Groß-Selbeck, Feller, Zoll: Bei eBay Deutschland soll es nun innerhalb von nicht mal neun Monaten der dritte Chef richten. Das lässt nichts Gutes ahnen.

Spätestens als Stefan Groß-Selbeck eBay Ende vergangenen Jahrs den Rücken gekehrt und im Januar 2009 zu der deutlich kleineren sozialen Internet-Netzwerk Xing wechselte, gingen die Spekulationen los: Die Onlineplattform, die einst mit Auktionen begann und sich mittlerweile als Marktplatz versteht, schien doch in ernsteren Schwierigkeiten zu stecken als bisher angenommen.

Denn es ist bekannt, dass das Auktionsgeschäft seit geraumer Zeit schwächelt. Und auch, dass der ewige Konkurrent Amazon mit der Idee des „Marktplatzes“, der Händler und Hersteller mit dem Kunden im Internet zusammenbringt, schon mehr als eine Nasenlänge voraus war.

Während die einen spekulierten, dass der Abgang von Groß-Selbeck eher unfreiwilliger Natur war – die amerikanische Konzernführung soll Gerüchten zufolge ziemlich unzufrieden mit dem Deutschland-Geschäft sein, kursierte die zweite Theorie, wonach sich der Manager rechtzeitig „vom Acker“ gemacht hätte. So oder so: Die Personalie  ist für viele nach wie vor ein Beweis, dass die Geschäfte für eBay hier zu Lande offenbar alles andere als gut laufen.

Feller folgt Groß-Selbeck

Also sollte es Frerk-Malte Feller von der eBay-Tochter PayPal richten, der schon im März 2008 zum „Geschäftsführer Marketplaces“ gemacht wurde. Er beerbte Groß-Selbeck nach dessen Abgang als Geschäftsführer von eBay Deutschland, offiziell zum 1. Januar 2009.

Foto: eBay
Foto: eBay
Doch auch Feller hielt es nicht allzu lange an der Spitze der deutschen Tochter: Nach wenigen Monaten schmiss er hin und ging zurück zur eBay-Tochter PayPal. Dort verantwortet er seit August 2009 als „Managing Director“ die Geschicke in Australien: Laut seines selbst erstellten Xing-Profils sucht er dort „Opportunities & Erfahrungsaustausch im Internet-Umfeld“ und bietet „10 Jahre aktive Internet Erfahrung, geprägt von leitenden Positionen bei eBay & PayPal“ sowie ein „breites Netzwerk in der deutschen und amerikanischen Internet- und Entrepreneurship-Szene“.

Für Beobachter ist der Rückzug Fellers ein weiterer Beweis, dass das hiesige Management immer weniger Einfluss in dem amerikanischen Konzern hat. Denn früher wäre es vermutlich noch eine Degradierung gewesen, statt Deutschland-Geschäftsführer „nur“ noch PayPal in Australien zu betreuen – immerhin ist Deutschland nach Amerika weltweit der zweitgrößte Markt für eBay.

Zoll folgt Feller

Kommen wir zum vorerst letzten Akt der eBay-Tragödie: Seit August 2009 ist Dr. Stephan Zoll, der von der eBay Advertising Group kommt, Geschäftsführer von eBay Deutschland. Und nun kommt es auf die Lesart an: Entweder soll er sich ganz auf die Onlinegeschäfte in der Bundesrepublik konzentrieren, oder die Amerikaner haben Deutschland schon ganz abgeschrieben.

Foto: eBay
Foto: eBay
Denn anders ist es nicht zu erklären, dass Zolls bisherige Aufgaben bei der Advertising Group und dem Händlergeschäft des Online-Marktplatzes künftig nicht mal mehr von Deutschland aus erledigt werden: Das Marketing soll aus der Europazentrale in der Schweiz koordiniert werden, das Segment "Marketplace" wird von London aus betreut. Und ein Teil der Kundenbetreuung von eBay Deutschland wird auch noch in die irische Hauptstadt Dublin verlagert.

Die Zeche zahlen unterdessen die Mitarbeiter: An dem einzigen deutschen Standort in Dreilinden bei Berlin fallen 400 der 1.000 Stellen weg. Den Amerikanern scheint es also ziemlich egal zu sein, dass Zolls erste Amtshandlung ist, erst einmal knapp die Hälfte der Belegschaft zu feuern.