Laut der aktuellen ARD-/ZDF-Onlinestudie surfen inzwischen 55 Prozent der deutschen Online-Nutzer mobil. „Die Internetnutzung hat sich so stark und schnell verändert, dass bei den Onlinern die Erinnerung daran verblasst, wo sie bis vor kurzem das Internet nutzten: Nämlich zu Hause oder am Arbeitsplatz“, heißt es dazu in der Studie. Das hat auch Auswirkungen auf den E-Commerce. Welche Trends werden die Entwicklung 2016 bestimmen? Wir schauen in unsere mobile Glaskugel.

 

Instant Shopping mit Facebook und Co:

Mit Buy Buttons versuchen Plattformen wie Instagram, Twitter, Facebook, Pinterest und Google den mobilen Nutzer zum Shopping-Kunden zu machen. Auf Dauer verschwindet da die Händlermarke. Über die In-App-Plattform Canvas können Marken und Händler nun ihre Produkte beim Klick auf die Anzeige direkt in der Facebook-App zeigen. Nutzer können zwar noch auf die Shop-Seite wechseln, doch ebenso über die Shop-Seite bei Facebook einkaufen. Weil die vermutlich schneller lädt, wird das klassische Schaufenster auf Dauer ins Hintertreffen geraten.

Der App-Kosmos:

Zalando will neue mobile Apps eher frei und unabhängig von den bisherigen Zalando-Systemen und Strukturen entwickeln. Ein Fingerzeig für eine atomisierte Welt an Shopping-Apps, in der nicht mehr nur die große Marken-App den mobilen Kosmos beherrscht, sondern zig Satelliten passend zur Nutzungssituation, zum

Verwendungsanlass und zur Zielgruppe den Kunden umkreisen. Eine folgerichtiger Schritt, weil Smartphones immer mehr zur "Fernbedienung des Lebens" (Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb Research Centers der Hochschule Niederrhein) werden. Schon die Otto-Tochter Collins setzte bei "About you" auf maßgeschneiderte eigenständige Apps (Outfit-Planer, You & Idol), die für neue Zugänge in den Shop sorgen. Auch Adidas hat die Fitness-App  Runtastic ja nicht gekauft, um nur ein paar neue Jogging-Strecken kennenzulernen.

Mobile Basics

Eine gute mobile Usability sorgt für mehr Liebe durch Google. Allein diese Tatsache zeigt schon die wachsende Bedeutung von Mobile an.  Wer sich da weiter mit einem einigermaßen Handy-freundlichen Auftritt zufrieden gibt, der wird 2016 merken, dass er nicht nur bei Google, sondern auch beim Kunden schnell aus dem Rennen ist. Die Markenerfahrung beginnt künftig nämlich mobil. Und dabei geht es nicht nur um das Markenerlebnis und Funktionalität, sondern auch um Inspiration und die Komplexitätsreduktion. Die Grenze zwischen guten und erfolglosen mobilen Auftritten erfolgt 2016 nicht mehr entlang der Debatte um Responsive Design. Sie entscheidet sich an der Lösung der Vernetzung und Konnektivität zwischen Mobile, Webshop und Store, an der Integration aller Datenpunkte und der damit einhergehenden Personalisierung. Kontextuelle Technologien, Mikro-Location-Based–Services, Beacon und Co werden dabei 2016 bei den Gewinnern im stationären Handel auf der Haben-Seite stehen.

"We are no longer in a mobile first world, we are in a mobile only world.” Larry Page, Google


Selfie Payment

Mobile Payment für 2016 zum großen Trend zu erklären, ist vielleicht noch ein bisschen optimistisch. Aber man wird ja noch träumen dürfen. Kein Traum bleibt das Selfie-Payment. Der Kreditkarten-Anbieter Mastercard testet derzeit das Authentifizierung-System in einem Pilotprogramm. Roll-out in den USA ist im kommenden Jahr. Der Rest der Welt folgt 2017. Dass man da auch den Daumen nehmen könnte, meinen auch nur ältere Herren wie meiner einer. Die Identifizierung per Foto dürfte die Selfie-Generation viel cooler finden. So könnte am Ende doch ein wenig Spaß ins bislang dröge mobile Bezahlen kommen. Starbucks, PayPal und Alibaba arbeiten an ähnlichen Lösungen. Meine Wette: In Europa wird Mobile Payment 2018 ein ernsthaftes Thema für den Kunden - auch wenn der jetzt schon sagt "Bargeld nervt ...".

The Internet of Things

Auch wenn wir gerade mit Fitness-Armbändern, der Apple-Watch und dem Amazon Dash Button die ersten Frühlingsboten der Wearables und des Internet der Dinge erleben, bleiben die Geräte für den Handel weitestgehend noch eine Aufgabe für die Zukunftsabteilung. Leider. Denn die Big Player werden dieses Feld jetzt besetzen und haben damit an einer Stelle der Customer Journey wieder einmal die Nase vorn. Und sammeln dabei Daten, mit denen sie ihre Marktmacht weiter ausbauen können.