In dieser Woche entscheidet sich das Schicksal des Karstadt-Mutter-Konzerns Arcandor. Wenn der Bund keine Unterstützung zusagt, muss das Unternehmen Insolvenz anmelden, sagt der Konzernchef.

Der ums Überleben kämpfende Touristik- und Handelskonzern Arcandor muss weiter bangen: Trotz wachsenden Zeitdrucks bleibt nach wie vor offen, ob der Bund einen staatlichen Notkredit von 437 Millionen Euro für den Karstadt-Mutterkonzern billigt. Eine endgültige Entscheidung könnte sogar erst Mitte dieser Woche fallen.

Wir kämpfen bis zur letzten Minute", sagte Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick am Montag. Erst wenn der beantragte Rettungskredit abgelehnt werde, sei die Insolvenz unausweichlich.

Eine Insolvenz wird unterdessen auch in der Politik nicht mehr ausgeschlossen. An der Börse brachen Arcandor-Aktien am Morgen um mehr als 40 Prozent auf 1,10 Euro ein. Am Vormittag lagen die Papiere mit 25 Prozent weiter im Minus, erholten sich dann aber wieder.

Lenkungsausschuss verweigert Staatsbürgschaft

Arcandor kann endgültig nicht mehr mit Hilfen aus dem "Wirtschaftsfonds Deutschland" rechnen. Der Lenkungsausschuss des Fonds lehnte einen entsprechenden Antrag auf Staatsbürgschaften und einen Kredit aus dem Fonds am Montag wie erwartet ab.

Das erklärte Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba in Berlin. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, da wichtige Voraussetzungen für einen positiven Bescheid nicht vorgelegen hätten, sagte Otremba.

Drohkulissen und Druck auf die Politik

Arcandor hatte am Wochenende den Druck auf die Politik erhöht und angekündigt, rasch einen Insolvenzantrag zu stellen, falls die Bundesregierung den beantragten Notkredit verweigern sollte. Der Bund verlangt ein stärkeres Engagement auch der Eigentümer und Gläubiger von Arcandor sowie der Vermieter bei der Sanierung des Konzerns.

Dem Vernehmen nach ist zunächst nur ein erster Teil der Hilfen dringend nötig. Ein solche erste Summe könnten unter anderem auch von den Eigentümern kommen, die inzwischen bereit sein sollen, die Sanierungshilfen von zuvor geplanten 100 Millionen auf 150 Millionen Euro aufzustocken.

Entscheidung fällt spätestens am Donnerstag

Eine endgültige Entscheidung über die Rettungsbeihilfe in Form des Notkredits von 437 Millionen Euro wird bis spätestens Donnerstag erwartet. An diesem Freitag läuft ein Kredit über 650 Millionen Euro aus. Spätestens dann müsste ein Rettungskonzept für Arcandor stehen.

Weiter schwierig gestalten sich die Verhandlungen mit dem Handelskonzern Metro über eine Zusammenführung von Kaufhof- und Karstadt-Kaufhäusern. Knackpunkte sollen dem Vernehmen nach die Zahl der zu übernehmenden Filialen sowie der Kaufpreis sein. Bei einem Krisentreffen am Sonntag war noch keine Einigung erzielt worden.

Politiker von SPD und CDU skeptisch

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) schloss ein Insolvenzverfahren nicht aus. Er stelle insbesondere die Frage nach der Besicherung der Hilfen, sagte Steinbrück der ARD. Wenn sie nicht geklärt werden könne, schließe er "auch ein Insolvenzverfahren als letzte Lösung keineswegs aus".

Zudem seien bei einer Hilfsaktion für Arcandor in erster Linie die Alteigentümer und die beiden großen Aktionärsgruppen gefragt, aber auch Vermieter und Warenlieferanten. Es müssten jene Verantwortung übernehmen, die in der Vergangenheit Verantwortung für die schwierige Lage des Konzerns getragen hätten, sagte Steinbrück.

Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sieht staatliche Hilfe für Arcandor äußerst skeptisch. "Wir nehmen natürlich die Sorgen der Mitarbeiter ernst, aber wo es keine Perspektive gibt, nützt es auch nicht, für ein paar wenige Wochen Geld rauszurücken und dann nachher einzusehen, es hat keinen Sinn gemacht", sagte Kauder vor einer Sitzung der CDU-Spitze. Wenn es möglich sei, solle ein neuer Kaufhauskonzern gebildet werden. Er glaube aber, dass das Kaufhauskonzept der Vergangenheit nicht mehr zukunftstauglich sei.