Nach dem Start des Karstadt-Insolvenzverfahrens will Ver.di Klarheit über die Zukunft des Warenhausunternehmens. Die Gewerkschaft kritisiert zudem Pläne des Insolvenzverwalters.

Über die Pläne des Insolvenzverwalters für die Zukunft von Karstadt kann Margret Mönig-Raane derzeit nur spekulieren: "Wir wissen bislang weder etwas über einen Insolvenzplan noch über potenzielle Investoren", empört sich die Vize-Chefin der Gewerkschaft Ver.di, zuständig für den Fachbereich Handel.

Am meisten ärgert sie sich darüber, dass Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bereits Zugeständnisse seitens der Mitarbeiter verlangt - ohne den Menschen Perspektiven aufzuzeigen. So habe Görg den Abschluss eines Haustarifvertrags gefordert, der rund zwanzig Prozent unter den entsprechenden Tarifverträgen der Handelsbranche liege.

Problematischer Sanierungsvertrag

Görg forderte zudem die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Nacht- und Feiertagszuschlägen. "Die Beschäftigten sollen zahlen, ohne dass sie etwas über ihre Zukunft wissen. Das wäre eher eine Spende als ein Sanierungsbeitrag", schimpft Mönig-Raane.

Auch die geforderte Fortsetzung des Sanierungsvertrags, der laut Ver.di den Mitarbeitern seit 2004 einen dreistelligen Millionenbeitrag abverlangte, findet die Gewerkschafterin problematisch. "Ein solcher Vertrag steht nur Unternehmen zu, die einen soliden Geschäftsplan haben und tarifgebunden sind", betont die Ver.di-Vizechefin. Beides treffe für Karstadt nicht zu. Seit Anfang der Arcandor-Insolvenz sind die Tochtergesellschaften Karstadt und Primondo aus dem Arbeitgeberverband ausgestiegen.

Klarheit vor der Weihnachtssaison

Mönig-Raane will vor der Weihnachtssaison, in der ein Drittel der Karstadt-Umsätze erwirtschaftet wird, Klarheit über den Kurs des Unternehmens haben. Voraussichtlich im November wird die Arcandor-Gläubigerversammlung tagen.

Bis dahin müsste auch klar sein, wie viele der 91 Karstadt-Filialen bestehen bleiben. Bislang wird über die Schließung von 19 Häusern spekuliert.

Für die Gewerkschafterin, die auch im Arcandor-Aufsichtsrat saß, wäre es besser, wenn es in Zukunft weiterhin zwei Warenhauskonzerne in Deutschland gäbe. Ein langfristig orientierter Finanzinvestor sei für Karstadt eine bessere Lösung als eine mögliche Übernahme durch die Metro AG, betonte sie.

"Keine Verteidigung von Middelhoff"

Im Gespräch mit Der Handel wies Mönig-Raane die Behauptung zurück, sie habe den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff in der Öffentlichkeit verteidigt: "Ich habe lediglich gesagt, dass nicht alles, was er getan hat, schlecht war". Sie sehe seine Rolle jedoch auch kritisch.

So habe Middelhoff den Aufsichtsrat ungenügend über die Details den Verkauf der Karstadt-Immobilien unterrichtet. "Er sicherte uns zu, dass die Mieten stabil bleiben würden. Dass die Kosten für Instandhaltung auf die Mieter übergehen würden, davon wussten wir nichts."