Die Nachfrage nach Luxuseinkaufslagen ist ungebrochen. Deutschland attestieren Immobilienexperten sogar noch Nachholbedarf. Im internationalen Vergleich sind hiesige Luxuslagen wahre Schnäppchen.

Bei Luxuswaren ist der stationäre Handel ein unverzichtbares Erfolgskriterium. Denn edle Handtaschen und feine Stoffe wollen angefasst werden. Luxuslabels betreiben sogar zunehmend, insbesondere im Juwelier- und Uhrensegment, eigene Shops und verstärken ihr Einzelhandelsengagement.

Und in Deutschland hat die Branche noch Nachholbedarf. Der Umsatz in den Luxussegmenten Mode und Accessoires, Parfüm/Kosmetik, Möbel, Uhren/Schmuck sowie hochwertige Getränke betrug laut einer Studie von Roland Berger 2012 rund acht Milliarden Euro. In Relation zur Wirtschaftsleistung und dem Bruttoinlandsprodukt (0,3 Prozent) ist das im Vergleich mit anderen großen Märkten relativ gering, denn im internationalen Durchschnitt liegt der Anteil doppelt so hoch (0,6 Prozent).

Fünf Metropolen ziehen kaufkräftige Touristen an

"Der Luxussektor ist in Deutschland ein kräftig wachsender Markt, ausgehend von einem niedrigen Niveau. Wir sehen hier ein enormes Wachstumspotenzial", sagt Olaf Petersen vom Maklerunternehmen Comfort, das auf Handelsimmobilien spezialisiert ist. "Maßgebliche Treiber des Wachstums sind die starke wirtschaftliche Performance innerhalb Europas und die zunehmende Bedeutung Deutschlands als Reiseland."

Insbesondere Reisende aus den weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften, den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, entdecken Deutschland als Einkaufs- und Tourismusziel. 2012 wurden aus diesen Wachstumsländern bereits mehr Hotelübernachtungen (5,1 Millionen) registriert als aus den USA (4,9 Millionen), heißt es in einer Untersuchung von Comfort. "Das Besucherwachstum aus diesen Ländern liegt im zweistelligen Bereich. Die BRIC-Touristen sind zu hohen Anteilen sehr wohlhabend und luxusaffin", sagt Olaf Petersen.

Anders als der polyzentrisch strukturierte allgemeine Einzelhandel mit einer Vielzahl von bedeutenden Einkaufsstädten in der gesamten Republik ist das Luxusgeschäft räumlich auf fünf Lagen verdichtet. Die Luxuslagen konzentrieren sich auf die Metropolen, Kristallisationspunkte von wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, hohen Einkommen und dem höchsten ausländischen Touristenaufkommen: Berlin (Teile des Kurfürstendamms und abnehmend Friedrichstraße), Düsseldorf (Teile der Königsallee und Umfeld), Frankfurt (Goethestraße und Umfeld), Hamburg (Neuer Wall und Umfeld), München (Maximilianstraße, Perusastraße und Umfeld).

Deutsche Städte schaffen mehr Fläche für Luxus

Die Einzelhandelsmieten in den deutschen Luxusmeilen haben 2012 im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 15 Prozent (Frankfurt/Main) zugelegt, berichtet Comfort-Geschäftsführer Manfred Schalk. Am teuersten im Luxussegment sind Berlin, München und Düsseldorf mit aktuellen Mietpreisen von 250 Euro pro Quadratmeter für Geschäftslokale mit Einzelhandelsflächen zwischen 80 und 120 Quadratmetern. Die Spitzenmieten in Hamburg (240 Euro) sowie Frankfurt (230 Euro) liegen etwas darunter.

In Frankfurt gilt die zwischen Bankenviertel und der konsumigen Toplage Zeil gelegene Goethestraße als Luxus- und Niveaulage. Die 400 Meter lange Einbahnstraße mit kleinen eigenständigen Geschäftshäusern konnte die Nachfrage von internationalen Toplabels lange Zeit nicht bedienen. Mit dem One Goetheplaza, das im Oktober eröffnen soll, erweitert sich nun die Luxuslage der Bankenstadt deutlich. Louis Vuitton, Omega und Escada sicherten sich hier bereits Flächen.

In der Hamburger City West finden beispielsweise mit dem Kaufmannshaus, der Kaisergalerie oder den Stadthöfen Projektentwicklungen und Refurbishments statt, um die wachsende Flächennachfrage für Luxuslabels adäquat zu bedienen. Auch die bevorstehende Entwicklung des Alten Walls Hausnummern 2 bis 32 bietet Möglichkeiten, ein konzentriertes Luxusangebot zu platzieren.

München bekommt erste "Maison" von Louis Vuitton

In München bilden die Maximilian- und die Perusastraße sowie deren Umfeld die Luxuslage. Auch hier übersteigt die Nachfrage nach adäquaten Shoppingflächen das Angebot. Somit weicht man auf Lagen im unmittelbaren Umfeld aus. So hat Louis Vuitton im Palais an der Oper auf der Residenzstraße, Ecke Maximilianstraße die erste "Maison" in Deutschland mit rund 1.300 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnet. Weltweit ist es erst die elfte Eröffnung einer "Maison Louis Vuitton".

Im internationalen Vergleich sind Deutschlands Luxusmeilen regelrechte "Schnäppchen". Weitaus höhere Ladenmieten werden nicht nur in London, Europas attraktivstem Standort für internationale Einzelhändler gezahlt, sondern auch in den Luxuslagen von Paris, Moskau, Mailand, Rom oder Zürich. So werden in der New Bond Street (London), Avenue Montaigne/Rue du Faubourg St. Honoré (Paris), Stoleshinkov Lane (Moskau), Via Montenapoleone (Mailand), Via Condotti (Rom) oder der Bahnhofstraße (Zürich) mit bis zu 700 Euro pro Quadratmeter in der Spitze mehr als doppelt so hohe Mieten wie in den deutschen Luxusmetropolen verlangt und bezahlt.

DH