Professor Wolfgang Meinig, Gründer und Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg, sprach mit Der Handel über die Bedeutung der IAA und die Hausaufgaben der Branche.

Herr Professor Meinig, welche Impulse kann die IAA 2009 der Automobilbranche geben?
Einer am milliardenschweren Tropf hängenden Teilwirtschaft wird die IAA 2009 viel Selbstbewusstsein bringen. Auch wenn aus Kostengründen einige Aussteller, insbesondere aus der ­Zulieferbranche, fehlen werden, so erwarte ich einen regen Publikumsbesuch.

Erwarten Sie trotz der allgemeinen Absatzkrise eine Messe mit Show und Glamour oder doch eher gedämpfte Stimmung?
Bei einem für 2009 zu erwarteten Gesamtabsatz von Neufahrzeugen in der Größenordnung von 3,6 Millionen kann man nicht von einer allgemeinen Absatzkrise sprechen. Die eigentliche Krise kommt erst im nächsten Jahr, nämlich dann, wenn der Staat nicht mehr im bisherigen Umfang die Automobilwirtschaft unterstützen wird. Von gedämpfter Stimmung wird aber erst mal nichts zu spüren sein. Zur IAA gehören natürlich Show und Glamour, im Zweifel jetzt erst recht.

Welche Perspektiven sehen Sie für den Automobilhandel für 2010?
Wenn keine staatlichen Eingriffe stattfinden - und dies wünschen wir uns aus ordnungspolitischen Gründen - werden im nächsten Jahr zirka 800.000 Fahrzeuge weniger gekauft. Leider ist auch zu befürchten, dass mehr und mehr Händler aufgrund der schlechten Ertragslage Insolvenz anmelden werden. Insgesamt sehe ich die Zukunft zahlreicher Autohäuser recht pessimistisch, was vor allem auch daran liegt, dass viele Kfz-Händler ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht haben - denn: Dem vordergründigen „Erfolg" der Abwrackprämie ist es leider zu verdanken, dass das Kernproblem des Autohandels, zum Beispiel wahre Kundenbegeisterung zu wecken, immer noch nicht gelöst wurde.

Sehen Sie nach dem Boom im Privatkunden-Geschäft durch die Abwrackprämie für 2010 eine Steigerung der gewerblichen Zulassungen?
Eine Zunahme der gewerblichen Zulassungen, insbesondere der Nutzfahrzeuge, wäre ein eindeutiges Signal für die Vitalisierung der Konjunktur. Nutzfahrzeugbestellungen wie auch jeglicher Zuwachs an sonstigen gewerblichen Zulassungen haben die Funktion eines Frühindikators für die Stimmungslage in der Wirtschaft. Ich glaube aber nicht, dass im Jahr 2010 die Krise annähernd überstanden sein wird.

Würden Sie sich wünschen, dass die Politik auch hier unterstützend eingreift, etwa durch eine Veränderung der Dienstwagen-Besteuerung oder Kaufanreize für gewerbliche Kunden?
Auf gar keinen Fall, die Eingriffe der Politik in das Wirtschaftssystem sollten schleunigst rückentwickelt werden, sonst laufen wir auf eine Zentralverwaltungswirtschaft zu. Und so ein Wirtschaftssystem ist schlicht und einfach zum Scheitern verurteilt.

Interview: Bernd Nusser
Dieses Interview erschien in der Ausgabe 9/09 des Wirtschaftsmagazins Der Handel