Nach langem juristischen Streit beginnt nun der Ausbau des Main-Tanus-Zentrums vor den Toren von Frankfurt. Die Konkurrenz für das älteste deutsche Center wächst beständig.

"Ich habe jetzt noch Narben von den Bissen der Nachbargemeinden", scherzt Berthold R. Gall, Landrat des Main-Taunus-Kreises. "Die sind noch nicht verheilt". Gegen den am heutigen Donnerstag gestarteten Ausbau des Main-Taunus-Zentrums (MTZ) gab es erhebliche Widerstände.

Die Stadt Frankfurt am Main klagte durch zwei Instanzen gegen die von Gall bewilligte Baugenehmigung der Gemeinde Sulzbach mit der das Einkaufszentrum von 72.000 auf 91.000 Quadratmeter Verkaufsfläche ausgebaut werden darf. Das MTZ liegt rund zehn Autominuten von der Bankenmetropole entfernt, verkehrsgünstig an der Autobahn nach Wiesbaden (A 66).

Vier Jahre vom Plan zu Genehmigung

Die ersten Gespräche zur Erweiterung wurden im Jahr 2005 geführt. "Den ersten positiven Bescheid zu unserer Bauvoranfrage erhielten wir 2006", erinnert sich Jules-Edouard Jeannot, der beim Shoppingcenterspezialisten ECE für die Objektentwicklung in der Region zuständig. Dann folgte der Rechtstreit mit vielen Verhandlungsrunden. Jeannot: "Den endgültigen Bauantrag stellten wir dann 2008, die Genehmigung erfolgte im August 2009."

Wenige Wochen später stand die Finanzierung durch die ECE-Partner Deutsche EuroShop und Deutsche Bank. Rund 71 Millionen Euro investieren die langjährigen Finanzierer des Hamburger Projektentwicklers in die Erweiterung, des bereits 1964 eröffneten Centers.

Konsequente Entwicklung seit 45 Jahren

"Wir freuen uns über das Vertrauen in den Standort", sagte Horst Schmittdiel, Bürgermeister der Gemeinde Sulzbach auf der Pressekonferenz zum ersten Spatenstich am heutigen Donnerstag. "Seit 45 Jahren wird das Center konsequent weiterentwickelt. Und es ist wichtig, dass es zeitgemäß angepasst wird, um im Wettbewerb um die Kunden nicht zurückzufallen."

Zu den 100 bestehenden Shops werden bis November 2011 weitere 70 Geschäfte und rund 500 Parkplätze hinzukommen. "Kleinteilige Flächen, mehr Vielfalt im Angebot und ein erweitertes Gastronomieangebot sind geplant", erläuterte Matthias Borutta, Centermanager des MTZ. Mit einer durchschnittlichen Landefläche von 750 Quadratmeter gilt das Center als großflächenlastig. Im Durchschnitt haben die Shops in den derzeit 114 ECE-Objekten eine Größe von 300 Quadratmeter.

Zu den größten Shops der Norderweiterung werden zwei Textilanbieter gehören (2.500 und 1.200 Quadratmeter) ein Buchladen (1.500 Quadratmeter) sowie ein Elektronikgeschäft (700 Quadratmeter). Namen von Mietern nannte Borutta nicht. Der Textilbereich soll insgesamt 45 Prozent der 12.000 zusätzlichen Quadratmeter umfassen, Schuhe weiter 12 Prozent, Gastronomie 8 Prozent und 24 Prozent sogenannte Hardware - also Bücher und ähnliches.

Logistische Herausforderung, wachsende Konkurrenz

Zuvor ist allerdings eine logistische Meisterleistung zu vollbringen, um das Center im laufenden Betrieb auszubauen. In der ersten Phase soll ein zweites Parkhaus entstehen, bevor die eigentliche Norderweiterung beginnt und im dritten und letzten Schritt die Anpassung der Bestandsflächen an den Neubau erfolgt.

Mit mehr Vielfalt und Gastronomie will das MTZ attraktiver werden. (Bild: ECE)
Mit mehr Vielfalt und Gastronomie will das MTZ attraktiver werden. (Bild: ECE)
Durch die in diesem Jahr eröffneten Center "MyZeil", in der Frankfurter Innenstadt, und "Loop 5", in Weiterstadt bei Darmstadt sowie den Ausbau des Nordwest-Zentrums am Rande von Frankfurt hat das älteste deutsche Einkaufszentrum zahlreiche Konkurrenten bekommen.

Dennoch verspricht sich der Mit-Investor Deutsche EuroShop viel von der Erweiterung des MTZ: "Wir haben große Erwartungen an die Rendite und sind auch überzeugt, dass diese erfüllt werden", sagt Patrik Kiss, Head of Investor Relations der Deutsche EuroShop. Das börsennotierte Unternehmen hält Beteiligungen an 16 Shopping-Centern in Deutschland, größter Aktionär ist mit rund 18 Prozent die Otto-Familie, der auch die ECE Projektentwicklungs GmBH gehört.

Umsatzplus - trotz "Loop5"

Das Anfang Oktober 2009 eröffnete Center "Loop5" sieht Matthias Borutta nicht als unmittelbaren Wettbewerber an. "Am Eröffnungstag des Loop5 hatten wir 10 Prozent mehr Besucher, am Samstag darauf 12 Prozent", berichtet der Centermanager. Die Mieter hätten das Center bislang nicht gespürt. Der Frankfurter Süden sei hier stärker betroffen.

Im Umkreis von 45 Autominuten um das MTZ leben rund 2,3 Millionen Menschen. Die ECE übernahm das Management im Jahr 1998 und baute das Center in den Jahren 2000, 2003 und 2004 aus.

Eine Bildergalerie zum ersten Spatenstich der Norderweiterung finden Sie hier.