Ein halbes Dutzend Karstadt-Filialen stehen vor dem Aus. Die wenigsten sind "echte" Warenhäuser. Doch diese werden wohl folgen, denn Stephan Fanderl, neuer Chef des Unternehmens, sprach von schmerzlichen Entscheidungen - aber auch neuen Konzepten.

Die Sitzung endete spät in der Nacht, und am Ende standen zwei weitreichende Entscheidungen für Karstadt. Dass der Aufsichtsrat am Donnerstag seinen bisherigen Vorsitzenden Stephan Fanderl zum neuen Geschäftsführer der Warenhaus GmbH kürte, war noch zu erwarten. Weniger, welche ersten Maßnahmen zur Sanierung des angeschlagenen Unternehmens beschlossen worden sind. Denn Karstadt will zunächst sechs Häuser schließen, allerdings sind dabei nur zwei Filialen "echte" Warenhäuser: Hamburg-Billstedt und Stuttgart. Beide Standorte werden zum 30. Juni 2015 dichtgemacht. Über das Aus des Hauses in Stuttgart wurde bereits seit geraumer Zeit diskutiert.

Außerdem sollen die Filialen der auf junge Mode spezialisierten Kette "K-Town" in Köln und Göttingen (ebenfalls zum 30. Juni 2015)  sowie die Schnäppchenmärkte des Konzerns in Paderborn (30. September 2015) und Frankfurt an Oder (30. April 2015) schließen. Nach Angaben des Betriebsrates könnten von den angekündigten Schließungen bis zu 240 Arbeitsplätze betroffen sein.

"Sanierung wird uns viel abverlangen"

Fanderl betonte in einer Unternehmensmitteilung: "Die Sanierung wird uns viel abverlangen. Ohne zum Teil sehr schmerzliche Entscheidungen wie auch Filialschließungen wird es nicht gehen, um das Überleben des Gesamtunternehmens zu sichern." Man habe aber in kürzester Zeit ein Zukunftskonzept erarbeitet, mit dem das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet werden könne. Bereits im Frühjahr / Sommer 2015 sollen einzelne neue Warenhaus-Konzepte an den Start gehen, hieß es weiter.

Der 51-jährige ehemalige Rewe-Manager füllt nach drei Monaten die durch den überraschenden Abgang von Eva-Lotta Sjöstedt hinterlassene Lücke eines Karstadt-Geschäftsführers. Interimsmäßig wurde der Job bisher von Finanzchef Miguel Müllenbach erledigt.

Im Management der Karstadt Warenhaus GmbH sitzen nun neben Fanderl: Müllenbach, der jetzt die Posten Finanzchef und Arbeitsdirektor bekleidet, eine seltene Kombination. Jörg-Peter Schmiddem ist Einkaufschef, Thomas Wanke verantwortet den Vertrieb.

Müllenbach jetzt mit zwei Verantwortungsbereichen

Fanderls Posten des Aufsichtsratschef übernahm Wolfram Keil, der als Vertrauter des neuen Karstadt-Eigentümers René Benko gilt und auch Geschäftsführer der für das Handelsgeschäft zuständigen Benko-Firma Signa Retail GmbH ist. Keil kündigte einen "tiefgreifenden und umfassenden Wandel" des Unternehmens an. Sanierung und Zukunftskonzept bedingten sich gegenseitig. "Wir stehen erst am Anfang eines langen Prozesses", sagte er.

Der Karstadt-Gesamtbetriebsratchef Hellmut Patzelt sprach von einem "dunklen Tag für die Beschäftigten". An den sechs betroffenen Standorten hätten damit bis zu 240 Mitarbeiter die Mitteilung bekommen, dass sie ihre Jobs verlieren. Zusätzlich sei der Abbau von rund 2000 Stellen in den übrigen Warenhäusern und der Zentrale geplant. Karstadt hat derzeit noch insgesamt 17 000 Beschäftigte.

Der Aufsichtsrat trifft sich wieder Anfang 2015

Der für Verdi im Karstadt-Aufsichtsrat sitzende Arno Peukes sagte, nach wie vor sei die Zukunft von 21 Warenhäusern, die rote Zahlen schreiben, ungewiss. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft würden alles daran setzen, diese Häuser zu erhalten. Die nächste Aufsichtsratssitzung sei für Anfang nächsten Jahres geplant.

Benko signalisierte unterdessen einem Medienbericht zufolge erneut Interesse an einer Übernahme der Warenhauskette Kaufhof. Der Kaufpreis solle bei 2,5 Milliarden Euro bis 2,7 Milliarden Euro liegen, schrieb die "Lebensmittel Zeitung" unter Berufung auf Insider. Konkrete Verhandlungen über einen Verkauf der Metro-Tochter hätten jedoch noch nicht begonnen.

Ein Sprecher des von Benkos-Unternehmens Signa wies die Meldung zurück. "Der Bericht entbehrt jeder Grundlage. Die Signa konzentriert sich zusammen mit dem Management von Karstadt voll und ganz auf das Sanierungs- und Zukunftsprogramm für die Karstadt Warenhaus GmbH", erklärte Signa-Sprecher Robert Leingruber. Der Kaufhof-Mutterkonzern Metro lehnte eine Stellungnahme zu "Marktgerüchten und Spekulationen" ab.