Während die restlichen Europäer ihr Geld zusammenhalten, sind die Deutschen weiter in Kauflaune, lautet das Ergebnis einer Nielsen-Studie.

Trotz nicht enden wollender Eurokrise - die Deutschen blicken weiterhin optimistisch in die Zukunft. Im zweiten Quartal 2013 ist die Verbraucherstimmung mit 90 Punkten unverändert auf dem Höchststand seit Anfang 2011. Damit liegt der Wert deutlich über dem EU-Durchschnitt von 71 Punkten. Dies ist das Ergebnis der aktuellen weltweiten Umfrage der Marktforscher von Nielsen zu Konsumentenvertrauen und Einkaufsgewohnheiten.

Kleidung und Urlaub am wichtigsten

Fast die Hälfte aller Deutschen beurteilt demnach ihre Jobaussichten für die kommenden zwölf Monate als "gut" oder gar "ausgezeichnet", das Gleiche gilt für die persönliche Finanzlage (jeweils 49 Prozent). Entsprechend gaben nur 24 Prozent der Befragten an, ihr nach Deckung der Lebenshaltungskosten verfügbares Geld zu sparen.

Damit sind die Deutschen im internationalen Vergleich eher konsumfreudig. Sie geben ihr Geld vorzugsweise für neue Kleidung und Urlaub (38 beziehungsweise 34 Prozent) aus, während die Mehrheit der EU-Bürger vor allem spart. Im Hinblick auf das kommende Jahr bereiten den Deutschen vor allem steigende Nebenkosten Sorgen, gefolgt von Ängsten um die Wirtschaftslage und die eigene Gesundheit.

Dementsprechend würden die Befragten laut Nielsen-Studie bei den Nebenkosten am ehesten sparen, auch wenn sich ihre wirtschaftliche Lage in Zukunft verbessern sollte. Etwas optimistischer sind die Deutschen in Sachen Rezession geworden: Weniger als die Hälfte der Befragten (45 Prozent) meinen, dass die Bundesrepublik sich in einem wirtschaftlichen Abschwung befindet; im ersten Quartal waren es noch 51 Prozent. Im EU-Durchschnitt sind es 74 Prozent. In Gesamteuropa stagniert dagegen der Konsum, die Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes ist bei den Menschen groß.

US-Amerikaner mit zartem Optimismus

In den USA hellt sich die Stimmung etwas auf. An eine Rezession glauben zwar immer noch 72 Prozent der Amerikaner - aber immerhin fünf Prozent weniger als im ersten Quartal. "Diese Entwicklung ist auf die positiven makroökonomischen Entwicklungen in den USA zurückzuführen", erklärt Venkatesh Bala, Chefökonom von The Cambridge Group, einer Tochtergesellschaft von Nielsen. "Während die Arbeitslosenzahlen bei 7,6 Prozent liegen und weiterhin sinken, zählen die Rekordergebnisse an den Aktienmärkten und die Erholung des Immobilienmarktes zu den wichtigsten Veränderungen. Diese Faktoren haben einen eindeutigen Einfluss auf die Vermögenslage und Ausgabeabsichten der US-Haushalte."

Während die Vertrauenswerte in Europa im Durchschnitt stabil blieben, haben sich die Einschätzung der persönlichen Finanzen, die Anschaffungsneigung und die Berufsaussichten in den drei größten Volkswirtschaften USA, China und Japan verbessert. "Dies hat einen positiven Effekt auf die Weltwirtschaft", betont Bala. "Dennoch könnten makroökonomische Ereignisse wie ein starker Anstieg der Zinssätze die Erholung des Verbrauchervertrauens beeinträchtigen. Dies könnte die Nachfrage nach Wohnimmobilien bremsen und die Verbraucher von größeren Anschaffungen abhalten."

Norweger mit beständig guter Laune

Führend in Sachen Optimismus ist mit 124 Index-Punkten weiterhin Indonesien, das im Vergleich zum Vorquartal noch einmal um zwei Punkte zugelegt hat. Die größte Stimmungsschwankung nach unten verzeichneten Israel und Norwegen (minus 8 beziehungsweise minus 7 Punkte). Die norwegischen Norwegen zählen dennoch mit 98 Punkten zu den großte Optimisten.

"Die wirtschaftlichen Rahmendaten in Deutschland haben im Befragungszeitraum Mai dazu beigetragen, dass die Zuversicht der deutschen Verbraucher stabil bleibt", erklärt Ingo Schier, Geschäftsführer von Nielsen Deutschland. "Die Zuversicht der Deutschen steht jedoch auf wackeligen Beinen: Prognosen zufolge soll die ohnehin schon schwache Konjunktur in Deutschland weiter nachlassen; die Eurozone steckt nach wie vor in einer Rezession."