Die deutsche Konjunktur brummt - weil die Menschen unvermindert freudig einkaufen. Auch die Flüchtlinge sind ein Gewinn für die Wirtschaft, sagen Ökonomen. Nur die fehlende Investitionsbereitschaft der Unternehmen bereitet Sorgen.

Noch kommt die deutsche Wirtschaft trotz des eisigen Gegenwindes aus den schwächelnden Schwellenländern voran. Allerdings nur dank kauflustiger Verbraucher und steigender Konsumausgaben des Staates. Doch die Industrie läuft nicht rund - und der üblicherweise starke Außenhandel bremst das Wachstum sogar.

Dabei steuern Deutschlands Exporteure auf ein Rekordjahr zu. Doch die Einfuhren steigen noch schneller, so dass sich der Außenhandel unter dem Strich negativ auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auswirkt. "Der starke Konsum saugt die Importe förmlich an", erklärt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank.

Im Prinzip mehr Kaufkraft bei den Konsumenten

Insgesamt hat sich der Aufschwung damit etwas verlangsamt, das Wachstum steht zunehmend auf wackeligen Füßen. Treiber seien vor allem Verbraucher, schreibt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer: "Die Beschäftigung steigt, der gefallene Ölpreis hat die Inflation nahe an die Nullgrenze gedrückt, so dass die mit drei Prozent ordentlich steigenden Löhne fast eins zu eins die reale Kaufkraft erhöhen."

Dass der Konsum Stütze der deutschen Konjunktur ist, hatte zuletzt auch Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), betont. Entsprechend optimistisch fällt die HDE-Prognose für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft und die Jahresbilanz für den Handel insgesamt aus.

Auch der Staat konsumiert mehr

Auch der Staat hat einen Anteil am bescheidenen Aufschwung. "Die staatlichen Konsumausgaben stiegen, hierin könnten sich bereits höhere Kosten für die Unterbringung der Flüchtlinge niederschlagen", vermutet Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank Gruppe.

2016 dürfte sich diese Entwicklung verstärken, glaubt Schmieding: "Im nächsten Jahr könnten diese staatlichen Sonderausgaben das BIP um bis zu 0,6 Prozentpunkte erhöhen." Ob dies tatsächlich so sein wird, ist umstritten. Der Sachverständigenrat schätzt die Konjunkturimpulse durch Flüchtlinge - etwa durch mehr Nachfrage und Wohnungsbau - als eher gering ein. Das zusätzliche BIP-Plus wird nach Prognose der Wirtschaftsweisen weniger als 0,1 Prozentpunkte betragen.

So oder so: "Es gibt jede Menge Jobs und steigende Löhne. Auch die Flüchtlinge erhöhen den Konsum. Die Verbraucher-Story geht 2016 weiter", ist Ökonom Andreas Rees von der Unicredit überzeugt.

Aber was passiert in China?

Das wird auch bitter nötig sein. Denn ein Ende der Investitionsflaute ist nicht in Sicht. "Stiefmütterlich gehen derzeit die Unternehmen mit Investitionen um", kommentiert VP-Ökonom Gitzel. "Die globalen Unsicherheiten sind groß. Viele Unternehmen blicken mit Sorge nach China und stellen sicherheitshalber Investitionen zurück."

Deutsche-Bank-Volkswirte stellen eine auffällige Zurückhaltung der Industrie bei Investitionen in Deutschland fest - obwohl viele Mittelständler im Geld schwimmen und Bankkredite derzeit günstig sind. Sie warnen: "Gerade für den Hochlohnstandort Deutschland wären jene Investitionen in den heimischen Kapitalstock notwendig, die dazu beitragen, die Produktivität der Unternehmen dauerhaft zu steigern."

Deutschlands Maschinenbau, eine der Schlüsselbranchen, bremst die Flaute im wichtigen Absatzmarkt China bereits spürbar. Nach jüngsten Zahlen des Branchenverbandes VDMA lagen die Aufträge aus dem Ausland im September um 18 Prozent unter Vorjahr. Chinas Schwäche strahle auf andere Regionen aus, erklärte VDMA-Chefökonom Ralph Wiechers. Nach zwei Jahrzehnten zweistelliger Steigerungsraten wächst Chinas Wirtschaft langsamer. Peking erwartet in diesem Jahr "rund 7 Prozent" Wachstum - so wenig wie seit 24 Jahren nicht mehr.

...und in Russland?

Commerzbank-Experte Krämer warnt: "Höhere Leitzinsen in den USA sowie die massiv gestiegene Verschuldung vieler Schwellenländer-Unternehmen vor allem in China sind ein schwer verdaulicher Cocktail." Denn China ist nicht das einzige Sorgenkind. Auch die Geschäfte etwa in Russland oder Brasilien schwächeln. "Im nächsten Jahr ist nicht mit einer raschen Erholung zu rechnen", schreibt die Deutsche Bank.

Immerhin die Binnenkonjunktur floriert - auch dank des Sondereffekts
Flüchtlinge: Unterbringung, Versorgung und Betreuung kosten viel Geld, sorgen aber auch für positive Impulse. "Kurzfristig werden von der aktuellen Situation eine Reihe von mittelständisch geprägten Branchen profitieren, insbesondere der Einzelhandel, das Gastgewerbe und das Bauhandwerk", sagt Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon.
"Wenn es uns gelingt, die Flüchtlinge schnell und gut in unsere Gesellschaft zu integrieren, wird das auch aus wirtschaftlicher Sicht positiv für die Entwicklung unseres Landes sein."