Die Fusionen im deutschen Lebensmittelhandel verunsichern die Industrie. Die Konzentration habe inzwischen "wettbewerbsgefährdendes Niveau", klagt der Markenverband.

Angesichts der "wachsenden Macht" der Handelsriesen im deutschen Lebensmittelhandel schlägt die Industrie Alarm. Die Konzentration habe inzwischen ein "wettbewerbsgefährdendes Niveau" erreicht, erklärte der Präsident des Markenverbandes, Franz-Peter Falke.

Edeka sei schon heute mit einem Marktanteil von über 25 Prozent mit Abstand der größte deutsche Lebensmittelhändler und baue ihre Position mit der jetzt genehmigten Übernahme von 2300 Märkten des Discounters Plus weiter aus.

Dass auch der zweitgrößte deutsche Lebensmittelhändler Rewe mehr als 300 Plus-Märkte übernimmt, verstärke die Machtkonzentration an der Branchenspitze noch, betonte Falke.

Konditionendruck steigt

"Die Wettbewerbschancen mittelständischer, selbstständiger Einzelhändler werden damit noch schlechter. Der für viele Hersteller existenzgefährdende Konditionendruck wächst weiter", unterstrich Falke.

Schon jetzt hingen viele Markenunternehmen als Lieferanten in starkem Maße von den größten fünf Lebensmittelhändlern ab, die 90 Prozent des Branchenumsatzes erzielten. Ein Ausweichen auf andere Händler sei wegen der hohen Konzentration im Handel nicht möglich.

Die Gefahr, dass Händler ihre starke Stellung und die Abhängigkeit ihrer Lieferanten missbrauchen könnten, sei laut Falke aus den Erfahrungen der Vergangenheit "leider real".

Bundeskartellamt beschwichtigt

Der Markenverband vertritt die Interessen von 400 Markenartikel-Hersteller wie Nestlé, Oetker und Henkel.

Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme der Tengelmann-Tochter Plus durch den Supermarktriesen Edeka bewilligt. Edeka legt Plus mit Netto zusammen. Die Wettbewerbshüter betonten, ihre Auflagen stellten sicher, dass der Wettbewerb im Lebensmittelhandel trotz der hohen Konzentration erhalten bleibe.