Im Vergleich zu den anderen europäischen Märkten floriert der Absatz von Reisemobilen in Deutschland noch, wie die Rekordverkaufszahlen nach den ersten fünf Monaten des Jahres belegen.

Es bleibt dabei: Deutschland hui, der Rest von Europa pfui. Zu dieser drastischen Einschätzung führt der Blick auf die Verkaufszahlen der Händler von Freizeitfahrzeugen. Die Nachfrage nach Reisemobilen trotzt hierzulande sogar dem negativen Trend von Pkw- und Nutzfahrzeugzulassungen und erreichte in den ersten fünf Monaten des Jahres mit 14.479 Einheiten ein Plus von 3,2 Prozent und somit einen historischen Höchststand.

Der Verkauf von Wohnwagen ging im gleichen Zeitraum, nach der Auswertung des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) mit Sitz in Frankfurt am Main, allerdings um 6,4 Prozent auf 9.169 Fahrzeuge zurück. Schon seit Jahren steigt in Deutschland das Interesse der Konsumenten an den deutlich teureren Wohnmobilen, während Wohnwagen an Käufergunst verlieren.

Verbandschef warnt vor Euphorie

Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des Branchenverbandes, warnt allerdings die rund 280 deutschen Händler vor allzu großer Freude: "Der Saisonstart ist trotz des langen Winters zwar gelungen, die nächsten Monate müssen aber mit gedämpftem Optimismus gesehen werden, da nach dem außergewöhnlichen Rekordjahr 2012 in dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld eine stärkere Absatzentwicklung kaum zu erwarten ist."

Doch es gibt auch andere Einschätzungen. "Im Vergleich zu Ländern wie Spanien, Italien oder auch den Niederlanden, wo der Wohnwagenabsatz in den letzten acht Jahren von 22.000 auf 5.000 Einheiten pro Jahr eingebrochen ist, leben wir in Deutschland noch geradezu im Paradies", sagt Klaus-Peter Bolz, als Geschäftsführer von Europas Top-Reisemobilmarke Bürstner ein Branchenurgestein und anerkannter Kenner der Handelslandschaft.

"Dicke schwarze Null" für die Konzernmutter

Der Chef des badischen Traditionsherstellers ist dennoch nicht frei von Sorgen. 60 Prozent der Produktion aus den beiden Standorten in Kehl und im französischen Wissembourg gehen normalerweise in den Export. Die Absätze sind demzufolge im zu Ende gehenden Geschäftsjahr um 15 Prozent auf 4.800 Wohnmobile, 2.200 Caravans und 200 Mobilheime rückläufig. Der Jahresumsatz schrumpft auf 280 Millionen Euro; und der an die Konzernmutter Hymer nach Bad Waldsee abzuführende Gewinn fällt deutlich schmaler aus als in den letzten beiden Rekordjahren. "Eine dicke schwarze Null", so Bolz, bleibt aber noch übrig.

So war bei der diesjährigen Überarbeitung des Produktangebotes auch eher behutsame Evolution angesagt. Zum Modelljahrgang 2014, der vom 30. August bis zum 8. September auf dem Düsseldorfer Caravansalon Premiere feiert, halten viele Detailverbesserungen aber keine echten Innovationen Einzug.

Kastenwagen versprechen Wachstum

Sieht man einmal von der Wiedereinführung des kompakten Kastenwagens "City Car" (ab 40.340 Euro) ab, der bei Hymer gefertigt wird und nach einjähriger Pause wieder ins Bürstner-Programm rückt, weil das preisgünstige Segment Wachstum verspricht. Die Gesamtzahl der Grundrisse wurde von 54 auf 41 reduziert, was für Hersteller und Handel die Komplexität reduziert und Logistkkosten spart.

Mit einem Absatzverlust von rund 4 Prozent und einem Umsatzrückgang um 9,3 Prozent von 360 auf 327 Millionen Euro spürte auch die zweite große Hymer-Tochter Dethleffs im laufenden Geschäftsjahr, das zum 31. August endet, den Gegenwind auf den europäischen Märkten. "Der noch höhere Verlust beim Umsatz erklärt sich durch den Trend zu kompakteren Fahrzeugen", analysiert Geschäftsführer Dominik Suter.

Foto: Dethleffs
Foto: Dethleffs
Das Unternehmen aus Isny reagiert auf die veränderte Marktsituation ebenfalls mit einer Straffung des Modellprogramms. Dies sei auch eine Forderung der Händler gewesen, heißt es aus dem Allgäu. Zudem legt der Hersteller die Wohnmobil-Einsteigerbaureihe "Trend" mit fünf Modellen unter der 3,5-Tonnen-Marke zu Preisen ab 41.999 Euro auf.

Hymer B-Klasse ab 73.990 Euro

Die Konzern-Mutter Hymer hat derweil ihr Parademodell aufgewertet. Zum Caravansalon fährt der europäische Marktführer seine B-Klasse mit zahlreichen optischen und technischen Veränderungen vor.

"Wir gehen davon aus, dass die Verbesserungen das Fahrzeug zwischen 80 und 100 Kilo leichter machen", erklärt Bernhard Kibler, Leiter des Geschäftsbereiches Reisemobile. Insgesamt stehen acht unterschiedliche Grundrisse auf einer Fahrzeuglänge von 5,99 bis 7,50 Meter zur Wahl.

Die Preise für die auf dem Fiat Ducato aufbauende B-Klasse, die mit mehr als 55.000 verkauften Fahrzeugen in 30 Jahren als erfolgreichste Reisemobilbaureihe in Europa gilt, beginnen bei 73.990 Euro.

Bernd Nusser