Das beliebteste Zahlungsmittel der Deutschen ist nach wie vor das Bargeld, zeigt eine aktuelle Studie der Deutschen Bundesbank. 118 Euro hat der Deutsche im Schnitt im Geldbeutel.

Bargeld ist bezogen auf die Gesamtheit aller Einkäufe im Einzelhandel und bei Dienstleistungen das meistgenutzte Zahlungsmittel in Deutschland. Dies geht aus der Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland" hervor, die an diesem Dienstag von der Bundesbank in Frankfurt veröffentlicht wurde.

„Bei der Wahl des Zahlungsinstruments legen die Deutschen den größten Wert auf die Sicherheit vor einem finanziellen Verlust, die Akzeptanz in den Geschäften und die Kosten", sagte der ehemalige Berliner Finanzsenator Dr. Thilo Sarrazin, seit Mai 2009 im Vorstand der Bundesbank für Bargeld zuständig.

Rabatte und Bonuspunkte zweitrangig

Die Faktoren Internet- und Auslandseinsatz sowie Rabatt- oder Bonusprogramme sind für die Deutschen bei der Wahl des Zahlungsmittel hingegen weniger relevant. Beim Kriterium "Sicherheit vor finanziellem Verlust" nimmt die girocard (früher ec-Karte) die führende Position ein, während die Kreditkarte beim Einsatz im Internet den Spitzenplatz hält. Bargeld erzielt jedoch bei allen anderen Kriterien die besten Ergebnisse.

Beim Einkauf entscheiden die meisten Befragten anhand des verfügbaren Bargeldbestands sowie der Höhe des zu zahlenden Betrags darüber, welches Zahlungsinstrument sie wählen. Gemessen am Wert der Transaktionen hat Bargeld einen Anteil von 57,9 Prozent und die girocard 25,5 Prozent. Die Kreditkarte wird für 3,6 Prozent aller Einkäufe genutzt.

Bargeldnutzung im Westen höher

Nach der Anzahl der Transaktionen liegt der Bargeldanteil bei 82,5 Prozent, die girocard bei 11,9 Prozent und die Kreditkarte kommt auf 1,4 Prozent. Dies liegt daran, dass vor allem kleine und mittlere Beträge bar bezahlt werden.

Überdurchschnittlich hoch ist die Barzahlungsquote bei ganz jungen und älteren Personen (unter 25 und über 55 Jahre). Darüber hinaus liegt der Barzahlungsanteil umso höher, je niedriger das Einkommen ist.

In den alten Bundesländern ist eine deutlich höhere Bargeldnutzung zu beobachten als in den neuen Bundesländern. Entsprechend gegenläufig ist der Anteil bei den unbaren Zahlungsinstrumenten, vor allem bei girocard-Zahlungen.

Durchschnittlich 118 Euro im Portemonnaie

Im Durchschnitt hatten die Befragten 118 Euro Bargeld im Portemonnaie, davon 6,70 Euro als Münzen. 91 Prozent der Befragten verfügen über mindestens eine girocard, 27 Prozent besitzen eine Kreditkarte.

Nach der Studie ist zu erwarten, dass Bargeld auch in Zukunft die führende Rolle unter den Zahlungsinstrumenten beibehählt. „Kurzfristig ist eine Bargeldverdrängung durch unbare Zahlungsinstrumente unwahrscheinlich", sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Sarrazin. Ein dichtes Netz von Bezugsstellen wie Geldautomaten fördere überdies die Bargeldnutzung.

Mittel- bis langfristig sei ein weiterer verhaltener Rückgang des Barzahlungsanteils möglich. Bei einem weiteren Wachstum des Internethandels könnte sich die Bargeldverdrängung nach Einschätzung der Bundesbank-Experten beschleunigen.

Bundesbank glaubt nicht an M-Payment

Einen durchschlagenden Erfolg innovativer Bezahlverfahren, wie etwa das Zahlen per Handy oder Fingerabdruck, erwartet die Bundesbank zunächst nicht. Voraussetzung dafür wäre eine flächendeckende Akzeptanz beim Handel und in der Bevölkerung. Die Chancen für das Angebot neuer, unbarer Zahlungsverfahren werden durch den einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum SEPA verbessert.

Für die Studie wurden mehr als 2.000 Personen befragt, die einen Fragebogen ausgefüllt und ein Zahlungstagebuch geführt haben. Eine Zusammenfassung der Studienergebnisse finden Sie hier, die vollständigen Studienergebnisse finden sie hier.