Angesichts des kühlen Wetters bleibt der Textilhandel auf seiner Sommerware sitzen. Den Kunden freut es, denn seit Montag purzeln die Preise. Auch andere Handelsbranchen beteiligen sich am Sommerschlussverkauf.

Schon seit Wochen locken Händler mit großen "Sale"-Schildern - jetzt geht es für Schnäppchenjäger in den Endspurt. Zum Start des Sommerschlussverkaufs (SSV) am Montag können Verbraucher mit kräftigen Rabatten rechnen.

Viele Geschäftsleute setzen auch bei bereits reduzierten Artikeln erneut den Rotstift an. Der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) rechnet nach Angaben vom Mittwoch mit Preissenkungen von bis zu 70 Prozent, vereinzelt sogar noch mehr.

Schnäppchen gibt es dann nicht nur bei Bekleidung, sondern auch etwa in Baumärkten, bei Unterhaltungselektronik, Möbeln oder Haushaltswaren. Insgesamt werden sich nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) etwa drei Viertel aller Händler am SSV beteiligen.

Platz schaffen für die Herbstware

"Es ist noch viel Sommerware da", sagt BTE-Sprecher Axel Augustin in Köln. Ob T-Shirts, Kleider oder leichte Hosen - wer sich jetzt noch für die verbleibende Sommerzeit günstig mit Klamotten eindecken wolle, habe gute Chancen. Aber auch Übergangsware wie Jacken und Pullover seien im Schlussverkauf zu kriegen, ebenso wie Schuhe und Haustextilien.

"Die Lager müssen leer werden, damit es Platz gibt für die Herbstware", betont Augustin. Gerade im Bekleidungshandel sei der Druck gewaltig. Denn während es früher zwei Kollektionen im Jahr gab, brächten heutzutage viele Marken jeden Monat etwas Neues heraus.

Bisher sei die Saison für den Modehandel gut gelaufen. Vor allem im April und Mai hätten viele Händler teils zweistellige Zuwächse erzielt, ehe es im Juni wegen des wechselhaften Wetters einen Einbruch gab. Insgesamt liegt der Umsatz laut BTE im ersten Halbjahr etwa zwei Prozent über dem des Vorjahreszeitraums.

Preise werden steigen

Im Herbst müssen sich Verbraucher dann auf höhere Preise bei Bekleidung einstellen. Der Herstellerverband GermanFashion hatte am Dienstag erneut Preissteigerungen von drei bis fünf Prozent für die Herbst/Winter-Kollektionen angekündigt. Viele Händler würden dies wohl an die Kunden weitergeben, sagt Augustin.

Der SSV ist heute, zehn Jahre nach dem Fall des Rabattgesetzes, eine freiwillige Angelegenheit. Zahlreiche Geschäfte werben schon Wochen vorher mit Rotstiftpreisen, aber der von den Branchenverbänden empfohlene SSV-Start sei immer noch "Höhepunkt und Finale der Rabattsaison", sagt HDE-Sprecherin Ulrike Hörchens. "Es ist gewissermaßen ein gelerntes Datum." Das gelte auch für die Kunden: "Der SSV zieht die Verbraucher in die Städte." In der Ferienzeit sei das vor allem für Händler abseits der Großstädte wichtig.