Während die Meta Group Ende 1998 noch mehr als 600 ISPs (Internet Service Provider) in Deutschland zählte, belaufen sich heutige Schätzungen für diese Anbietergruppe auf nicht einmal 200 Unternehmen.Im Bild: Das Netzwerk- Management-Center von Worldcom in Frankfurt/Main.

Während die Meta Group Ende 1998 noch mehr als 600 ISPs (Internet Service Provider) in Deutschland zählte, belaufen sich heutige Schätzungen für diese Anbietergruppe auf nicht einmal 200 Unternehmen.

Steigender Margendruck und eine rasant verlaufende technologische Entwicklung kennzeichnen die ISP-Landschaft der vergangenen Jahre, teilt die Münchener Meta Group mit. Überdies hätten die verbesserte Markttransparenz und der Know-how-Zuwachs auf der Anwenderseite die Qualitätsansprüche an die zu erbringenden Dienstleistungen steigen lassen. Vor diesem Hintergrund seien zahlreiche kleine Anbieter entweder übernommen worden oder vollständig vom Markt verschwunden. Nach Ansicht von Martin Haas, Consultant der Meta Group, werde sich diese Marktbereinigung in der deutschen ISP-Landschaft auch in den nächsten zwei Jahren fortsetzen.

Mehrere Gründ seien dafür verantwortlich. Obwohl Deutschland bei den Kosten für den Internetzugang noch zu den teuersten Ländern weltweit gehört, sei nicht zuletzt durch die Liberalisierung im deutschen Telekommunikationsmarkt auch bei den Internetzugangskosten ein Preiskampf zu beobachten. Dies habe zur Konsequenz, dass auch die Margen im Internet-Access-Geschäft entsprechend kleiner geworden sind. Vor diesem Hintergrund und um neue Umsatz- bzw. Ertragspotenziale zu erschließen, hätten nahezu alle Internet-Service-Provider ihr Dienstleistungsportfolio stark erweitert. Insbesondere die Bereiche Web Hosting, Security-Lösungen und Virtual Private Networks gehörten zur Zeit zu den lukrativen Geschäftsfeldern. Auf Basis der vorhandenen Ressourcen hätte diese Notwendigkeit zahlreiche Anbieter vor eine unlösbare Aufgabe gestellt, mit der Konsequenz, dass sie sich entweder mit anderen Anbietern zusammengeschlossen haben oder zu Übernahmekandidaten wurden.

Ein weiterer Versuch, dem Margendruck entgegenzutreten, sei die Internationalisierung der Unternehmen. Die Meta Group nennt folgende Beispiele: Die ehemalige Bertelsmann-Tochter mediaWays GmbH gehöre seit Februar 2001 vollständig zur Telefonica Data, einer 100%igen Tochtergesellschaft der spanischen Telefonica S.A. Für die Telefonica stehe bei dieser Übernahme der Zugang zum deutschen Markt und für mediaWays die internationale Expansion im Vordergrund. Die britische Energis plc hat von der Schweizer Distefora Holding AG mit Wirkung zum 30. Januar 2001 75% der Anteile der Ision Internet AG übernommen. Nach dem kurzen "Gastspiel" der Distefora habe das Unternehmen jetzt einen soliden Einstieg in den britischen Markt gefunden.

Allerdings hätten auch die klassischen IT-Dienstleister und Telekommunikationsanbieter in den Internet Services eine einträgliche Umsatzquelle identifiziert. Damit seien die ISPs einer neuen und härteren Konkurrenzsituation ausgesetzt. Etablierte Geschäftsbeziehungen sowie umfassende Erfahrungen und bewährte Methoden im Projektgeschäft seien wichtige Vorteile gegenüber den Internet-Spezialisten. Daher wären die ISPs insbesondere bei internationalen Projekten in der Zwangslage, eine entsprechende Präsenz aufbauen zu müssen. Die Geschwindigkeit, mit der sich der Internetmarkt nach wie vor entwickelt, setze die Anbieter einem gewissen Zeitdruck aus, dem nur mit Partnerschaften bzw. Unternehmenszusammenschlüssen entgegengetreten werden kann.

Die aktuelle Bedeutung der Themenfelder Voice over IP, Unified Messaging, Computer Telephony Integration (CTI) und Virtual Private Networks (VPNs) verdeutliche die Konvergenz zwischen Telekommunikation und Informationstechnologie. Insbesondere Kooperationen, so Martin Haas weiter, seien ein sinnvoller Weg, das erforderliche Know-how verfügbar zu machen. Der niederländisch-amerikanische Telekommunikationskonzern KPNQwest hat zum 1. Mai 2000 die ehemalige Xlink Internet Services GmbH vollständig integriert. In Deutschland positioniert sich das Unternehmen als Internet Service Carrier. KPNQwest habe dadurch einen direkte Präsenz im deutschen Markt, während die Xlink Internet Services (einschließlich der Xlink Internet Consulting) über KPNQwest einen Zugang zu den internationalen Märkten gefunden hat.

Bereits seit 1999 gehört die UUNet zum amerikanischen Telekommunikationsanbieter WorldCom. Im Jahr 2000 hat UUNet das gesamte Privatkundengeschäft verkauft und konzentriere sich nun ausschließlich auf Geschäftskunden. In der Konsequenz hätten sich in einigen Bereichen Überschneidungen mit der Muttergesellschaft (WorldCom) ergeben. Derzeit werde an den erforderlichen Restrukturierungsmaßnahmen gearbeitet.

Anwenderunternehmen, die vor der Auswahl eines (neuen) Anbieters von Internetdienstleistungen stehen, rät die Meta Group zur strategischen Vorgehensweise. So sollte einer Entscheidung stets eine Definition der Ziele und die Erstellung eines Kriterienkatalogs vorangehen. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Konsolidierungsphase sollten die folgenden Aspekte besondere Berücksichtigung finden:
- Finanzielle Solidität des Anbieters:
- Strategische Partnerschaften
- Methoden-Know-how
- Nachgewiesene Kompetenzen in der Projektrealisierung
(RS)


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