Der Dreikönigstag ist traditionell gut für Händler, deren Standorte nahe eines Bundeslandes liegen, in dem der 6. Januar ein Feiertag ist. Auch diesmal kamen die Kunden - aber nicht überall hin.

Es gibt für Verbraucher viele Gründe, ein Einkaufszentrum anzusteuern. Aber dieser Tage überragt einer: die Kälte. Bei Minusgraden ist ein Einkaufsbummel durch eine Fußgängerzone kein Vergnügen. Dann doch lieber unters Dach eines Centers, wo es warm ist und die Wege kurz sind - vom Parkplatz zu den Geschäften.

Angesichts des harten Winters überrascht es nicht, wenn manche Händler am Dreikönigstag nicht dieselben guten Umsätze machen konnte, wie in den Jahren zuvor. Denn der 6. Januar ist für viele Geschäfte ein lukrativer Tag - wenn sie nahe an einem Bundesland liegen, in dem dieser Tag ein Feiertag ist. Dann pendeln Bayern gerne zum Einkaufen nach Hessen oder Baden-Württemberger nach Rheinland-Pfalz.

Es war einfach zu kalt

Diesmal war aber einiges anders: "Es ist einfach zu kalt", sagte Joachim Schwender von der Buchhandlung Pro Buch in Ludwigshafen der Zeitung "Rheinpfalz". "Die Leute bleiben lieber im warmen Rathauscenter, statt durch die Stadt zu laufen." Dieses Center ist ein Multifunktions- Hochhaus mit Rathaus, Stadtmuseum - und Einkaufszentrum.

Andernorts in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) spürten die Händler, dass auf der anderen Rheinseite in Mannheim (Baden-Württemberg) Feiertag ist - und auch, dass die Verbraucher Lust auf Shopping hatten.

Die Kunden kommen ab 13 Uhr

"Wir haben bedingt durch die Witterung gar nicht damit gerechnet, dass so viele Kunden kommen. Bis 13 Uhr war kaum etwas los, aber dann kam der Ansturm", berichtet Anja Schreiner, Geschäftsführerin von C&A. Auch der Ludwigshafener Kaufhof-Geschäftsführer Jörg Kanabei war "wirklich sehr zufrieden. Es waren nicht nur viele Kunden aus Mannheim, sondern auch aus Ludwigshafen."

Aber es waren nicht so viele, wie sonst. "Es gab viele freie Parkplätze, die Leute sind wegen Kälte und Straßenglätte daheim geblieben", sagt Edmund Keller, Schuhhändler und Vorsitzender des Ludwigshafener Einzelhandelsverbandes im Gespräch mit Der Handel. Trotzdem war der Tag für die Händler der Stadt ein guter Tag. Der Umsatz habe gut 50 Prozent über dem eines normalen Werktages gelegen, bilanziert Keller. Dass die Warenhäuser am meisten profitiert haben, ist für ihn kein Zufall: "Dorthin sind die Leute gegangen, um sich aufzuwärmen."

Verkauft wird, was warm hält

Große Geschäfte, in denen man sich lange aufhalten konnte, waren also am 6. Januar im Vorteil. Und Shopping- Center erst recht. Stefan Schneider schätzt, dass rund 45.000 Besucher an diesem Tag ins Rhein-Neckar-Zentrum (RNZ) im südhessischen Viernheim geströmt sind. "Das ist zufriedenstellend", sagte der Center-Manager zu Der Handel.

Auch das Viernheimer Center profitiert am Dreikönigstag von Kunden aus Mannheim und Umgebung, die mit dem Auto in rund 20 Minuten auf die andere Rheinseite gelangen. "Viele Kunden kamen aus Baden-Württemberg", hat Schneider festgestellt. Ein Vorteil des RNZ: 3.800 kostenlose Parkplätze, von denen die Kunden schnell ins Warme des Centers gelangen. Winterstiefel seien an diesem Tag der Verkaufsschlager gewesen, sagt Schneider.

Kaufzurückhaltung? Von wegen!

Ansonsten konnte der Centermanager nichts spüren von zurückhaltenden Kunden. Zwar lief alles etwas ruhiger ab als im Weihnachtsgeschäft, doch die Finanzmarktkrise ist bisher auch in Viernheim noch nicht angekommen. "Wir dürfen nicht ständig jammern", sagt Schneider, der genervt ist von den ständigen Hiobsbotschaften der Wirtschaftsforscher.

Einige Kilometer weiter südwestlich, in Speyer, hatte sich der Einzelhandel am Dreikönigstag voll auf die Feiertagseinkäufer aus dem Nachbarbundesland eingestellt. "Wir haben sechzig bis siebzig Prozent Kunden aus dem Badischen", sagte Einzelandelssprecher und Textilhändler Thomas Armbrust dem Südwestrundfunk.

Bayern reisen nach Darmstadt

Das südhessische Oberzentrum Darmstadt hat am 6. Januar offensichtlich wieder davon profitiert, dass in Bayern Feiertag war. Traditionell nutzen den Dreikönigstag viele Menschen aus dem 40 Kilometer entfernten Aschaffenburg zum Bummel in der Stadt.

"Es war ungewöhnlich viel los", beschreibt die Citymanagerin Anke Jansen ihren Eindruck beim Gang durch die Innenstadt. "Die Schlangen an den Kassen der Warenhäuser sind schon auffällig gewesen", sagt Jansen im Gespräch mit Der Handel.

Einige Läden hatten offenbar noch Mühe, die Spuren des fulminanten Weihnachtsgeschäfts zu beseitigen: "Manche Regale waren noch gar nicht aufgefüllt", stellte Citymanagerin Jansen fest.