Peter Wright, Head of Card Services EMEA bei American Express, im Gespräch über die geplante Deckelung der Kreditkartengebühren und mobile Zahlungslösungen.

Foto: American Express
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EU-Kommission und Parlament wollen die Kreditkartengebühren senken. Was bedeutet die geplante Regulierungs-Verordnung für American Express?
Grundsätzlich begrüßen wir das Vorhaben, den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Europa zu harmonisieren und effizienter zu gestalten. Das ermöglicht uns von Griechenland bis Portugal auf ein und derselben Plattform zu operieren. Die Regulierung geht aber aus unserer Sicht zu weit, wenn es um die wettbewerbsrechtlichen Themen geht und unser Gebührenmodell mit denen von Mastercard und Visa gleichgesetzt werden soll. Die beiden Vier-Parteien-Systemen beherrschen 95 Prozent des Marktes und setzen ihre Interbankenentgelte einseitig fest. Bei uns gibt es kein Interbankenentgelt. American Express ist ein Drei-Parteien-System in dem die Gebühren für die Kartenzahlungen mit den Händlern individuell verhandelt werden. Wir haben keine Interchange-Gebühren und damit keine Kartellproblematik.

Die Kommission will es Händlern auch erlauben, Kunden, die mit Kreditkarten bezahlen hierfür Gebühren in Rechnung zu stellen. Ist das nicht fair gegenüber Barzahlern?
Aus Konsumentensicht ist es von Nachteil, zusätzliche Gebühren für die Kartenzahlungen entrichten zu müssen. Darüber hinaus wird die Verwirrung bei Kunden und Händlern komplett, wenn bei einigen Karten für die Bezahlung Gebühren anfallen, bei anderen aber nicht. Nach den Vorstellungen der EU-Kommission dürfen Visa und Mastercard mit der so genannten No-Surcharge-Rule arbeiten, es Händlern also verbieten, vom Kunden Gebühren für Kartenzahlungen zu verlangen, Drei-Parteien-Systeme wie American Express aber nicht. Das ist aus unserer Sicht eine für die Kunden nicht nachvollziehbare Regelung.

Händler in Deutschland befürchten, dass die kartenausgebenden Banken aufgrund der Regulierung zu den aus Ihrer Sicht teuren Drei-Parteien-Systemen wechseln könnten. Glauben Sie nicht, dass American Express zu den Profiteuren der EU-Pläne zählt?
Wir glauben nicht daran, dass es große Verschiebungen geben wird. In Australien wurden die Interbankenentgelte der Vier-Parteien-Systeme im Jahr 2002 reguliert und es haben sich kaum Marktverschiebungen ergeben, wie auch der Europäische Gerichtshof bei seiner Entscheidung über Mastercard festgestellt hat. Wir arbeiten in Europa mit 27 Banken zusammenarbeiten,  Visa und Mastercard mit 4.500 Banken, daran wird sich nicht viel ändern.  

Werden denn auch die Händlerentgelte von American Express sinken, wenn die Kreditkartengebühren von Mastercard und Visa reguliert werden?
Wie gesagt: Im Gegensatz zu den Vier-Parteien-Systemen Mastercard und Visa, die rund 95 Prozent aller Kreditkartentransaktionen repräsentieren, werden die Gebühren von American Express direkt mit den Händlern verhandelt und nicht einseitig vorgegeben. Sicherlich wird sich aber eine Reduzierung der Kreditgebühren bei den beiden großen Anbietern auch auf unsere Verhandlungen mit Händlern auswirken, so dass es auch hier zu Reduzierungen kommen kann.

Wie sieht American Express das Thema kontaktlose Kartenzahlung und NFC-Technik?
In Länder wie Spanien und Großbritannien haben wir kontaktlose Karten im Markt, da die NFC-Infrastruktur dort schon wesentlich weiter ist. Es ergibt keinen Sinn NFC-Karten auszugeben, wenn die Kunden sie nicht nutzen können, weil in den Geschäften noch keine entsprechenden Terminals stehen. Wir glauben aber daran, dass die kontaktlose Kartenzahlung ein wichtiges Zukunftsthema ist - auch, weil sie eine Brückentechnologie für mobile Payment ist.

Welche Pläne verfolgt American Express in Sachen Mobile Payment?
Mobile Payment ist ein komplexes Thema, das von der Bezahlung in der Amazon-App bis zur Bezahlung mit dem Smartphone am POS reicht. Der Markt ist aktuell ziemlich überfrachtet mit Anbietern und Lösungen und niemand weiß, was sich durchsetzen wird, oder in welche Richtung es geht. Viele Akteure experimentieren herum und so halten wir es auch. Wir testen mit Wal-Mart in den USA einen Wallet-Lösung und arbeiten zusammen mit der ISIS-Initiative an der alle relevanten amerikanischen Mobilfunk- und Kreditkartenunternehmen beteiligt sind. Aber auch in Singapur, Hong Kong und Indien pilotieren wir Mobile Payment-Lösung und hoffen in diesem Jahr auch in Europa noch einen Piloten ankündigen zu können. Die gesamte Payment-Industrie arbeitet daran, Sicherheit auf der einen und Nutzerfreundlichkeit auf der anderen Seite miteinander zu vereinbaren. Ich glaube wir sind noch Jahre von einem funktionierenden Eco-System für mobile Payment entfernt. Eine einfache Plastikkarte bei der jeder weiß, wie sie funktioniert, hat eben auch ihre Vorteile.

Interview: Hanno Bender

Zur Person: Peter Wright ist als Head of Card Services EMEA bei American Express verantwortlich für das Partnergeschäft in den Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA). Darüber hinaus führt es die internationale Produkt- und Marketingorganisation der Kreditkartengesellschaft und das "Global Network Business", das sich um die technischen und operativen Management des Zahlungsnetzwerks von American Express kümmert.