Der 124 Spider ist endlich wieder ein echter Blickfang in den Verkaufsräumen der Fiat-Händler. Der schnittige Wagen soll der ganzen Marke zum Aufschwung verhelfen.

Fiat-Händler sind leidgeprüft. Zumindest, wenn sie ausschließlich auf die Personenkraftwagen und nicht auf die erfolgreichen Nutzfahrzeuge der Marke setzen. Seit der kultige 500 im Jahre 2007 revitalisiert wurde, warten die Vertriebspartner auf einen weiteren Verkaufsschlager. Der Aufbau einer ganzen 500-Familie löste bei der Kundschaft ebenso wenige Begeisterungsstürme aus, wie die jüngste Präsentation des Kompaktwagens Tipo, der sich als nüchternes Billigangebot versteht und gar nicht erst den Versuch unternimmt, Emotionen zu wecken.

Doch jetzt kehrt die Leidenschaft in die Autohäuser der italienischen Marke zurück. „Mit dem 124 Spider werden wir viele neue Kunden gewinnen“, ist sich Markenmanagerin Annika Löwe sicher. Zwar bleibt der herrlich offene und rundherum gelungene Roadster eher ein Nischenangebot, doch dient der Zweisitzer als veritabler Blickfang, um die Fans in die Verkaufsräume zu locken.

Positive Reaktion der Vertriebspartner

Die Händlerreaktion auf den schnittigen Wagen mit dem einfachen Stoffverdeckmechanismus sei überaus positiv gewesen, versichert Annika Löwe. Jedenfalls hat sich die Handelsorganisation nach Kräften mit Fahrzeugen eingedeckt. Das für Deutschland vorgesehene Jahreskontingent ist damit erschöpft. Kunden, die nicht ein bereits konfiguriertes Auto haben möchten, müssen mit einer Wartezeit von einem halben Jahr rechnen.

Die Marketingabteilung der deutschen Importeurszentrale in Frankfurt am Main zitiert zum Marktstart wort- und bildreich die Historie des vor exakt 50 Jahren erschienen ersten 124 Spider. Doch mit seinem Vorfahren hat der Roadster der Neuzeit nur den Namen und einige Designelemente gemeinsam. Unter dem schicken Blechkleid steckt nämlich die im vergangenen Jahr eingeführte vierte Generation des Mazda MX-5 und so kommt der Fiat nicht aus Turin, sondern aus Hiroshima. Die Italiener liefern zu diesem Jointventure lediglich ihren 103 kW/140 PS-Benzinmotor und ihr Markenlogo nach Japan. Dort laufen beide Modelle einträchtig vom Band.

Das Beste aus zwei Welten

Dabei paart sich tatsächlich das Beste aus zwei Welten. Zur japanischen Zuverlässigkeit und Verarbeitungsqualität gesellt sich italienisches Design, denn Fiat hat für seinen Sportler immerhin eine eigene Frontpartie entworfen, die an den Urahnen aus den 60-er Jahren erinnert. Und so mancher Betrachter dürfte die europäische Kopie daher attraktiver finden als das asiatische Original.

Beide Modelle bieten auf jeden Fall Feierabendgenuss zu einem erschwinglichen Preis. Der Fiat ist ab 23.990 Euro zu haben. In der recht kompletten „Lusso“-Ausstattung werden 26.490 Euro fällig. Dazu stehen noch drei Pakete für Radio, Navigation und Licht sowie ein Soundsystem von Bose zur Wahl. Reichlich Frischluftvergnügen für unter 30.000 Euro.

Zunächst war Alfa Romeo im Gespräch

Eigentlich sollte aus dem Mazda ursprünglich gar kein Fiat sondern ein Alfa Romeo Spider werden. Doch nachdem die Turiner schon die Schwestermarke Lancia durch den untauglichen Versuch zu Grunde gerichtet haben, unter dem traditionellen Label Chrysler-Modelle loszuschlagen, hatte Konzernchef Sergio Marchionne dann doch ein Einsehen und verordnete mit Blick auf den Nimbus der Marke, dass Alfa-Modelle allein in Italien gebaut werden dürfen. Gleichzeitig erinnerte man sich der Tradition des 124 Spider – sehr zur Freude der Fiat-Händler.

Bernd Nusser