Im Test von Der Handel stellt der Mercedes-Benz Viano seine praktischen Talente unter Beweis, kann aber nicht verbergen, dass er technisch in die Jahre gekommen ist.

Schon im Arbeitsalltag benötigen mobile Händler ausreichend Transportkapazitäten. Jetzt, zum Höhepunkt der diesjährigen Sommerreisezeit, zeigt sich einmal mehr: Stauraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Stauraum. Wer sein beruflich genutztes Gefährt auch dazu einsetzen kann, um mit Kind und Kegel in die großen Ferien aufzubrechen, das sperrige Freizeitequipment in die Berge oder den Bootsanhänger ans Meer zu bugsieren, der freut sich über reichlich Platz und üppige Anhängelast.

Ein solcher Begleiter für berufliche und private Ladeaufgaben ist der Mercedes-Benz Viano, der jetzt im Test von Der Handel seine Qualitäten nochmals unter Beweis stellen konnte. Als Sechssitzer in der mittleren Karosserievariante mit langem Radstand finden alle Mitreisenden ein komfortables Plätzen in Club-Atmosphäre. Und, anders als bei den meisten (kleineren) Vans, reicht der Frachtraum auch noch für das gesamte Gepäck der Reisegruppe.

Hohe Anhängelast

Derart beladen und eventuell noch mit einem Hänger am Haken (maximale Anhängelast 2.000 Kilogramm; als Sonderausstattung in Verbindung mit Automatikgetriebe 2.500 Kilogramm), empfiehlt sich zumindest der stärkere der beiden Vierzylinder-Diesel mit 120 kW/163 PS, der den Zweitonner brav aber ohne Temperament und mit rustikalem Unterton antreibt.

Wer es komfortabler und dynamischer mag, greift zum Sechszylinder-Selbstzünder mit 165 kW/224 PS, muss dann aber mehr als 5.000 Euro drauflegen und wird an der Tankstelle sicher auch nicht mit einem Durchschnittswert von 8,4 Litern auf 100 Kilometern auskommen, die der 2,2 CDI im Test konsumierte.

Fast 1.000 Kilometer Reichweite mit einer Tankfüllung

Bei forscherer Gangart auf der Autobahn müssen aber auch mit dem Vierzylinder bereits rund zehn Liter einkalkuliert werden. Gemäßigtes Landstraßentempo belohnt der Viano mit einer "7" vor dem Komma. Dann reicht die Reichweite dank des 75-Liter-Tanks an die 1.000 Kilometer heran.

Dass der Viano von seinem Nutzfahrzeugbruder Vito abgeleitet ist, macht sich am auffälligsten bei den in dieser Sparte deutlich längeren Modellzyklen bemerkbar. Zwar wurde der große Wagen vor drei Jahren umfangreich renoviert, doch im Kern stammt der Schwabe aus dem spanischen Vitoria aus dem Jahre 2005. So fehlen viele technische Errungenschaften der jüngeren Zeit, wie die Fahrerassistenzsysteme aus dem Pkw-Bereich. Premium ist das nicht mehr.

Nachholbedarf bei Navigation und Bedienfunktionen

Der Nachholbedarf auch bei Navigation und Bedienfunktionen, wird besonders beim Vergleich mit der neuen S-Klasse deutlich, die soeben ihr vielbeachtetes Debüt in den Showrooms der Händler feierte und als aktuelles High-Tech-Vorzeigemodell des Daimler-Konzerns gilt. Solcherlei Glanz soll der Van im nächsten Jahr erhalten. Dem Vernehmen nach debütiert die nächste Generation im März 2014 auf dem Genfer Automobilsalon.

So punktet der noch aktuelle Viano neben den unendlichen Weiten im Innenraum vor allem mit zahlreichen Ablagen für Flaschen, Gläser und allerlei Reiseutensilien. Auch das variabel auf Schienen verschiebbare Gestühl überzeugt. Nur ausbauen sollte man die massiven Sitze mit dem Gewicht eines veritablen Fernsehsessels besser nicht.

Mercedes-typische Preisgestaltung

Zahlreiche Sonderausstattungen sind in preislich vorteilhaften Paketen verschnürt. Dennoch lässt sich der Viano mühelos zum Oberklassegefährt aufrüsten. Hier bleibt Mercedes-Benz seinem Ruf treu. Sinnvolle Beispiele aus der Verkaufsbroschüre sind die Luftfederung (2.028 Euro), Automatikgetriebe (2.285 Euro), Allradantrieb (3.874 Euro), Anhängerkupplung (ab 634 Euro), Bi-Xenon-Scheinwerfer (1.222 Euro), zusätzliche Schiebetür links (ab 837 Euro), Metalliclackierung (1.018 Euro) und Radio (ab 1.911 Euro).

Bernd Nusser