Der deutsche Einzelhandel wird in Zukunft mehr in die Umsetzung von IT-Lösungen investieren. Nach einer Studie des EuroHandelsinstituts (EHI) in Köln sind eine Vielzahl von IT-Projekten für den deutschen Handel kurz- und mittelfristig von hoher Bedeutung.

Der deutsche Einzelhandel wird in Zukunft mehr in die Umsetzung von IT-Lösungen investieren. Nach einer Studie des EuroHandelsinstituts (EHI) in Köln sind eine Vielzahl von IT-Projekten für den deutschen Handel kurz- und mittelfristig von hoher Bedeutung.

Besondere Priorität haben die Einführung von Intra- und Extranets, die Verbesserung der artikelgenauen Datenerfassung- und -analyse auf Filialebene sowie die Verbesserung des Informationsmanagements, Investitionen in das Bestellmanagment und die Effektivitätssteigerung der Lieferkette in den Unternehmenszentralen. Bei der Befragung von 45 stationären Einzelhändlern in Deutschland gaben 35% der Betriebe an, die Implementierung von EDI-Systemen abgeschlossen zu haben, 23% stehen kurz vor der Implementierung und 26% befinden sich in der Testphase. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Betriebe vom Nutzen des elektronischen Datenaustausches überzeugt sind.

Ein anderes Bild ergab sich bei Extranets als Erweiterung des Datenaustausches zwischen Handel und Hersteller: Während immerhin 21% diese Anwendung bereits voll einsetzen, befinden sich 19% in der Testphase, und 30% der Betriebe planen Tests in den nächsten drei Jahren. Die Mehrheit der Unternehmen zögert noch, den Lieferanten Zugang zu den eigenen Abverkaufsdaten zu gestatten. Das Eis beginne aber langsam zu schmelzen.

Bereits 20 Händler arbeiten flächendeckend mit Intranets, 19 befinden sich in der Testphase oder planen, Tests durchzuführen. Dieses Ergebnis zeigt, dass man zumindest innerbetrieblich oder innerhalb eines Unternehmensverbundes in vielen Betrieben das Rationalisierungspotenzial, welches durch die breitangelegte elektronische Bereitstellung von Daten entsteht, erkannt hat. Eine deutliche Polarisierung brachte die Frage nach dem Einsatz der automatischen Disposition hervor: 57% setzen dieses Tool voll ein oder stehen kurz vor einer Implementierung; hingegen werden 12% die Anwendung in den nächsten Jahren überhaupt nicht einführen, 21% stehen noch vor einer Testphase.

Der gezielte Einsatz von Multimedia-Komponenten am Point of Sale wird weiterhin als wichtiges Instrument zur Kundenbindung und -neugewinnung angesehen. Im Handel ist hier jedoch noch eine breitgestreute Skepsis zu erkennen. Mit 78% setzt eine große Mehrheit der Unternehmen solche Systeme noch gar nicht ein, 49% planen allerdings Test in den nächsten drei Jahren. Nur 16% haben die Implementierung abgeschlossen.

Ein hohes Maß an Unsicherheit zeigt auch das Resultat bei der Frage nach der Einrichtung von Online-Shops: Noch 56% der Betriebe befinden sich in der Testphase oder stehen in der Planung. 12% glauben nicht an einen Erfolg mit dem Internet-Handel und planen, in den kommenden drei Jahren keine Shops zu implementieren.

Von den befragten Lebensmittelhändlern gab kein einziges Unternehmen an, die Installation von Selfscanning-Systemen abgeschlossen zu haben. 6% stehen kurz vor einer Implementierung, 28% planen Tests innerhalb der nächsten drei Jahre und 56% werden das Tool nach heutiger Lage in den nächsten Jahren nicht einsetzen. Von etwas höherer Risikobereitschaft zeugen die Resultate bei der elektronischen Regalpreisetikettierung: Vier Food-Betriebe setzten die kleinen LCD-Schilder bereits in vollem Umfang ein, drei befinden sich noch in der Testphase. Die große Mehrheit (50%) der Unternehmen will das Tool innerhalb der nächsten drei Jahre testen.

Auf Filialebene, besonders bei Lebensmittel- und Textilhändlern, wurde dem Projekt Verbesserung der artikelgenauen Datenerfassung und -analyse die höchste Bedeutung beigemessen. Bestandsmanagement und Verbesserung der Mitarbeiterqualifikation folgen auf den nächsten Plätzen. Hier liegt eine relativ einheitliche Bewertung über die Branchen hinweg vor, Spitzenreiter sind beim Bestandsmanagement Lebensmittel- und Drogeriemärkte, bei der Mitarbeiterqualifikation die sonstigen Fachgeschäfte. Eher weniger akut scheinen Investitonen in die Back-Office-Ausstattung der Filialbüros und in den Bereichen Preismanagement und Preisauszeichnung zu sein. Im Bereich der Unternehmenszentralen liegen die Verbesserung des Informationsmangements (43% höchste, 45% hohe Priorität) und die Investitionen in das Bestellmanagement oder die Effektivitätssteigerung der Lieferkette.

Die Implementierung von Online-Shop-Lösungen erachten besonders die sonstigen Fachgeschäfte wie Drogeriemärkte sowie Kauf- und Warenhäuser für wichtig, der Lebensmittel- und Textilhandel agiert jedoch zurückhaltend. Insgesamt zeigt sich, dass eine Vielzahl von IT-Projekten vom deutschen Handel kurz- bis mittelfristig von hoher oder sogar höchster Bedeutung ist. Die aktuelle Studie kann ab 1. August 2000 über das EuroHandelsinstitut bezogen werden.

Das EuroHandelsinstitut ist ideeller Träger der Fachmesse Retail Technology, die vom 7. bis 9. November 2000 in Düsseldorf zum zweiten Mal stattfindet und in Zukunft im Jahresrhythmus veranstaltet werden soll. (AH)


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