Was lange währt, wird hoffentlich gut: Rund drei Monate nach Saturn eröffnet am 16. Januar 2012 auch Media Markt einen Onlineshop. Das ist schon einmal schiefgegangen.

Häme haben die Metro-Töchter Media Markt und Saturn in den vergangenen Jahren allerhand einstecken müssen, weil sie keine eigenen Onlineshops hatten. Und es rächte sich auch schnell: Die über Jahre hinweg erfolgsverwöhnte Elektronikkette Media-Saturn schwächelt seit geraumer Zeit und schmälert damit die Gewinne der Konzernmutter. Also musste eine Onlinestrategie her.
 
Und nun ist es soweit: Nachdem die Elektronikkette Saturn im Oktober 2011 mit einem eigenen Webshop an den Start ging, folgt nun Media Markt. Am 16. Januar ist die "Grosse Neueröffnung", wie auf mediamarkt.de verkündet wird. Das ehrgeizige Ziel: Im Jahr 2015 will Media-Saturn rund fünf Milliarden Euro Umsatz im Onlinebereich erzielen.

Dabei hatte Media Markt eigentlich schon mal einen Webshop. Bereits im Frühjahr 2000 gründete die Holding die Media Markt Online GmbH. Die eigenständige E-Commerce-Tochter sollte wie eine zusätzliche Filiale geführt werden und passendes Personal mit "Stallgeruch" fand man auch: Der für Tonträger zuständige Martin Gläser aus der Media Markt-Zentrale in Ingolstadt wurde der Geschäftsführer der E-Commerce-Tochter.

Streit um Preise und Service

Doch obwohl der E-Commerce-Chef aus dem eigenen Haus kam dauerte es nicht lange, bis sich der Mittdreißiger mit den stationären Kollegen anlegte. Jeder Geschäftsführer eines Media Marktes ist an seinem Laden beteiligt und kann seine eigene Preisstrategie fahren. Plötzlich sahen sich die regionalen Händler mit bundeseinheitlichen Online-Preisen konfrontiert und wollten ihre liebgewonnene Preishoheit verteidigen.

Ärger gab es zudem rund um die so genannten After-Sale-Services, wenn die Onlinekunden mit einem online bestellten Artikel eine Filiale aufsuchten, um ihn beispielsweise umzutauschen oder reparieren zu lassen, erzählt der ehemalige Geschäftsführende Gesellschafter bei Media Markt in Halstenbek, Jürgen Cleve in seinem Buch "MediaMarkt - Wie blöd ist das Konzept wirklich?".

Lesen Sie hier das Interview von derhandel.de mit Buchautor Jürgen Cleve.

Am Ende des Online-Offline-Streits gewannen die stationären Händler: Weil kein direkter Bezug mehr zu MediaMarkt erwünscht war, firmierte Media Markt Online Ende 2005 in MediaOnline um.

Dann wurden dem Webshop das einheitliche Markendesign entzogen und die Online-Filiale wurde nicht einmal mehr auf mediamarkt.de erwähnt oder verlinkt: "Das entsprach einem Todesstoß", urteilt Cleve über die Degradierung bei der Außendarstellung. Ende 2007 schließlich wurde Gläser abberufen und der Onlineshop geschlossen.

Zurück auf Anfang

Mit dem Wechsel an der Metro-Spitze wurde aber ein neuer Versuch gestartet. Im März 2009 kündigte Metro-Chef Eckhard Cordes, der seit 1. November 2007 im Amt war, vollmundig ein neues Multichannel-Konzept an. Die Elektronikfilialisten sollten wieder eigene Internetshops eröffnen.

Doch mit dem alten Personal war das nicht zu machen: Die stationären Händler fürchteten noch immer Kannibalisierungseffekte vom eigenen Webshop, und so musste Roland Weise, der seit Januar 2007 Chef der Media-Saturn-Holding war und den Media Markt-Onlineshop begraben hatte, im Dezember 2010 seinen Stuhl räumen.

Ob die mächtigen regionalen Geschäftsführer diesmal mitziehen, ist fraglich. Die alten Probleme könnten nach Cleves Einschätzung allerdings durch die standortbezogene Anmeldung des Endverbrauchers gelöst werden: Die vollständige Abwicklung könnte demnach wie bei der Fachhandelskooperation Euronics über einen Markt in der Nachbarschaft laufen - also auch die Finanzierung, Lieferung und der komplette Service nach dem Kauf.

Um 6 Uhr gehen die virtuellen Türen auf

Unterdessen scheinen die Macher von Media Markt offensichtlich selbst nicht daran zu glauben, dass man ihnen die Bude einrennt. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass auf mediamarkt.de für die Eröffnung des Webshops mit einem genauen Zeitpunkt, nämlich 6 Uhr, geworben wird.

Im Internetgeschäft kann das tödlich sein: Die Technik ist bei punktuell sehr starken Zugriffszahlen äußerst sensibel, viele Systeme sind einem Ansturm nicht gewachsen. Das musste selbst Onlineprofi Amazon 2010 schmerzlich erfahren: Damals brachen die Server zusammen, weil die Nachfrage nach den 24 Stunden angebotenen Schnäppchen am "Cyber Monday" zu groß war.

Doch da die Media Markt-Kunden nun so lange auf den Onlineshop gewartet haben, werden sie wohl nicht unbedingt den Wecker stellen, um die Eröffnung der Web-Filiale zu erleben.

Sybille Wilhelm

Auf etailment.de (Blog): Media-Markt rüstet Online-Shop auf: Ein digitaler Warenkorb allein wird nicht helfen.