Die Süßwarenindustrie beklagt in Deutschland einen leichten Umsatzrückgang und setzt auf den Export. Hinzu kommt, dass Börsenspekulanten die Rohstoffpreise nach oben treiben.

Die Deutschen naschen weniger: Der Pro-Kopf-Verbrauch von Süßwaren sank 2010 um rund 0,6 Prozent auf durchschnittlich 30,57 Kilogramm. Die Ausgaben je Bundesbürger fielen somit um ein knappes Prozent auf 109,73 Euro, meldet der Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI).

Der Inlandsumsatz sank demnach um 0,9 Prozent auf knapp neun Milliarden Euro, die Absatzmenge ging um etwa 0,6 Prozent auf gut 2,5 Millionen Tonnen zurück. "Zahlreiche Preissenkungsrunden des Lebensmitteleinzelhandels bei gleichzeitig erheblichen Rohstoffpreissteigerungen belasteten die Ertragslage der mittelständisch geprägten deutschen Süßwarenindustrie, da vielfach die höheren Rohstoffkosten nicht oder nicht in vollem Umfang weitergegeben werden konnten", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes.

Preise für Kakao und Weizen steigen rasant

Besonders dramatisch sei die Rohstoffpreisentwicklung bei Kakao und Weizen, jedoch hätten auch die Preise für Zucker, Butter sowie pflanzliche Öle und Fette stark angezogen. Daran sind nach Meinung des Verbandes vor allem Spekulanten schuld: Im Zuge der Finanzkrise hätten Geldinstitute das Geschäft mit Rohstoffen für sich entdeckt und spekulativ die Entwicklungen an den Warenterminbörsen beeinflusst. Dies habe zu stärkeren Preisschwankungen an den Agrarmärkten und insgesamt zu höheren Preisen geführt.

Vor allem das spekulativ getriebene hohe Preisniveau beim Rohkakao macht den Herstellern Bauchweh: Der Kakaopreis erreichte im Juni 2010 mit mehr als 3.000 Euro pro Tonne ein neues 30-Jahres-Hoch. "Jedoch konnten die Hersteller die gestiegenen Kakaopreise kaum an den Handel weitergeben, wie die schwache Wertentwicklung der Produktion zeigt", argumentiert die Interessenvertretung.

Durch wetterbedingte Ernteausfälle und Spekulationen seien die Hersteller von Feinen Backwaren im zweiten Halbjahr 2010 zusätzlich einem enormen Preissprung bei Weizen ausgesetzt gewesen.

Deutsche Naschereien im Ausland beliebt

"Ein Lichtblick ist der Export. Deutschland konnte hier 2010 wieder deutlich zulegen und bleibt Süßwarenexportweltmeister", berichtet Tobias Bachmüller, Stellvertretender Vorsitzender des BDSI und Vorsitzender des Arbeitskreises Internationale Süßwarenmesse (AISM). Das gute Exportgeschäft konnte den rückläufigen Inlandsabsatz der deutschen Süßwarenhersteller etwas ausgleichen.

Insgesamt schätzt der BDSI auf Basis der Zahlen des Statistischen Bundesamtes einen Anstieg der Exportmenge um 7,4 Prozent auf 1,67 Millionen Tonnen. Im Wert erholten sich die Exporte um etwa 9,5 Prozent und stiegen auf knapp 5,3 Milliarden Euro. Mit einer Exportquote von fast 45 Prozent ging somit nahezu jede zweite in Deutschland produzierte Tonne Süßwaren in den Export.

Witterung versöhnt Branche gegen Jahresende

Aufgrund der Ausfuhren stieg die Produktion von Schokoladewaren 2010 in der Menge um 3,3 Prozent an. Der wertmäßige Anstieg lag dagegen nur bei etwa einem Prozent. Auch im Bereich Feine Backwaren konnte der Export die Rückgänge am Inlandsmarkt ausgleichen, so dass die Produktion der Produktgruppe insgesamt um 1,3 Prozent in der Menge zulegen konnte. Der Wert stieg dagegen nur um 0,7 Prozent.

Die kältere Witterung ab Oktober 2010 bescherte den Herstellern von Schokoladen- und Feinen Backwaren allerdings noch ein gutes Saisongeschäft: Lebkuchen, Spekulatius und Schokoladenweihnachtsmänner erfreuten sich zum Jahresende großer Beliebtheit bei den Verbrauchern, berichtet der Herstellerverband.

Knabberartikel und Kaugummi legten zu

Wie schon im Jahr 2009 waren die Hersteller von Knabberartikeln die Gewinner der Branche: 2010 waren Salzstangen und Erdnüsse dank der Fußballweltmeisterschaft begehrt, die Produktion von dieser Artikel stieg bei der Menge um 2,4 Prozent und beim Wert um 3,9 Prozent.

Auch der Kaugummimarkt in Deutschland entwickelte sich positiv. Nach Verbandsschätzung konnte ein Umsatzzuwachs von etwa 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht werden. Das Umsatzvolumen liegt damit bei insgesamt 662 Millionen Euro.