Samstag bleibt in Deutschland Haupteinkaufstag - vielerorts sind die Geschäfte bis 22 Uhr geöffnet. Während viele Supermärkte in Großstädten sogar noch länger öffnen, rücken andere wieder vom späten Einkauf ab.

Samstag ist noch immer Großkampftag in deutschen Supermärkten. Dabei müsste es seit zehn Jahren eigentlich deutlich entspannter zugehen. Damals läutete die Ausweitung der Öffnungszeiten am Samstag das schleichende Ende des Ladenschlusses ein.

Doch der "superlange Samstag" hält anscheinend nicht überall, was er versprach. Während Supermärkte in Großstädten die Grenzen ausreizen, rücken andere wieder vom späten Einkauf ab.

Bis Mitternacht zu Kaiser's

Der Discounter Lidl hat seine Zeiten in Berlin und ausgewählten anderen Standorten seit wenigen Tagen um eine Stunde bis 21 Uhr verlängert. "Wir passen uns damit dem Markt an", sagt Sprecherin Petra Trabert. Eine Handvoll Filialen in der Hauptstadt läuft so gut, dass bis 22 Uhr die Kassen klingeln. Genauso bei Rewe oder Real.

Lidl-Konkurrent Penny begrüßt Kunden auch mal bis 23.30 Uhr, einige Geschäfte von Kaiser's haben sogar bis Mitternacht auf. Bei Aldi dagegen gehen in Nord und Süd die Rollgitter am Samstag traditionell zur Tagesschauzeit runter.

Erscheint ein Ladenschluss um 20 Uhr inzwischen früh, war er vor zehn Jahren für viele Grund zum Feiern: Für Nachtschwärmer, die samstags endlich ausschlafen konnten oder Fußball-Fans, die auch nach Bundesliga-Schlusspfiff noch Würstchen im Supermarkt bekamen. Zuvor nämlich mussten die Läden am Samstag um 16 Uhr dicht machen.

Bayern und Saarland haben nie mitgemacht

Für die Beschäftigten, vor allem für Alleinerziehende, sei schon die vierstündige Ausweitung eine "wesentliche Verschlechterung" gewesen, kritisiert Hans Sterr vom Verdi-Landesverband Bayern. Die späten Arbeitszeiten ließen sich kaum mit Kita und Familienleben in Einklang bringen. Außerdem drehten sie kleinen Läden mit wenig Personal die Luft ab.

Foto: Crescenti
Foto: Crescenti
Nur in Bayern und im Saarland gilt der Ladenschluss von 2003 noch immer. "Und wir wollen verhindern, dass diese Bastion sturmreif geschossen wird", sagt Sterr. Auf dem Land kämen Öffnungszeiten nach 18.30 Uhr noch immer selten vor - "und da klappt es auch".

Immer mehr Verbraucher konzentrieren sich nach Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung auf wenige Einkaufstage in der Woche. Die Zahl der Einkaufsfahrten ging in den vergangenen sechs Jahren um 13 Prozent zurück. Haupteinkaufstag war in den ersten vier Monaten dieses Jahres der Samstag - mit 32 Prozent mehr Einkäufen und sogar 57 Prozent mehr Ausgaben als am Montag. Dicht darauf allerdings kommt bereits der Freitag - der, wie Kaiser's-Chef Tobias Tuchlenski in der "Berliner Zeitung" sagt, Großeinkauftag der Ostdeutschen ist.

Nordrhein-Westfalen rudert zurück

Generell sei aber der Samstag der Tag, "an dem Familien Zeit haben, shoppen zu gehen", sagt der Geschäftsführer des Branchenverbands HDE, Kai Falk. Die Liberalisierung sei "von Vorteil für die Verbraucher und für die Beschäftigung positiv" gewesen. Zwar sei der Umsatz nicht gestiegen, die Märkte könnten sich aber besser auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen.

Ob sich die lange Öffnung rechne, hänge jedoch vom Standort ab. So gibt es inzwischen, obwohl Einkaufen am Samstag in den meisten Bundesländern grenzenlos ist - auch einen gegenläufigen Trend.

In Nordrhein-Westfalen dürfen die Läden seit Mitte Mai nicht mehr bis Mitternacht öffnen. Um spätestens 22 Uhr ist am Samstag Schluss - mit wenigen Ausnahmen. Große Shopping-Center wie das Elbe-Einkaufszentrum in Hamburg oder das CentrO in Oberhausen schließen - nach einigen Experimenten und Verhandlungen mit Betriebsräten - samstags jetzt sogar schon um acht. Und auch auf der Berliner Einkaufsmeile am Kudamm geht nach der Tagesschau kaum noch was.