Sie sind gierig nach Erfolg mit Firmen im Web. Und sie gehen dabei fragwürdig vor. Eine ZDF-Dokumentation erzählt von der Welt der Samwer-Brüder, und was andere aus der Internetwelt davon halten.

Und dann fließen sogar Tränen. Maren von Holst weint bitterlich in den letzten Stunden ihres  Modeladens in Hamburg. Wie viele andere kleine Textilhändler hat ihr Geschäft "Lüttes und Liebes" keine Chance mehr gegen die Konkurrenz aus dem Internet. Es ist eine rührende Szene, die die Kamera hier einfängt, und sie wirkt wie die bestellte Illustration der These: Zalando ist böse.

Der immer mächtiger werdende Mode-Onlinehändler gehört zur Holding Rocket Internet, und dieses Internet-Imperium wird beherrscht von drei Brüdern, die nicht nur dem stationären Handel das Fürchten lehren: Alexander, Marc und Oliver Samwer. Drei begabte Männer aus gutem Rechtsanwaltshause, die irgendwie nichts Geringeres wollen als: die Welt beherrschen. Wie das funktioniert erzählt das ZDF-Magazin "Frontal 21" in der Dokumentation "Die große Samwer-Show - Die Milliardengeschäfte der Zalando-Boys", an diesem Dienstag ab 21 Uhr.

Von Luxemburg bis Delaware

Das Timing der Story, sozusagen als gedruckte Version in der aktuellen Ausgabe der "Wirtschaftswoche" nachzulesen, ist perfekt: Zalando drängt an die Börse. Wohl deswegen gibt Samwer-Mastermind Oliver auch sein erstes TV-Interview, wohl auch deswegen lädt Zalando für diesen Donnerstag Journalisten an den Firmensitz nach Berlin, um das Management zu treffen. Es ist Zeit, in der Öffentlichkeit etwas für sich trommeln.

Und die Samwers müssen gut trommeln, denn die ZDF-Doku lässt nicht viel Gutes an den drei Brüdern. Da nimmt sich das Schicksal der kleinen Hamburger Modehändlerin noch bescheiden aus. Bemerkenswerter ist das Firmen-Konglomerat von Rocket Internet, mit Ablegern in Luxemburg und dem US-Bundesstaat Delaware, einem Steuerparadies.

Es geht auch um die gewaltigen Verluste, die Unternehmen von Rocket Internet schreiben, wie etwa der Möbelversender Home24. Es geht um das Einstreichen von üppigen Steuergeldern. Es geht um Gutscheine an Blogger, damit diese sich wohlgefällig gegenüber Zalando zeigen. Es geht um Merkwürdigkeiten bei den Bilanzen. Und es geht um das Geschäftsprinzip der Samwers, das offenkundig vor allem daraus besteht, erfolgreiche Konzepte im Web einfach nur zu kopieren.

Mehr Ideen als Menschen

Die Autoren der Doku, Birte Meier und Christian Esser, haben hübsche Zitate zusammengetragen, die den weltweit schlechten Ruf der "drei glorreichen Halunken" ("Wirtschaftswoche") belegen sollen. So wettert etwa der US-amerikanische Unternehmer und Blogger Jason Calacanis: "Deutschland bekommt durch die Samwers einen schlechten Ruf." Denn durch den permanenten Ideenklau der Brüder glaube man in den USA, dass die Deutschen keine originellen Denker mehr wären. Und die amerikanische Journalistin Kim-Mai Cutler versichert, dass die Samwers in der innovativen Hightech-Welt des kalifornischen Silicon Valley "nicht den besten Ruf haben".

Und was sagt Oliver Samwer dazu? Viel, und doch wenig. "Es gibt auf der Welt mehr Ideen als Menschen", antwortet er etwa auf die Frage des Kopierens erfolgreicher Geschäftsmodelle. Vielem weicht er wortreich aus, gelegentlich wird er gar verwegen. Etwa, wenn er sich als ehrbarer, deutscher Mittelständler versteht. "Wir sind das Schrauben Würth vom Internet." Was aus Samwer vor allem spricht ist schier grenzenlose Gier nach Größe und Erfolg. 150.000 Beschäftigte weltweit wolle er eines Tages haben.

Bleibt nur noch eine Frage: Wie verdient die Händlerin Maren von Holst heute ihr Geld?