Wie genau funktioniert der Faire Handel? Um das herauszufinden, besuchte Der Handel Kleinbauern in Ecuador.

Wer im Süden Ecuadors unterwegs ist, sieht oft nichts anderes als Bananenplantagen, kilometerweit. Dazwischen ärmliche Dörfer, am Straßenrand wird selbst gebrannter Schnaps oder die lokale Spezialität schlechthin, gegrilltes Meerschweinchen am Spieß, verkauft.

Ecuador ist der weltweit größte Exporteur der krummen Frucht, und die schmucklose Küstenstadt Machala beherbergt den wichtigsten Hafen für die Verschiffung von Bananen, wo riesige Kühlschiffe auf die empfindliche Fracht warten. Kein Mensch isst hier Bananen.

Foto-Reportage: Der Weg der Fairtrade-Banane von Ecuador nach Deutschland.

In der Nähe von Machala arbeiten Augusto Jaen, Isabel Varezueta und Abel Ugarte in Bananenplantagen. Sie sind drei unter Tausenden von Kleinbauern und Arbeitern in Entwicklungsländern, die von der wachsenden Popularität des Fairen Handels im fernen Europa profitieren.

Nüchtern gesehen sind sie unbedeutende Figuren in einem weltweiten Markt, in dem raue Sitten herrschen und die Dominanz von multinationalen Bananenkonzernen wie geradezu erdrückend ist. Doch es tut sich Erstaunliches in Südecuador, seitdem sich immer mehr lokale Erzeugerkooperativen dem Fairen Handel anschließen.

Der Vorarbeiter

Foto: Marcelo Crescenti
Foto: Marcelo Crescenti
Augusto Jaen ist Vorarbeiter auf der Finca San Vicente, einer Farm mit rund zehn Hektar Bananen. Während er erzählt, lehnt sich Jaen an der leeren Packstation an, auf der die Bananen gewaschen, sortiert und verpackt werden. An diesem Dienstag ist hier alles verwaist, man hört den Wind durch die Bäume rauschen. Geerntet wird immer erst Ende der Woche.

„Ich habe fünf Kinder, und alle sind in der Schule. Das ist nicht unbedingt normal hier in der Gegend. Durch den Fairen Handel bekommen wir als Ermutigung für den Schulbesuch einen Bonus für jedes Kind, das die Schulbank drückt."

„Was sich mit dem Fairen Handel sonst noch alles geändert hat? Vieles. Früher wussten wir gar nicht, was das Wort Sozialversicherung bedeutet, jetzt schon. Wir bekommen einen Karton mit Lebensmitteln jeden Monat und haben Zugang zur medizinischen Versorgung, das wird durch die Fairtrade-Prämie finanziert. Die Besitzerin wird fair bezahlt, und sie muss uns wiederum auch fair bezahlen. So funktioniert das Ganze."

Die Kleingrundbesitzerin

Isabel Varezueta treffen wir in der Stadt Machala, im Büro der Bauernkooperative Apao. Die Kooperativen entscheiden hier basisdemokratisch, wie die Fairtrade-Prämie eingesetzt wird.

Diese Prämie wird zusätzlich zum stabilen Faitrade-Preis bezahlt und fließt in soziale Projekte. Varezueta, klein und dynamisch, holt gerade ein Lebensmittelpaket ab. Mit zwei Hektar Grund gehört sie zu den allerkleinsten Erzeugern der Gegend.

„Wir haben uns 2006 der Kooperative angeschlossen und bekommen seitdem den Fairtrade-Preis. Ich musste mein Vater, der eigentliche Besitzer unserer Farm, mühsam zu diesem Schritt überreden, der Alte war sehr skeptisch."

„Natürlich packe ich in der Plantage mit an, wir müssen alle arbeiten. Früher haben wir an Noboa verkauft (Alvaro Noboa, ein lokaler Bananenmogul, Red.), ich kann mich noch gut daran erinnern. Da wurde nicht viel bezahlt, und wenn man über die Preise protestiert hat, wurde man gleich von der Liste der Lieferanten gestrichen.

Es gab Zeiten, da war der Karton für die Bananen mehr wert als das, was wir für die Früchte bekommen haben. Da haben wir das Obst am Baum verfallen lassen. Das Wichtigste am Fairtrade sind die stabilen Preise. Man weiß, was man hat, kann planen und investieren. Das ist das Wichtigste."

Die Kooperative Apao hat gerade mit einem Importeur zu tun, der den Mindestpreis für Fairtrade-Bananen unterschritten hat. Sie hat protestiert und strebt eine Klage bei FLO-Cert an, der Organisation, die weltweit die Fairtrade-Standards prüft und auch zwischen Bauern und Exporteuren vermittelt. Nun droht der Exporteur, vom Fairen Handel ausgeschlossen zu werden.

Der Bio-Bauer

Abel Ugartes Haus grenzt unmittelbar an die Bananenplantage, die er mit seiner Mutter und seinen zwei Brüdern teilt. Hühner gackern, Kinderlärm ist zu hören. Früher wurden die wenigen Hektar, die er mit Bananen bepflanzt hat, aus der Luft mit Pestiziden besprüht. Das Flugzeug hat nicht nur Bäume, sondern auch Mensch und Vieh beregnet. Jetzt baut er Biobananen an.

„Seit vier Jahren haben wir auf Bio umgestellt. Warum? Schauen Sie sich doch einfach unser Haus an! Es ist mitten in der Plantage. Der Umstieg war nur möglich, weil wir von der Kooperative El Guabo und durch die Fairtrade-Prämie unterstützt wurden. Das war eine sehr harte Zeit. Die Produktion ging zunächst in den Keller - 70 Prozent Einbußen!

Man darf ja nicht mehr düngen und sprühen wie vorher, die Kosten verdoppeln sich. Die Bioanforderungen sind hart, ich würde es aber auf jeden Fall wieder tun. Die Biobananen bringen mehr Geld, und abgesehen davon - man hört wieder die Vögel singen, die Kleintiere sind zurück. Ich habe zwei Kinder, ich muss auch an ihre Zukunft denken."

„Man muss genau überlegen, bevor man sich dem Fairen Handel anschließt. Man muss bereit sein, gnadenlos ehrlich zu sein, denn alles ist total transparent. Die können hier jederzeit alles überprüfen, ich muss alle Quittungen sorgfältig aufbewahren. Es ist eine gute Sache."

Beim Abschied lächelt Ugarte: „Sagen Sie den Leuten in Deutschland, sie sollen mehr Fairtrade-Bananen essen! Sagen Sie das!"