe und Unzer. Als bekannte Autoren sind etwa Nele Neuhaus und Hera Lind dabei, außerdem bietet Amazon die "Harry-Potter"-Serie im Abo an. Nach Informationen des Branchenblatts "Buchreport" kamen die Rechte dafür direkt vom Digital-Projekt "Pottermore" der Potter-Autorin J.K. Rowling.

Amazon streitet mit diversen Verlagen um Preise und die Verteilung von Einnahmen bei elektronischen Büchern. Am Montag war eine umfassende Einigung mit Bastei Lübbe beim E-Book-Geschäft bekanntgegeben worden. Der Verlag machte allerdings keine Angaben zu den Konditionen des Vertrags.

Der Buchhandel gibt sich selbstbewusst

"Der deutsche Buchhandel hat keine Angst vor Amazon", sagte Riethmüller in Frankfurt, "wir haben unsere Hausaufgaben gemacht." 16,3 Prozent des Buchmarkt-Umsatzes werden im Onlinehandel erwirtschaftet. Der Anteil von Amazon an diesem Segment beträgt nach Schätzungen des Börsenvereins zwischen 50 und 70 Prozent.

Josef Haslinger, Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, wirft Amazon vor, immer wieder zu versuchen, den "Rahmen des Erlaubten" bei Rabattgeschäften mit den Buchverlagen zu überschreiten. "Amazon ist kein Buchliebhaber, sondern ein Konzern, und der Sinn eines Konzerns liegt in der Gewinnmaximierung", sagte der Chef der Schriftstellervereinigung der "Neuen Osnabrücker Zeitung".