Distanzhändler erkundeten die Möglichkeiten Schwedens als Absatz- und Beschaffungsmarkt. Wachsende Handelsumsätze locken deutsche Unternehmen.

Eine Delegation deutscher mittelständischen Versandhändler erkundete Ende Oktober den schwedischen Markt. Organisiert wurde die Reise von der Deutsch-Schwedischen Handelskammer sowie dem RKW Kompetenzzentrum. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) wurde ein speziell auf den Versandhandel zugeschnittenes Programm entwickelt.

Warum sollten sich gerade deutsche Versender für Schweden interessieren? Dafür gibt es mehrere Gründe. Berichte der bfai dokumentierten die Chancen des schwedischen Marktes für deutsche Unternehmen im Bereich Handel. Und die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bescheinigt Schweden ein großes Marktpotenzial mit einer Kaufkraft, die mehr als 40 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Schweden stellt mit neun Millionen Einwohnern zwar einen relativ kleinen Markt dar, der jedoch oft als Testmarkt für deutsche Unternehmen und Tor zum skandinavischen Wirtschaftsraum gesehen wird.

Hohe Computerdichte, boomender Onlinehandel

Positiv zu werten ist auch, die im europäischen Vergleich hohe Computerdichte und E-Commerce-Quote. Laut einer Untersuchung der schwedischen Post zum Thema Onlinehandel nutzen aktuell rund 75 Prozent der schwedischen Verbraucher E-Commerce-Angebote.

Ein weiterer Pluspunkt: In Schweden ist ein einfacher und gezielter Zugriff auf individualisierte Adressen und Angaben von Privatpersonen mittels Datenbanken möglich. Die schwedische Post ist seit Langem dereguliert und es besteht ein nationales Servicenetz, dass es Privatpersonen ermöglicht, Pakete in nahegelegenen Lebensmittelgeschäften oder Tankstellen, auch abends und am Wochenende, abzuholen.

Der schwedische Einzelhandel wächst laut dem schwedischen Marktforschungsinstitut HUI jährlich um 4 bis 5 Prozent, der Anteil am Privatkonsum beträgt 30 Prozent. Der Versandhandel ist mit 24 Prozent Wachstum eine Branche mit deutlichem Potenzial. Nach Angaben des schwedischen Versandhandelsverbands erwirtschaften 54 Mitgliedsfirmen einen Umsatz von rund 7,3 Milliarden SEK (800 Millionen Euro).

Ulla Popken und Conrad sind schon da

Mehrere deutsche Versandhandelsunternehmen haben dieses Potenzial bereits erkannt und sind auf dem Weg in den Norden. Als aktuelle Beispiele können deutsche Versender aus verschiedenen Bereichen, wie Ulla Popken, Conrad Electronic und VEGA (Erwin Müller Group) genannt werden.

Das zweitägige Programm der Versenderreise enthielt vielseitige Hinweise für einen erfolgreichen Markteintritt bereit. Auf der Agenda standen am ersten Tag ein Bericht des Auslandskorrespondenten der bfai in Stockholm, Christian Tippelt, über die Wirtschaft und Geschäftschancen im Land sowie ein Branchenüberblick des Svensk Handel (schwedischer Branchenverband). Des Weiteren wurden die Teilnehmer  über den Zugang zu Adressen und Vermarktungsstrategien informiert.

Im Praxisteil berichtete Christian Kämmer, Geschäftsführer von Conrad Elektronik Norden AB, über seine Erfahrungen beim Markteintritt in Schweden. Anschließend informierte die schwedische Post über Logistik und Vertriebsmöglichkeiten. Danach folgte ein Vortrag über Kreditrisiken, insbesondere Bonitätsprüfung, Inkasso und Zahlungsmoral.

Zum Abschluss der Informationsveranstaltung besichtigte die deutsche Gruppe eine Mall (Einkaufszentrum) in der Stockholmer Innenstadt, um ein Gefühl für den schwedischen Markt und die dortigen Handelsstrukturen zu entwickeln.

Tanja Metz