Die Rahmenbedingungen für ein gutes Weihnachtsgeschäft stimmen, sagt die GfK. Erstmals analysierten die Marktforscher, was konkret auf den Gabentisch kommt.

"Die Konjunkturerwartungen der Deutschen sind nahezu euphorisch", bringt Rolf Bürkl, Konsumexperte der GfK, die Stimmung der Verbraucher auf den Punkt. Nahezu sämtliche Indikatoren des monatlich von den Nürnberger Marktforschern ermittelten Konsumklimas zeigen im November 2010 Bestwerte an.

Die Deutschen erwarten eine gute wirtschaftliche Entwicklung, steigende Löhne und planen Anschaffungen wie zuletzt 2006 - dem Jahr vor der letzten Mehrwertsteuererhöhung. Die Sparneigung hingegen sinkt angesichts des niedrigen Zinsniveaus und der anhaltenden Unsicherheit auf den Finanzmärkten deutlich.

Keine Alternative zum Konsum

"Der Trend geht zum Konsum", fasst Bürkl die Ergebnisse zusammen. "Das Konsumklima war das gesamte Jahr auf einem guten Niveau und befindet sich nun noch einmal im Jahrsendspurt. Die Rahmenbedingungen für ein gutes Weihnachtsgeschäft stimmen", so der GfK-Experte.

Erstmals analysierten die Marktforscher das laufende Weihnachtsgeschäft 2010 mit einer repräsentativen Befragung von rund 4.000 Personen im Alter von 14 bis 65 Jahren. Sie wurde im Zeitraum Ende Oktober bis Anfang November durchgeführt.

Rund 14 Milliarden Euro für Geschenke

Jeder Deutsche gibt danach im Schnitt 245 Euro für Geschenke aus, was hochgerechnet ein Gesamtvolumen von 14 Milliarden Euro in die Kassen des Einzelhandels spülen wird. Zusätzlich werden zwei Milliarden Euro für Geldgeschenke aufgewendet, von denen ein erklecklicher Teil zeitversetzt im Handel landen dürfte.

Vier von zehn Verbrauchern wollen Bücher unter den Weihnachtsbaum legen. Das zweitbeliebteste Geschenk entstammt der Kategorie "SOS" - Schlips, Oberhemd und Socken: 33 Prozent der Befragten wollen Textilien und Accessoires verschenken. Spielwaren folgen an dritter (33,2 Prozent), Lebensmittel an vierter Stelle (26,2 Prozent). Im Osten Deutschlands planen sogar 38 Prozent, Lebensmittel auf den Gabentisch zu legen.

Quelle: GfK SE
Quelle: GfK SE
Gutscheine (23,7 Prozent), Kosmetik und Parfüm (20,1 Prozent), CDs/DVDs (18,5 Prozent) folgen vor Bargeld (16,4 Prozent), Tickets (13,4 Prozent) sowie Schmuck und Uhren (10,8 Prozent).

Die höchsten Umsätze im Weihnachtsgeschäft dürfte laut GfK der Textilhandel einfahren: 1,74 Milliarden Euro werden für Bekleidung und Accessoires ausgegeben. Im Spielwarenhandel summieren sich die Geschenkausgaben auf 1,57 Milliarden, was 36 Prozent des Gesamtjahresumsatzes in diesem Sortiment entspricht.

Es folgen Gutscheine (1,14 Milliarden Euro), Bücher (1,02 Milliarden Euro) und Unterhaltungselektronik (880 Millionen Euro). Fasst man unter "Consumer Electronic" auch die Kategorien Computer, Handys und Fotografie, so summiert sich das Gesamtvolumen im Weihnachtsgeschäft für diese Branche auf 2,6 bis 2,7 Milliarden Euro.

Jeder Vierte kauft Geschenke auch im Internet

Ein Viertel der Befragten plant zumindest, Geschenke im Internet zu beschaffen. Besonders üblich ist mit 41 Prozent der Onlinekauf von Tickets und Abos. CDs und DVDs stehen an zweiter Stelle (38,3 Prozent), Bücher und Handys folgen mit 34,4 beziehungsweise 32,1 Prozent.

Insgesamt planen 93 Prozent der Deutschen Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Mehr als jeder Zweite (52,1 Prozent) erhält zudem Weihnachtsgeld.

"Das gute Weihnachtsgeschäft und die hohe Anschaffungsneigung der Deutschen gibt Rückenwind für 2011", urteilt GfK-Chef Klaus Wübbenhorst. "Wir sind die Optimisten Europas. Deutschland hat sich vom übrigen Kontinent abgekoppelt".

Mit Rückenwind in das Jahr 2011

Die steigenden Beschäftigungszahlen und das ruhige Preisklima bilden dem GfK-Chef zufolge gute Voraussetzungen für ein Wachstum beim privaten Konsum auch im kommenden Jahr: "Wir rechnen für 2010 mit einem realen Plus von 0,5 Prozent und in 2011 mit einer Eins vor dem Komma". Das habe es in Deutschland zuletzt 2006 gegeben und war damals nur durch Vorzieheffekte aufgrund der Mehrwertsteuer-Erhöhung zu erklären.

Quelle: GfK SE
Quelle: GfK SE
"Die Deutschen sind im europäischen Vergleich üblicherweise immer im unteren Drittel bei der Anschaffungsneigung oder den Konjunkturerwartungen angesiedelt - oder sogar auf den letzten Plätzen. Derzeit herrscht in Deutschland aber ausnahmsweise kein Skeptizismus", so Wübbenhorst.

Selbst die aktuelle Irland-Schuldenkrise oder eine drohende Portugal-Krise können das Weihnachtsgeschäft nicht mehr verhageln, glaubt der GfK-Chef: "Das Weihnachtsgeld wird in diesen Tagen ausgezahlt und dann werden die Geschenke gekauft".

Handelsverband ebenfalls optimistisch

"Wir erwarten ein grandioses Weihnachtsgeschäft", betont auch Stefan Genth, Geschäftsführer im Handelsverband Deutschland (HDE). Die Prognose des Verbands geht von einem Umsatzzuwachs von 2,5 Prozent in den Weihnachtsmonaten November und Dezember aus.

"Die Mehrheit der Unternehmen blickt optimistisch und mit hohen Erwartungen auf das Weihnachtsgeschäft", sagte Genth. Der Einzelhandel macht traditionell ein Fünftel des Jahresumsatzes in den Weihnachtsmonaten.

Die Präsentation der GfK zum Konsumklima im November sowie zur Studie "Weihnachtsgeschäft 2010" finden Sie
Weihnachten im Handel. Foto: Hanno Bender
Weihnachten im Handel. Foto: Hanno Bender