Die Baumarktkette Praktiker wird auch dieses Jahr rote Zahlen schreiben. Sanierer Thomas Fox redet sich Mut zu und glaubt an eine Wende, doch der Erfolg ist offen - und nur mit viel Mühe zu erreichen.

Thomas Fox hat keinen leichten Job. Der Sanierungsexperte soll die Baumarktkette Praktiker sanieren - und er bekommt Druck von allen Seiten: von Arbeitnehmern, Aktionären, Gläubigern und der saarländischen Politik, weil er die Zentrale des Unternehmens nach Hamburg verlegt.

Doch Fox will Kurs halten: Alle müssten ihren Beitrag leisten, wenn Praktiker eine Zukunft haben soll. Doch das reiche noch nicht.

"Man kann sich aus der Krise heraussparen, aber nicht in den Erfolg hineinsparen", ließ er die versammelten Journalisten bei der ersten Bilanz-Pressekonferenz am neuen Standort Hamburg wissen. Eine konsequente Sanierung, keine halbherzige, sei unumgänglich.

Sanierung belastet Ergebnis

Praktiker wird nach hohen Millionenverlusten 2011 auch in diesem Jahr rote Zahlen schreiben. Die laufende Sanierung werde zu Sonderbelastungen in dreistelliger Millionenhöhe führen. Bei einer erfolgreichen Umsetzung des Sanierungskonzeptes könne aber operativ die Wende gelingen.

Die Baumarktkette war vor allem durch Missmanagement in die Krise geraten und hatte im vergangenen Jahr unter dem Strich einen Verlust von 555 Millionen Euro erlitten.

Praktiker soll nun als preisgünstiger, einfacher und schneller Baumarkt positioniert werden. "Die Marke Praktiker ist nicht beschädigt", sagte Fox.

Den Werbespruch "20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung" hat der Sanierer zwar schnell gestoppt, an dem Image als besonders preisgünstiger Baumarkt will er aber festhalten. "Einfach heißt nicht ärmlich", betonte er. Die Vielfalt des Sortiments solle zum Beispiel virtuell erweitert werden.

Auch auf kleinen Flächen könne Praktiker damit zum Beispiel 500 verschiedene Fliesen bereithalten, die der Kunde ansehen und anschließend bestellen könne. Die ersten Märkte seien auf das neue Konzept umgerüstet, die gewonnenen Erfahrungen würden bei den weiteren Schritten berücksichtigt.

Max Bahr will Personal aufstocken

Ganz anders das Konzept für die zweite Konzernmarke Max Bahr: Sie soll ganz auf Beratung, Service und Orientierung für die Kunden ausgelegt sein. Hier plant die Konzernleitung sogar eine Aufstockung des Personals, von Vorführ-Beratern bis hin zu einem Mitarbeiter, der auf dem Parkplatz beim Einladen der gekauften Waren hilft.

Max Bahr steuert etwas weniger als ein Drittel zum Inlands-Umsatz des Praktiker-Konzerns bei, war aber von den Umsatzrückgängen und Verlusten der vergangenen Jahre nicht betroffen.

Viele Fragen zur laufenden Sanierung blieben offen. Die Verhandlungen mit den Vermietern der Märkte laufen noch - deshalb gibt es keine Klarheit über die Anzahl und über die Standorte der Märkte, die geschlossen werden. Rund 30 von 330 Praktiker-Märkten sollen dichtmachen.

Woher soll das Kapital kommen?

Einen Verkauf des gesamten Auslandsgeschäfts in mehreren Ländern Osteuropas und Griechenland schloss Fox zwar aus; von einzelnen Landesgesellschaften könne man sich bei einer guten Gelegenheit aber durchaus trennen.

Die notwendigen Sanierungs-Finanzmittel von rund 300 Millionen Euro werde sich der Konzern beschaffen, aber die Details stehen noch nicht fest. Die Gespräche mit möglichen Kapitalgebern und Investoren laufen.

In Frage kommen Anleihen, Kredite, Verkäufe und eine Kapitalerhöhung. Auch Gläubiger einer bereits platzierten Anleihe sollen auf Zinsen verzichten. Ein entsprechender Antrag war zwar im ersten Anlauf gescheitert, soll aber noch durchgesetzt werden.

Eckart Gienke, dpa