Rewe-Chef Caparros spricht im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa über die Konkurrenz zu Edeka, die Preisspirale im LEH und die Online-Pläne des Kölner Handelskonzerns.

"Wir müssen den Kunden zum Genuss verführen", ist Rewe-Chef Alain Caparros überzeugt. Und er weiß auch wie: Mit erstklassigen Produkten, am liebsten regional oder bio, rund um die Uhr verfügbar, präsentiert in nettem Ambiente von freundlichem Personal und das alles spottbillig.

Der 57-Jährige weiß aber auch: In einem Umfeld, in dem die Kosten steigen, die Bevölkerung stagniert und der Wettbewerb zunimmt, gleicht das immer mehr einer "Quadratur des Kreises". Mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX sprach der Manager über den Supermarkt der Zukunft, die Chancen im Internet und wie er zur Nummer Eins im deutschen Lebensmittelhandel aufschließen will.

Herr Caparros, gehören Sie auch zu denen, die über ein verhaltenes Weihnachtsgeschäft klagen?
Das Weihnachtsgeschäft bei Lebensmitteln hat erst mit Verzögerung eingesetzt. Anfang Dezember spürten wir eine große Kaufzurückhaltung - ohne erkennbaren Grund. In den letzten Tagen vor dem Fest haben wir eine Explosion unserer Umsätze erlebt. Das hat den Monat Dezember gerettet.

Welche Herausforderungen bringt das Jahr 2014?
Wenn man auf die Konjunktur oder den Arbeitsmarkt schaut, gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Trotzdem haben wir Anfang Januar eine große Kaufzurückhaltung im Lebensmittelhandel gespürt. In der Touristik gab es hingegen eine sehr gute Entwicklung. Auch bei den Baumärkten war der Trend positiv.

Die Discounter feiern gerade ein Comeback. In den ersten fünf Wochen des Jahres gab es bereits vier Preissenkungswellen. Wie halten sie da mit?

Solange die Discounter mit Umsatz und Kundenzuwachs nicht zufrieden sind, werden sie weiter an der Preisschraube drehen. Wir sind in einer Preisspirale, bei der wir mitschwimmen müssen. Allein die Preissenkungen bei den Eiern von Aldi kosten uns beim Rohertrag mehrere Millionen Euro. Das ist Wertvernichtung, denn wir verkaufen ja dadurch nicht mehr.

Was tut Rewe, um sich gegen die Wettbewerber zu behaupten?

Wir arbeiten an unserem Sortiment, an den Preisen, an der Leistung. Wir haben neue Konzepte entwickelt wie Rewe-to-Go und Nischen gefunden wie die Temma-Biomärkte. Hier ist die Testphase vorbei.

Wie weit wollen sie diese Konzepte ausrollen?
Wir wollen noch stärker in den Markt für das schnelle Essen zwischendurch vordringen. Es gibt langfristig in Deutschland ein Potenzial von 400 bis 500 Rewe-to-Go-Läden. Das bedeutet: 100 bis 150 Quadratmeter Toplage in den Innenstädten, junge Leute, Musik, nettes Ambiente. Temma ist eher ein Nischengeschäft und das Potenzial ist mit 100 bis 150 Läden deutlich geringer. Bei Temma müssen die Produkte lokal oder regional produziert und zudem bio sein. Das macht die Belieferung zu einer großen Herausforderung.

Sie sind schon lange Zeit im Lebensmittelhandel die Nummer zwei nach Edeka. Haben sie den Ehrgeiz die Konkurrenten zu überholen?

Wenn wir auf Augenhöhe mit Edeka sein können, bin ich auch zufrieden. Größe allein ist nicht entscheidend. Das Online-Geschäft bietet uns aber die Chance, näher an Edeka heranzurücken.

Wie das?
Der Tagesbedarf wird schon bald online eingekauft werden: Tiernahrung, Windeln, Wasser, Getränke und so weiter. Ich bin überzeugt, dass die Zeit des Massengeschäfts im stationären Handel vorbei ist. Diese Abfertigung von Leuten, die ihre Wocheneinkäufe in einem riesigen Einkaufskorb nach Hause tragen. Zudem bietet uns die Verzahnung von Online- und stationärem Handel Möglichkeiten für neue Angebote. Ein Beispiel: Unsere Märkte in den Innenstädten werden tendenziell ein bisschen kleiner werden und wir haben keine dehnbaren Regale. Online-Angebote könnten hier eine Sortimentserweiterung ermöglichen.

Apropos Online: In der Touristik betreiben sie noch jede Menge Reisebüros, haben die denn in Zeiten des Internets noch eine Chance?

Es gibt eine Zielgruppe zum Beispiel die über 50-Jährigen, die besuchen gerne das Reisebüro. Das hat in erster Linie mit dem Bedarf nach persönlicher Beratung zu tun und das darf man auch nicht unterschätzen. Ob das Reisebüro aber ein Zukunftsmodell ist, müssen wir kontinuierlich prüfen.

Man kann bei Rewe oder Penny ja auch eine Reise im Supermarkt kaufen. Wer macht denn so was?
Sogar sehr viele. Wir haben Kontakt zu 50 Millionen Kunden pro Woche. Diesen Hebel müssen wir nutzen. Ich kann mir künftig auch ein Reisebüro-Konzept im Supermarkt vorstellen. Also einen Mitarbeiter, der im Markt vor Ort ist und berät. Sie können dann quasi ihre Reise zwischen Brot und Marmelade buchen.

Wie haben sich 2013 die anderen Geschäftsfelder entwickelt?
Die Touristik entwickelt sich stark - trotz Ägypten. Das Vollsortiment ist nach wie vor eine Erfolgsstory. Gleiches gilt für die Baumärkte. Trotz des schlechten Frühjahrsgeschäfts haben wir im weiterem Verlauf des Jahres einen Sprung bei Umsatz und Ergebnis gehabt, wobei wir auch klar von der Praktiker-Pleite profitiert haben. Unser Auslandsgeschäft läuft auch sehr gut.

Die Rewe-Gruppe gleicht mit ihren vielen verschiedenen Geschäftsfeldern einem Gemischtwarenladen. Gibt es Überlegungen, sich von dem ein oder anderen zu trennen?
Momentan sind wir in der Orientierungsphase. Wir haben ja auch bereits einiges gemacht. Unsere Großmärkte für Gewerkbetreibende haben wir abgegeben. Zudem haben wir ProMarkt geschlossen. Was wir - das muss ich zugeben - viel früher hätten tun müssen. Jetzt müssen wir erst einmal zusehen, dass wir unsere verbliebenen Formate attraktiver machen. Grundsätzlich kennen wir keine Tabus. Wenn wir beispielsweise in einem Land keine kritische Größe erreichen oder mit dem Format an unsere Grenzen stoßen, dann ziehen wir uns zurück.