Eine neue Studie zeigt: Die Wirtschaftslage bereitet den Deutschen Sorge, doch sie reagieren weiter besonnen auf die Krise.

Das Leben ist gefährlich. Risiken und Gefahren lauern überall. Und die Deutschen bestätigen das (Vor-)Urteil, besonders ängstlich zu sein. Dies belegt jedenfalls die Studie „Die Ängste der Deutschen", die nun schon seit 19 Jahren von der R+V Versicherung vorgelegt wird.

Die Langzeitstudie ist aber auch ein Seismograph für die Stimmung im Land. Diesmal beantworteten 2.365 Deutsche ab 14 Jahren in persönlichen Interviews die Fragen nach ihren 16 größten Ängsten.

Keine Panik trotz Ängste

Die Sorgen um die Wirtschaftslage, die Angst vor steigender Arbeitslosigkeit und einer Geldentwertung bestimmen derzeit die Gemütslage der Deutschen. Die Furcht vor Terroristen taucht trotz permanenter Warnungen erst im Mittelfeld der Angstskala auf, und die Sorge vor Kriminalität - Platz 15 - treibt nur jeden vierten Deutschen um.

Doch trotz der Wirtschaftskrise reagieren die angeblich so ängstlichen Deutschen nicht panisch, sondern besonnen. Dies zeigte sich schon beim Ausbruch der Finanzkrise. Als im September 2008 in den USA die Lehman-Bank zusammenbrach und den Finanztsunami auslöste, stürmten anders als in der Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren die Kunden nicht die Banken, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen.

Der Heidelberger Politologe Manfred G. Schmidt, der zusammen mit der R+V Versicherung die Studie präsentierte, spricht von einem „Wunder". Trotz des Absturzes der Wirtschaft herrsche Ruhe im Land.

Sozialer Frieden als Sicherheitspolster

Drei Faktoren dämpften die Angst, erklärt Schmidt: Das Krisenmanagement der großen Koalition wirke wie eine Beruhigungspille, sozialstaatliche Programme wie Kurzarbeit und höhere Renten stabilisierten die Lage.

Schließlich wirkten der nach wie vor hohe Wohlstand und der soziale Frieden wie ein Sicherheitspolster. Auch die Medien hätten ihren Anteil. Anders als in der vergangenen Weltwirtschaftskrise schürten sie nicht die Krisenängste.

Auffallend in der Studie ist bei manchen Fragen die Diskrepanz zwischen dem Urteil über die allgemeine Lage und über die persönlichen Befürchtungen. Fast jeder zweite hat Angst, arbeitslos zu werden. Wenn es aber um die allgemeine Lage geht, fürchten zwei von drei Deutschen eine höhere Arbeitslosigkeit.