Menschen, Kleidung, Wohnung: Der Deutsche gibt statistisch gesehen in diesem Jahr mehr als 200 Euro für Körperpflege, Waschpulver und Reinigungsmittel  aus.

Geht es der Wirtschaft schlecht, schminken sich die Konsumentinnen mehr. Dieser europaweit zu beobachtende "Lippenstift-Effekt" ist in Deutschland jedoch ein Wimperntuschen-Effekt: „In der Krise greifen die deutschen Konsumentinnen verstärkt zu Mascara. In diesem Jahr konnten die Umsätze in dieser Produktgruppe zweistellig zulegen“, erläuterte Rolf Sigmund, Sprecher der Geschäftsführung von L’Oréal Deutschland und Stellvertretender Vorsitzender des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel (IKW), heute auf der Wirtschaftspressekonferenz des Verbandes in Frankfurt. Der Markt der dekorativen Kosmetik wächst in diesem Jahr entsprechend um 7,8 Prozent auf 1,44 Milliarden Euro.

Überhaupt scheint die Krise die Reinlichkeit der Deutschen kaum zu beeinflussen – im Gegenteil: „Körperpflegemittel wachsen noch einmal um 1,7 Prozent. Auch die Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel liegen mit einem Plus von 3,7 Prozent wieder deutlich im positiven Bereich“, führte der IKW-Vorsitzende Dr. Rüdiger Mittendorff, der im „wahren Leben“ Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung der Sebapharma GmbH ist, weiter aus.

Dementsprechend steigen auch die Pro-Kopf-Ausgaben: Für Körperpflegemittel geben die Deutschen inzwischen durchschnittlich 156,67 Euro aus – 2,90 Euro mehr als 2008. Auch Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel sind den Konsumenten in diesem Jahr zwei Euro mehr wert: Statistisch gesehen gibt jeder Deutsche dafür 49 Euro in diesem Jahr aus.

Die Haare schön - aber nicht schöner als 2008

Haarpflegemittel bleiben demnach mit im Vergleich zum Vorjahr unveränderten 3,05 Milliarden Euro der größte Einzelmarkt in der Körperpflege. Das, was Shampoos, Spülungen und Schaumbalsam zulegen konnten, machten die schon seit geraumer Zeit rückläufigen Produkte wie Schäume, Gel, Festiger/Fönlotion und Heimdauerwellen im negativen Sinne wieder wett.

Der Markt der Hautpflegemittel nimmt unterdessen um 1,6 Prozent auf 2,97 Milliarden Euro zu, woran vor allem die Gesichtspflege mit dem Dauerbrenner Anti-Aging einen wesentlichen Anteil hat. Haut- und Handcremes geben dort leicht nach. Auch Sonnenschutzmittel wachsen seit zwei Jahren nicht mehr.

Der inzwischen 1,33 Milliarden Euro „schwere“ Markt der Zahn- und Mundpflegemittel wächst zwar auch 2009, aber mit 0,8 Prozent langsamer als im Jahr zuvor. Parfüm legt derweil um 1,1 Prozent zu und liegt nun bei einem Marktvolumen von 985 Millionen Euro.

Auch das frühere Wachstumsraten-Wunderkind Herrenkosmetik stagniert mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 885 Millionen Euro: „Nur die Pflegecremes entwickeln sich noch sehr erfreulich mit einem Plus von 10 Prozent“, so Mittendorff. Produkte rund ums Rasieren sei hingegen leicht rückläufig.

Deos wachsen um 1,2 Prozent auf nunmehr 689 Millionen Euro, Seifen und Syndets legen um 2,9 Prozent auf 220 Millionen Euro zu: Vor allem Flüssigseifen sind offenbar in. „Sonstige Körperpflegemittel“ legen um knapp 5 Prozent auf 412 Millionen Euro zu: „Das Wachstum kommt vor allem von den Babypflegemitteln, dem mit Abstand größten Teilmarkt“, erläutert der IKW-Vorsitzende.

Rezession hilft Reinigungsmitteln

Dass die Rezession mitunter auch „hilfreich“ sein kann, führte Andreas Lange, Mitglied des Direktoriums „Wasch- und Reinigungsmittel Westeuropa“ der Henkel AG näher aus: „Handspülmittel und Waschmittel profitieren von der Krise. Denn die Leute gehen weniger ins Restaurant und waschen auch ihre Wäsche wieder selbst, statt sie in die Reinigung zu geben.“

Die Handspülmittel wachsen demnach überproportional um 7,1 Prozent und ziehen die Sparte Geschirrspülmittel insgesamt um 2,5 Prozent auf 615 Millionen Euro. Die Universalwaschmittel konnten entsprechend um 5,1 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro zulegen.

Die Haushaltsreiniger legen unterdessen um 2,8 Prozent auf 711,5 Millionen Euro zu: Der Markt der Allzweckreiniger nimmt dabei leicht zu, Scheuermittel gehen weiter zurück. Bei dden Spezialreinigern wachsen die Glas- und Badreiniger, während Küchenreiniger gegen Fett, Kalk und Rost leicht zurückgehen. WC-Produkte finden hingegen beim Verbraucher „guten Anklang“, so Lange. „Sanitär- und Desinfektionsreiniger nehmen nach mehreren erfolgreichen Jahren hingegen nicht mehr zu.“

Auch das Segment Autopflegemittel wächst deutlich um 8,7 Prozent auf 250 Millionen Euro: „Das Wachstum beruht einerseits auf dem langen Winter 2008/2009 und dem guten Sommer in diesem Jahr“, erläuteter Lange. Die in seinem Manuskript angegebene Passage, dass weitere Impulse durch die Neuanschaffungen infolge der Abwrackprämie entstanden seien, nannte er selbst hingegen ein „eher gewagte These.“
Die einzige Sparte, die bei den Wasch- und Reinigungsmitteln im Minus ist, sind hingegen die „Wohnraumpflegemittel“, die um 6,1 Prozent auf 123 Millionen Euro zurückgehen.