Erst Zalando, dann Rocket Internet. Zwei aufsehenerregende Börsengänge stehen bevor. Es geht um viel Geld, kritische Geschäftsmodelle - und drei besondere Brüder.

Die neue Börsenwoche steht in Deutschland ganz im Zeichen des Internets: Erst geht am Mittwoch (1. Oktober) der Modehändler Zalando aufs Parkett, nur einen Tag später folgt die Startup-Schmiede Rocket Internet. Es geht - zumindest für deutsche Verhältnisse - um viel Geld. Zalando dürfte die Aktienplatzierung über 600 Millionen Euro einbringen und Rocket gut 1,6 Milliarden Euro. Es geht nur um die Ausgabe neuer Aktien, die Alteigentümer wollen zunächst nicht Kasse mit dem Verkauf eigener Anteile machen.

Schon zum Ausgabepreis wäre Zalando bis zu 5,6 Milliarden Euro wert, und Rocket Internet bringt bis zu 6,7 Milliarden Euro. Der Handelskonzern Metro mit seinen Warenhäusern (Kaufhof), Großhandels-Zentren und Elektronikmärkten liegt nicht weit davon entfernt bei einer Marktkapitalisierung von 8,5 Milliarden Euro.

Der Anteil der Samwers sinkt...

Zudem zementieren die beiden Börsengänge die Ausnahmestellung der Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer als Schwergewichte im deutschen Internet-Geschäft. Sie lassen zwar ihre Anteile an den beiden Unternehmen durch die Ausgabe neuer Aktien verwässern. Bei Rocket Internet wird das den Verlust der Samwer-Mehrheit bedeuten:

Ihr Anteil sinkt von gut 52 auf 39,78 Prozent. Auch diese Beteiligung wäre schon am oberen Ende der Preisspanne über 2,66 Milliarden Dollar wert, während spätere Kurssteigerungen angesichts der hohen Nachfrage nach dem wahrscheinlich scheinen.

...aber das ist den Brüdern egal

Mitgründer und Chef Oliver Samwer zeigte sich aber zuletzt überzeugt, dass auch der Anteil knapp unter 40 Prozent ausreichen werde, um großen Einfluss auf das Unternehmen zu behalten. Sonderaktien mit besonders hohen Stimmrechten, zu denen etwa Facebook und Google griffen, um den Einfluss der Gründer zu schützen, soll es nicht geben: "Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, Sonderrechte in irgend einer Form zu schaffen, um eine De-Facto-Kontrolle auszuüben."

Bei Zalando dürften die Samwer-Brüder nach dem Börsengang noch auf 14,81 Prozent kommen, das wären am oberen Ende der Preisspanne rund 830 Millionen Euro.

Das Problem der kostenlosen Retouren

Die Milliarden-Zahlen lenkten in den vergangenen Tagen von den Geschäftsdetails ab, die beide Unternehmen im Zuge des Börsengangs veröffentlicht hatte. Sie sind keine Geldmaschinen. Zalando arbeitete sich nach hohen Anlaufverlusten gerade erst in die schwarzen Zahlen vor, zuletzt gab es im zweiten Quartal einen Gewinn von 29 Millionen Euro.

Seit Bekanntwerden der Börsenpläne diskutieren Experten darüber, ob Zalando auch unter dem Augenmerk der Investoren an seinem Geschäftsmodell mit uneingeschränkten kostenlosen Retouren festhalten kann. Am Umsatz gemessen liegt die Rücksende-Quote bei 50 Prozent der bestellten Artikel. Die Zalando-Manager betonen aber, ohne die lockere Retouren-Politik funktioniere das Geschäft schlechter.

Zalando hat sich im lukrativen Modegeschäft mit einem Stamm von 14 Millionen Kunden etabliert. Bei Rocket Internet sind die Chancen, aber auch die Risiken größer. Unter dem Dach der Berliner Firma sind aktuell rund 50 junge Internetunternehmen aktiv. Darunter sind auch einige internationale Zalando-Kopien etwa in Asien oder in Südamerika. Zugleich offenbarten die ausführlichen Rocket-Zahlen, dass selbst die 20 größten Startups noch rote Zahlen schreiben.