Der Einzelhandel zieht nach dem ersten Adventswochenende eine positive Bilanz. Händler berichten von Kundenandrang und guten Umsätzen.

"Unsere Erwartungen haben sich erfüllt", sagte der Geschäftsführer des Landesverbands des Bayerischen Einzelhandels, Bernd Ohlmann. Es habe einen großen Ansturm auf die Geschäfte gegeben. "Der erste Adventssamstag hat uns viel Freude bereitet. "Wir merken: Die Deutschen haben genug vom Gejammer, und man gönnt sich und den Liebsten etwas zu Weihnachten."

HDE ist zufrieden

Auch außerhalb Bayerns zieht die Branche eine positive Bilanz nach dem ersten Adventwochende. "Fast alle der von uns befragten Betriebe konnten im Vergleich zum ersten Adventssamstag des letzten Jahres einen stärkeren Kundenandrang und bessere Umsätze verzeichnen. Das sehr gute Wetter hat geholfen, dass in den Einkaufsstraßen, aber auch auf den Weihnachtsmärkten gute Stimmung herrschte", sagte der Hauptgeschäftsführer des Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverbands, Peter Achten.

Was für Bayern und Nordrhein-Westfalen gilt, gilt offenbar auch für die ganze Republik. Die Kunden hätten sich in guter Kauflaune präsentiert und für einen gelungenen Start ins Weihnachtsgeschäft gesorgt, teilte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Sonntag mit. Damit bestätige sich die Prognose, dass die Umsätze etwa ein Prozent über dem Vorjahresniveau liegen könnten, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Damit würden Kaufhäuser und Supermärkte, Fach- und Versandhandel im November und Dezember dieses Jahres 74,7 Milliarden Euro umsetzen.

Auch einzelne Händler bestätigen bereits das positive Bild: "Wir registrieren derzeit deutlich zunehmende Kundenfrequenzen, sowohl in den Parfümerien als auch in den Thalia-Buchhandlungen und den Christ-Schmuckläden", sagte Douglas-Chef Henning Kreke der Anlegerzeitung Euro am Sonntag.

Auch mit dem November zufrieden

Die Händler seien nicht nur mit dem ersten Adventswochenende, sondern auch mit der letzten Novemberwoche zufrieden, bekräftigte Pellengahr. Erfreulich laufe das Geschäft besonders in den Kauf- und Warenhäusern, Möbel- und Einrichtungsgeschäften sowie in Elektronikmärkten und Haushaltswarenläden. Neben weihnachtlicher Dekoration wurden vor allem Schmuck, Uhren, Spielzeug, Strickwaren, Flachbildschirme und Navigations-Handys gekauft.

Reale Umsatzeinbußen in den ersten zehn Monaten

Der deutsche Einzelhandel benötigt ein gutes Weihnachtsgeschäft dringend. Denn der Start ins vierte Quartal steht unter keinem guten Vorzeichen: Im Oktober nahmen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahresmonat zwar nominal leicht um 0,9 Prozent zu, wie das Statistische  Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Unter Berücksichtigung der Teuerungsrate lagen die Umsätze allerdings 1,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Im direkten Vergleich von September zu Oktober sanken die Umsätze bereinigt um Saison- und Kalendereffekte nominal um 1,7 Prozent und real um 1,6 Prozent. In den ersten zehn Monaten 2008 zusammen lagen die Umsätze nominal 2,3 Prozent höher, real aber 0,4 Prozent niedriger als im gleichen Zeitraum 2007.

Weihnachtsgeschäft von den Vormonaten abhängig

Aufgrund der negativen Umsatzentwicklung in 2007 zeigt sich die Commerzbank weniger optimistisch als die Handelsbranche: "Das Weihnachtsgeschäft des deutschen Einzelhandels wird  in diesem Jahr schlechter ausfallen als im Vorjahr. Der Umsatz wird im um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgehen", prognostiziert Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Die Analyse der letzten 47 Jahre zeige, dass sich das Weihnachtsgeschäft nicht von dem Trend der vorherigen zehn Monate eines Jahres abkoppeln lasse. So sei das Weihnachtsgeschäft im vergangen Jahr um 6,3 Prozent gefallen, nachdem die Einzelhändler zwischen Januar und Oktober 2007 bereits 1,6 Prozent weniger umgesetzt hatten. Die negativen Vorgaben aus den ersten zehn Monaten werden sich daher auch auf in den nächsten Wochen auswirken, so Krämer.