Die Fusion der Handelsverbände ist endgültig gescheitert: Die BAG wird liquidiert, 150 Unternehmen kündigten bereits ihre Verbandszugehörigkeit. Nun wirbt der HDE-Präsident um die BAG-Mitglieder.

Die Handelsverbände HDE und BAG stehen vor dem Scherbenhaufen ihrer angestrebten Fusion, nachdem der BAG durch die massenhaften Austritte von Mitgliedsbetrieben sowie zahlreiche Insolvenzen im Mitgliederkreis die wirtschaftliche Grundlage entzogen wurde.

Rund 150 Unternehmen haben bereits die Mitgliedschaft beim Handelsverband gekündigt. Damit fehlen der BAG rund 90 Prozent der Beitragseinnahmen.

Millionenverluste durch Austritte

Das ergibt nach Informationen von Der Handel ein jährlicher Verlust von rund 2,2 Millionen Euro. Diese Summe wird nach dem Scheitern der Verbändefusion nun dem neu entstehenden Handelsverband Deutschland nicht mehr zur Verfügung stehen.

Der Beschluss zur Liquidierung der BAG erfolgt im August. Laut einem Noch-Mitglied sind die Pensionsansprüche des Verbandes für rund 20 Jahre abgesichert. Bereits Mitte Mai hatte Der Handel berichtet, dass die Probleme im Karstadt-Mutterkonzern Arcandor den Fusionsprozess gefährden würden.

Sanktjohanser umwirbt BAG-Mitglieder

"Die Fusion findet nicht mehr statt", stellte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser auf der Chef-Tagung der Textilkooperation Katag an diesem Freitag in Bielefeld nüchtern fest. Gleichzeitig warb er massiv um die Unterstützung der BAG-Mitglieder für den neuen Verband: "Gerade in Krisenzeiten braucht die Branche eine starke Vertretung in Berlin und Brüssel."

Einen Erfolg konnte Sanktjohanser bereits verbuchen: Auf der Katag-Chef-Tagung sagte Verbundgruppenchef und BAG-Vize Daniel Terberger, er und viele seiner Mitglieder seien bereit, den neuen Verband zu begleiten - auch wenn dessen Entstehung eine "schmerzliche Geburt" sei. Dies sei jetzt "die einzige Chance" für den Handel, eine starke Interessenvertretung zu etablieren.

Satzungsänderungen werden beibehalten

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth betonte gegenüber Der Handel, die Satzungsänderungen, die im Rahmen der Fusionsverhandlungen zwischen HDE und BAG vereinbart wurden, sollen Bestand haben.

Diese sehen unter anderen mehr Macht für die Verbandszentrale in Berlin vor. Auch sollen HDE-Mitglieder künftig neben dem jeweiligen Landesverband auch dem Bundesverband angehören. Bislang sind die Unternehmen beim HDE nur Mitglieder der Landes- und Fachverbände.

Auch die inhaltlichen Festlegungen der Fusionsverhandlungen, etwa die geplante Reform des Manteltarifvertrags oder den Fokus auf Städtebau und -politik, sollen bestehen bleiben, bekräftigte Genth im Gespräch mit Der Handel.  

Handelsverband Deutschland entsteht

Am 18. November 2009 soll anlässlich einer HDE-Delegiertenversammlung der neue Handelsverband Deutschland offiziell ins Leben gerufen und die entsprechenden Satzungsänderungen verabschiedet werden - ohne BAG-Beteiligung - und mit dem bekannten Kürzel HDE.

Zum 1. Januar 2010 soll es mit dem Handelsverband Deutschland dann eine starke Vertretung der Brancheninteressen geben, hoffen die Beteiligten.